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Haußmanns Stasiparade an der Volksbühne

Darf man über die Staatssicherheit lachen? Leander Haußmann zeigt an der Berliner Volksbühne eine Komödie über DDR-Spitzel. Dass manche immer wieder mit dem Begriff Ostalgie kommen, findet der Regisseur «diskriminierend» und «dumm».



Haußmanns Staatssicherheitstheater
Matthias Mosbach (l-r), Christopher Nell, Waldemar Kobus und Norbert Stöß spielen in «Haußmanns Staatssicherheitstheater». Foto: Christoph Soeder   Foto: dpa

Regisseur Leander Haußmann («Sonnenallee», «Herr Lehmann») und die Stasi haben eine ganz eigene Geschichte. Sein Vater hatte in der DDR jahrelang Berufsverbot, auch zu Haußmann gibt es eine Akte.

Darin unterstellt ihm ein Beobachter einen «hohen Grad an Zynismus» und eine «ausgeprägte Kantinen-Begabung». «Und doch kann ich es nicht über das Herz bringen, eine pauschale Wut zu empfinden auf diese Leute», sagte Haußmann gerade dem Radiosender Deutschlandfunk Kultur. Er sehe die Akten und erkenne selbst bei den Tätern «eine gewisse Tragik», einen Hass, «geboren aus einem extremen Minderwertigkeitsgefühl».

Und deswegen macht Haußmann das, was er auch in seinen Filmen versucht. Er macht aus der Vergangenheit etwas Komisches. Sein Theaterstück «Haußmanns Staatssicherheitstheater» wurde am Freitag in der Berliner Volksbühne uraufgeführt. Auch eine Verfilmung ist geplant. Aber eine Komödie über die Stasi - geht das?

In der Geschichte will das Ministerium die Künstlerszene am Prenzlauer Berg unterwandern. Dafür wird die Sondereinheit LSD gebildet, das steht nicht für die Droge, sondern für Lychener-, Schliemann- und Dunckerstraße. Es fallen manche schöne Sätze («Erstens: Ich bin dick, aber nicht nett»).

Und während einer noch behauptet, CIA und Mossad würden nie Schlüpfer stehlen, verteilen DDR-Spione für ihren Komplott Körperflüssigkeit in einer fremden Wohnung. Man kann das lustig finden, man muss es aber nicht. Das Premierenpublikum mag das Stück, ersten Applaus gibt es schon fürs Bühnenbild: Es ist ein dreistöckiges Puppenhaus.

Wie groß die Sehnsucht an der Volksbühne nach ordentlichem Sprechtheater ist, hat das Debakel um Chris Dercon gezeigt. Der Belgier sollte als neuer Intendant frische Ideen mitbringen. Dem Museumsmacher schlug aber massive Kritik entgegen - im Frühjahr gab er seinen Posten noch vor Ende der ersten Spielzeit auf.

Nun sucht die Volksbühne einen neuen Chef. Mit Haußmanns Stück blickt sie vorerst zurück auf die Ost-Berliner Kneipe «Tute» und die Bohème der DDR. Sie spielt satirisch Lieder, die Erich Honecker gerne mochte - etwa «Der kleine Trompeter». Dass später noch ein bisschen Blut auftaucht, dürfte Fans des langjährigen Intendanten Frank Castorf beruhigen. Der quälte seine Zuschauer schon mal gerne mit Unappetitlichem.

Haußmann werfen manche Ostalgie vor. Über dieses Wort könne er sich «wahnsinnig» aufregen, sagte der 59-Jährige der «Süddeutschen Zeitung». «Ich finde es diskriminierend, dumm, und in seinem Nachgeklappertwerden ist es auch ekelhaft.»

«Nostalgie ist dann offenbar reserviert für den Westdeutschen, der darf das haben, ne? Und die Ostalgie ist dazu da, dich herabzuwürdigen», sagte Haußmann der Zeitung. Es sei eine Frechheit, wie Leute aus dem Westen auf den Osten blickten.

«Ah, heißt es da, die waren alle bei der Staatssicherheit! Ich sage Ihnen eines: Die Charaktereigenschaften von Stasioffizieren und Spitzeln sind nicht erfunden worden in der DDR.» Über Einzelschicksale sei pauschal geurteilt worden. Den Menschen seien etwa ohne Gerichtsverfahren zur Strafe Renten gekürzt worden.

Haußmann lässt seine jungen Spitzel recht menschlich erscheinen, aber irgendwie auch arg wehrlos. Ein Tourist, der im Theaterpublikum saß, sagt später, er wisse nicht, ob das allen gefalle, die unter der Stasi gelitten hätten.

Die dreieinhalb Stunden in der Volksbühne zeigen ein bisschen Slapstick, ein bisschen Musical, ein paar Wutanfälle. Ein gefälliger Abend mit der Stasi.

Veröffentlicht am:
15. 12. 2018
13:11 Uhr

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15. 12. 2018
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