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Festival von Avignon: Dämonen, Geister und ein Ex-Präsident

Avignon hält der Gegenwart wieder den Spiegel vor: Im Mittelpunkt des Theaterfestivals steht Europa mit seinen alten und zukünftigen Dämonen. Ein Ex-Präsident sorgt für eine Überraschung.



Architecture
«Architecture» im Ehrenhof des berühmten Papstpalastes.   Foto: Gerard Julien/AFP

Geister spielen Gitarre, Skelette tragen die französische Nationalflagge, und Frankreichs Ex-Präsident François Hollande ist Schauspieler für einen Abend: Szenen und Bilder, die das Eröffnungswochenende des Theaterfestivals in Avignon bestimmten.

Hinter den teils grotesken Inszenierungen steckt ein gewaltiges Thema: Die Vergangenheit und Zukunft Europas.

Wohin geht Europa? Diese Frage steht seit Donnerstag im Mittelpunkt des berühmten Theaterfestivals in Avignon. Den Startschuss gab der französische Regisseur Pascal Rambert mit «Architecture» im Ehrenhof des Papstpalastes. Der Text des 57-Jährigen handelt von einer Intellektuellen-Familie, die vor dem Hintergrund des aufkommenden Nationalsozialismus zerbricht. Das Stück will eine Warnung vor den Dämonen des Populismus sein, denn Rambert wirft darin die Frage auf, warum Vernunft und Denken nicht Schrecken und Grauen des Nazismus verhindern konnten.

Rambert hat hochwertiges Texttheater präsentiert, das von einigen der bedeutendsten Darsteller Frankreichs, darunter Emmanuelle Béart, Denis Podalydès und Stanislas Nordey, umgesetzt wurde. Doch hätte man sich für ein knapp vierstündiges Stück eine stärkere visuelle Sprache gewünscht. Denn Rambert hat sich auf die verbale und körperliche Leistung der Stars und die Ausdruckskraft seines Textes verlassen und auf jegliche inszenatorische Effekte verzichtet. Sein Bühnenbild war statisch und bestand aus weißen Tischen und Stühlen. Weder hat er mit der imposanten Fassade des Ehrenhofs gespielt, noch mit dessen Größe.

Mit Geistern, die Gitarre spielen, und mit Dostojewskis Idioten, der durch Paris irrt, wirft Clément Bondu in «Dévotion - dernière offrande aux dieux morts» (etwa: Hingebung - letzte Opfergabe an die toten Götter) einen Blick auf ein Europa, das im Chaos versinkt. Der 30-Jährige erweckt darin Dostojewskis Romanfigur des Idioten wieder zum Leben, der von Schönheit und Liebe spricht und nur auf Hass und Konflikte stößt. So wie die junge Generation habe der Protagonist geglaubt, dass die Gewalt ihr Ende gefunden habe, erklärte Bondu - um festzustellen, dass sie zurückkehrt.

Welches Europa wollen wir? Und was wollen wir sein innerhalb Europas? Fragen, die in «Nous, l'Europe, banquet des peuples» (etwa: Wir, Europa, das Bankett der Völker) aufgeworfen werden. Der Text wurde von dem Komponisten und Musiker Roland Auzet inszeniert, der am Samstagabend mit einem ungewöhnlichen Akteur für Überraschung sorgte. Für eine knappe Viertelstunde stand Frankreichs Ex-Präsident François Hollande auf der Bühne und gab seine Version von Europa zum Besten. Als einer der nächsten Politiker soll Italiens früherer Ministerpräsident Enrico Letta in dem Stück auftreten.

Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
14:22 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
14:22 Uhr



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