Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

Boulevard

Hype und Streit um Leonardo da Vinci

Dieses Jahr jährt sich der Tod von Leonardo da Vinci zum 500. Mal. Da wollen alle etwas vom Hype um das Universalgenie abhaben. Italien und Frankreich streiten um das größte Stück vom Kuchen.



Leonardo da Vinci
Das berühmteste Gemälde der Welt: Leonardos «Mona Lisa» im Pariser Louvre.   Foto: Horacio Villalobos/EPA » zu den Bildern

Leonardo da Vinci kannte keine Grenzen. Weder in der Kunst noch im wahren Leben. Er interessierte sich für Pferdefüße genauso wie für Krebse, Kriegsgeräte, Tauchanzüge oder mechanische Flügel. Er malte, baute, tüftelte ohne Unterlass. Universalgenie nennt man ihn daher.

Doch so universal darf der Renaissance-Künstler, Erfinder, Musiker und Philosoph derzeit überhaupt nicht sein. Denn zum Jubiläum seines 500. Todestages am 2. Mai will sich Italien «sein Genie» nicht wegnehmen lassen - schon gar nicht von Frankreich.

Zwischen den beiden Ländern hängt seit Längerem der Haussegen schief. Frankreichs Präsident Emmanuel Maron und die italienische Regierung liegen sich wegen Themen wie Migration, Europa und Haushaltspolitik in den Haaren. Erst vor wenigen Tagen goss der Vizepremier und Chef der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, noch Öl ins Feuer. Er warf Frankreich vor, noch immer Kolonien in Afrika zu haben und von der dortigen Armut zu profitieren.

Der Streit um Leonardo passt da nur ins Bild. Er ist in Italien geboren und in Frankreich gestorben. In der Kapelle des Loire-Schlosses von Amboise liegt er begraben. Aus dem prächtigen Anwesen, wo der Künstler seine letzten drei Lebensjahre verbrachte, ist heute ein Museum geworden, in dem man sein Atelier besichtigen kann sowie Modelle seiner Entwürfe und Erfindungen.

Zu den Highlights der über 500 Veranstaltungen in Frankreich gehört eine große Leonardo-Schau im Oktober im Pariser Louvre. Das Museum will fast alle Gemälde des Meisters versammeln. Laut Experten soll es von dem toskanischen Künstler zwischen 14 und 17 Bilder geben.

Dazu waren mit Rom bedeutende Leihgaben aus italienischen Museen vereinbart worden, die die Kulturstaatssekretärin der italienischen Rechtspartei Lega, Lucia Borgonzoni, nun neu verhandeln will. Leonardo sei Italiener, in Frankreich sei er «nur gestorben», erklärte sie italienischen Medien.

«Ich möchte gerne verstehen, warum ein Minister der italienischen Republik entschieden hat, Frankreich den Namen Leonardo zu schenken», so Borgonzoni. Wichtige Werke wie zum Beispiel der «Vitruvianische Mensch», der in der Galleria dell'Accademia in Venedig gehütet wird, sollen zuhause bleiben.

Der Louvre besitzt nach eigenen Angaben neben 22 Zeichnungen fast ein Drittel der Gemälde des Meisters, darunter die Mona Lisa. Das weltbekannte Bild verkaufte Leonardo dem französischen König Franz I., für den er drei Jahre arbeitete.

Die Ausleih-Bedingungen hatte Paris noch mit der sozialdemokratischen Vorgängerregierung Italiens ausgehandelt. Im Gegenzug sollte Frankreich dem Scuderie del Quirinale-Museum in Rom zum 500. Todestag von Raffael im Jahr 2020 mit Leihgaben aushelfen.

Nach Informationen der französischen Tageszeitung «Le Monde» hat der Louvre die Ausstellung bewusst auf den Herbst gelegt, um den Italienern für den Todestag am 2. Mai den Vortritt zu lassen. Der Direktor des Museums, Jean-Luc Martinez, hüllt sich seit Beginn des Streits in Schweigen.

Italien begeht das Jubiläumsjahr mit Werkschauen in Turin, Mailand, Florenz und in Leonardos kleinem Geburtsort Vinci in der Toskana. Den Startschuss gaben die Uffizien in Florenz mit einer großen Ausstellung über den Codex Leicester. Bei der Handschrift soll es sich um das teuerste Manuskript aller Zeiten handeln. Bill Gates hatte die Sammlung von Blätter mit Zeichnungen und wissenschaftlichen Schriften von Leonardo 1994 bei einer Auktion für 30,8 Millionen Dollar erworben.

Der italienische Kulturminister Alberto Bonisoli versuchte zuletzt, die Wogen zu glätten und erklärte, das frühere Abkommen sei nie in die konkrete Phase der Umsetzung übergegangen. Man arbeite nun daran, mit Frankreich doch noch eine Lösung zu finden. Am 28. Februar soll daher in Mailand ein Treffen mit dem französischen Kulturminister stattfinden.

«Bei Großausstellungen zu einem Jubiläum gehen immer die Schlachten los», sagte die deutsche Direktorin der Galleria dell'Accademia in Florenz, Cecilie Hollberg. Das sollte man aber nicht überbewerten. Frankreichs Medien sehen das anders. Ein solches Event entscheide sich nicht nur zwischen den Direktoren der Museen, sondern auch zwischen den Staaten. Derzeit sind die politischen Beziehungen zwischen Italien und Frankreich allerdings so schlecht wie seit Jahren nicht mehr.

Veröffentlicht am:
24. 01. 2019
18:33 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bill Gates Französische Königinnen und Könige Italienische Regierungen Kulturminister Le Monde Leonardo Da Vinci Louvre Meister Raffael Streitereien Zeichnungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Leonardo-Schau im Louvre

22.02.2020

Bei Leonardo nachts um halb vier

Das Louvre in Paris zeigt die Werke von Leonardo da Vinci. Die Ausstellung enthält mehr als 160 Exponate des Ausnahmekünstlers - und ist auf dem Weg, die meistbesuchteste in der Geschichte des Museums zu werden. » mehr

500. Todestag von Leonardo da Vinci

30.04.2019

Auf den Spuren des Universalgenies

Er wird weltweit fast wie ein Heiliger verehrt. Nun jährt sich Leonardo da Vincis Todestag zum 500. Mal. Eine Spurensuche. » mehr

Leonardo da Vinci

13.03.2019

Italiens Regierung schmückt sich mit Leonardo

Neue Euromünzen, Sonderbriefmarken und überall Leonardo-Ausstellungen: Ganz Italien ist stolz auf Leonardo da Vinci. Das Jubiläum zum 500. Todestag des Künstlers nutzt die populistische Regierung in Rom aber auch als eig... » mehr

Raffael-Ausstellung in Rom

05.04.2020

Genie der Hochrenaissance: Der Jungstar Raffael

Vor 500 Jahren ist Raffael auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Päpste und Bankiers schätzen seine Fresken und Gemälde. Doch das Renaissance-Genie bekommt Fieber - und dann geht alles plötzlich ganz schnell. » mehr

Roman Polanski

14.02.2020

Streit um Polanski - Direktion des César tritt zurück

Es soll ein Fest des Films bleiben. Das hofft die Führung des renommierten Filmpreises César mit ihrem Rücktritt zu erreichen. In Frankreichs Kulturszene brodelt es schon länger - doch das Fass zum Überlaufen dürfte ein ... » mehr

Da Vinci - Ausstellung im Louvre

23.10.2019

Leonardo-Schau: Mit Bangen und Zittern zum Riesen-Hype

Nach diplomatischen Streitigkeiten und Klagen hat der Louvre nun seine Leonardo-Retrospektive der Superlative eröffnet. Der «Salvator Mundi», das teuerste Werk der Welt, fehlt jedoch. Das Museum erwartet einen «Leonardo-... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis Zella-Mehlis

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis | 27.05.2020 Zella-Mehlis
» 12 Bilder ansehen

Brennender Lkw A73 Eisfeld-Nord

Lkw-Brand A73 Eisfeld | 26.05.2020 Eisfeld-Nord
» 28 Bilder ansehen

Unfall Schleusingen Schleusingen

Unfall Schleusingen | 25.05.2020 Schleusingen
» 7 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
24. 01. 2019
18:33 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.