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Boulevard

Göttliches im Bild - Ikonen-Sammlung in Recklinghausen

Im vergangenen Jahr schenkte der frühere Düsseldorfer Jugendrichter Reiner Zerlin der Stadt Recklinghausen seine hochwertige Ikonen-Sammlung. Den größten Teil davon zeigt von diesem Samstag an eine Ausstellung in der Kunsthalle der Ruhrgebietsstadt.



Ikonen-Ausstellung in Recklinghausen
Die Ikone mit dem heiligen Nikolaus aus Russland (um 1500).   Foto: Caroline Seidel/dpa » zu den Bildern

Stolz sitzt der Heilige Eustathios auf seinem Ross, über ihm die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm.

Besonders groß ist die Ikone des Jäger-Patrons aus dem 17. Jahrhundert nicht, die von diesem Samstag an in einer großen Ikonen-Ausstellung in Recklinghausen gezeigt wird. Aber wunderschön - und mit einem interessanten Detail, wie Lutz Rickelt berichtet.

Der Leiter des Ikonen-Museums Recklinghausen zeigt auf ein Tier am Rand des Bildes: Frech schaut dort ein Hirsch mit einem leuchtenden Kreuz im Geweih zu dem Heiligen. «Das Logo eines bekannten Schnapsherstellers», sagt Rickelt mit einem Augenzwinkern. Solch ein Hirsch ist auch aus der Legende des Heiligen Hubertus bekannt, des im westlichen Christentum wesentlich bekannteren Schutzpatrons der Jäger.

Ikonen sind in Recklinghausen eigentlich nichts Besonderes. Schon seit 1956 gibt es dort das Ikonen-Museum mit mittlerweile fast 4000 Objekten - und damit einer der größten Sammlungen außerhalb orthodoxer Länder. Als die Stadt im vergangenen Jahr dann aber eine hochwertige, große Sammlung geschenkt bekam, war die Freude groß. Der frühere Düsseldorfer Jugendrichter Reiner Zerlin, Jahrgang 1939, überließ der Stadt fast 250 Objekte. Die Ausstellung zeigt in der Kunsthalle jetzt einen Großteil davon, vor allem Ikonen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert aus Russland und Griechenland, den Kernländern der Orthodoxie. Ihr Gesamtwert wird auf über zwei Millionen Euro geschätzt.

Doch was sind eigentlich Ikonen? «Es sind die Kultbilder der orthodoxen Kirchen», sagt Lutz Rickelt. Sie zeigen etwa die Gottesmutter Maria, Christus oder Heilige. «Man glaubt, dass in den Bildern das Himmlische vergegenwärtigt ist.» Dahinter steht die Überzeugung, dass das Urbild der abgebildeten Personen im Abbild dieser Personen, also in der Ikone, wirksam ist. Die Namen der Künstler sind nur selten bekannt.

Ältestes Objekt der Ausstellung ist eine Christus-Ikone aus dem frühen 15. Jahrhundert aus dem byzantinischen Raum. «Solche Ikonen tauchen nur noch sehr selten auf und sind kaum bezahlbar», sagt Rickelt. Das auffällige Bild zeigt Christus als Weltenherrscher mit segnender rechter Hand und dickem Evangeliumsbuch in der Linken. «Die Ikone wurde irgendwann ausgesägt oder rausgebrochen», erklärt Rickelt das auffällige Fehlen eines Rahmens und die sichtbaren Holzrisse an den Seiten.

Gezeigt werden auch liturgische Gegenstände und Objekte aus dem Bereich der Alltagsfrömmigkeit. So erfährt der Besucher, dass viele Haushalte in der orthodoxen Welt früher Hausikonen besaßen. In Russland wurden sie in der sogenannten «Schönen Ecke» präsentiert, wo sie auch von Gästen begrüßt wurden. Die Ausstellung unter dem Titel «Über dich freuet sich die ganze Schöpfung» geht bis zum 30. August.

Veröffentlicht am:
04. 06. 2020
14:08 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
04. 06. 2020
14:08 Uhr



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