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Helge Achenbach: Vom Kunstberater zum Künstler

Früher verkaufte Helge Achenbach Kunst von Gerhard Richter oder Jörg Immendorff für Millionenpreise. Nach seiner Knast-Erfahrung versucht er sich nun auch als Künstler. Allerdings etwas bescheidener.



Helge Achenbach
Helge Achenbach vor seinem Gemälde «Distant Shores».   Foto: Roland Weihrauch

Schwarze Jeans, schwarzes Hemd und unter den Fingernägeln schwarze Farbe: In diesem Outfit mischt Ex-Kunstberater Helge Achenbach (66) wenige Monate nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wieder im Kunstbetrieb mit - und zwar als Künstler.

In einer temporären Galerie in Düsseldorfs Szeneviertel Flingern sind an diesem Wochenende farbenfrohe und grau-schwarze Landschaftsabstraktionen von Deutschlands einst bekanntestem Kunstberater zu sehen. Achenbach handelte früher mit Millionen, seine eigenen Bilder kosten nun zwischen 1600 und 12.000 Euro.

«Ich empfinde mich nicht als großen Künstler», sagt Achenbach. Er habe schließlich nie eine Kunstakademie besucht und mit der Malerei überhaupt erst vor vier Jahren im Gefängnis angefangen. Das Malen habe ihm «Hoffnung und Kraft» gegeben. «Ich habe mich wieder in die Welt hineingemalt.» Seine erste Ausstellung sei für ihn ein kleiner Beitrag zu seiner Resozialisierung. «Ich bin wieder da», sagt er - frei nach dem Text des AC/DC-Songs «Back in Black», unter dessen Motto seine Schau steht.

Dass Achenbach in den Ateliers großer Künstler wie Gerhard Richter, Georg Baselitz oder Jörg Immendorff ein- und ausging, hat auch Niederschlag in seiner künstlerischen Handschrift gefunden. Die roten Tannen in zitronengelber Landschaft stehen schon mal auf dem Kopf - Vorbild Baselitz. Achenbach übermalt seine Bilder auch. «Aber kein Rakel», sagt er und spielt auf Richters Wischtechnik an. «Das wäre anmaßend.» Achenbachs Bilder sind manchmal zwei- oder viergeteilt und können beliebig zusammengesetzt werden. «Das ist der typische Helge als Spieler», sagt er ironisch über sich.

Achenbachs Bilder sind zeitgleich zum renommierten Köln-Düsseldorfer Galeriewochenende «DC Open» zu sehen. Tausende Kunstfreunde und Sammlern strömen von Freitag bis Sonntag durch die bekannten Galerien der beiden Kunstzentren des Rheinlands. Doch so richtig gehört Achenbach nicht mehr zum Kunstbetrieb, und er will es auch nicht.

Die Ausstellung hat sein Künstlerfreund Ulli Maier in seinem Atelier organisiert. Teil des «DC Open»-Programms mit den großen Namen der Kunstszene ist sie nicht. Maier sieht die kleine Schau eher als eine Art Performance. Der Kunstmarkt sei ein Markt der Eitelkeiten. «Es geht oft nicht um die Arbeit, sondern um den Namen des Künstlers», sagt Maier. «Das Verblüffende aber ist, dass Helges Arbeiten gut sind.»

Achenbach sagt, dass er die großen Kunstmessen in Köln und Düsseldorf inzwischen scheue. Zu Künstlern wie Richter oder Günther Uecker habe er weiter Kontakt und «liebevolle, nette unterstützende Worte» von ihnen bekommen. Kürzlich war Achenbach auch zu einem großen Event mit US-Kunststar Jeff Koons in Berlin eingeladen. «90 Prozent der Gäste blickten durch mich hindurch.» Erst als der Gastgeber ihn in seiner Begrüßungsrede willkommen hieß, sei das Eis gebrochen.

Dass der Gerichtsvollzieher den möglichen Erlös einfordern könnte, befürchtet Achenbach nicht. Alle Werke habe er bereits seinem Verein «Kultur ohne Grenzen» geschenkt, der sich um politisch verfolgte Künstler kümmert. Auf einen grünen Zweig dürfte Achenbach mit seiner eigenen Kunst ohnehin nicht kommen. Er muss laut Gerichtsurteil rund 16 Millionen Euro Schadenersatz an die Familie des 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht zahlen. Er hatte Albrecht beim Kauf von Kunst und Oldtimern durch versteckte Preisaufschläge betrogen.

Veröffentlicht am:
06. 09. 2018
15:03 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
06. 09. 2018
15:03 Uhr



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