Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Boulevard

Ex-König Juan Carlos droht die Anklagebank

Das einst als mustergültig geltende spanische Königshaus wird seit einigen Jahren von Skandalen erschüttert. Nun droht dem greisen Ex-Monarchen Juan Carlos sogar eine Anklage - es geht um Schmiergeld.



Juan Carlos
Spaniens Justiz ermittelt gegen Juan Carlos.   Foto: Francisco Flores Seguel/Agencia Uno/dpa

Spaniens früherem König Juan Carlos droht im Alter von 82 Jahren die Anklagebank. Es geht um die «Wüsten-Zug-Affäre»: Beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium flossen mutmaßlich Schmiergelder von vielen Millionen Euro.

In Zusammenhang mit diesem Skandal nahm das Oberste Gericht in Madrid nun Ermittlungen gegen den Vater von König Felipe VI. auf. Spanische Medien, etwa die Digital-Zeitung «El Nacional», sprachen von einem «Erdbeben», das das von Skandalen gebeutelte Königshaus verstärkt ins Wanken bringen könnte.

Worum geht es? Im Jahr 2008 soll Juan Carlos als «Vermittler» zwischen den Scheichs und spanischen Firmen unterm Tisch eine «Prämie» von 100 Millionen Dollar erhalten haben. Ans Licht kamen die mutmaßlich unsauberen Geschäfte aber erst zehn Jahre später, als Medien 2018 Aufnahmen eines Gesprächs veröffentlichten, bei dem eine Deutsche dem Altkönig Korruption und Geldwäsche vorwarf. Die heute 55-Jährige war Juan Carlos nach eigenen Angaben bis 2012 eng verbunden. Sie sei «eine innige Freundin» gewesen, sagte sie Medien, die immer wieder gern über ihr Leben berichten.

Die für Wirtschaftsdelikte zuständigen Behörden nahmen bald Ermittlungen auf, die bis heute andauern. Für die knapp vier Jahrzehnte, die er König und Staatsoberhaupt von Spanien war (von November 1975 bis Juni 2014) genießt Juan Carlos zwar weiterhin Immunität. Für Delikte aber, die nach dem Thronverzicht begangen worden sein könnten, könnte er vom Obersten Gericht - und nur von diesem - zur Rechenschaft gezogen werden.

In Zusammenhang mit dem Geld, das er in Sachen «Wüsten-Zug» erhalten haben soll, hätten die Ermittler nun Indizien für Geldwäsche und Steuerhinterziehung nach 2014 entdeckt, berichteten Medien. Die Unterlagen seien deshalb an das Oberste Gericht weitergeleitet worden. Das «Tribunal Supremo» teilte nun nach Prüfung dieser Papiere mit, man leite Untersuchungen ein, um die «strafrechtliche Relevanz der Taten abzugrenzen oder auszuschließen», die nach der Abdankung von Juan Carlos im Juni 2014 erfolgt seien.

Nach Einschätzung von Justizexperten ist es alles andere als unmöglich, dass Juan Carlos auf der Anklagebank landet. Der mit den Ermittlungen beauftragte Juan Ignacio Campos sei linksgerichtet und Mitglied der «Union Progressiver Staatsanwälte» (UPF), die für eine Abschaffung der Monarchie eintrete. Spaniens linke Regierung wird unterdessen nichts zum Schutz von Juan Carlos tun. «Vor der Justiz sind alle gleich», betonte am Montag in einer ersten Reaktion Regierungssprecherin María Jesús Montero.

Auf Unterstützung durch seinen Sprössling kann Juan Carlos noch weniger hoffen. Im März brach Felipe mit seinem Vater, nachdem die britische Zeitung «Telegraph» enthüllt hatte, dass sein Name - offenbar ohne sein Wissen - als Begünstigter einer dubiosen Offshore-Stiftung aufgetaucht war, in der auch Teile der Saudi-Dollars deponiert sein sollen. Felipe verzichtete auf sein Erbe und strich dem Papa auch noch das Jahresgehalt von 194.000 Euro.

Dabei galt Juan Carlos jahrzehntelang als Vorzeigekönig - schon weil er 1981 die junge spanische Demokratie nach einem Putschversuch energisch verteidigt hatte. Doch in den vergangenen zehn Jahren mutierte er zur Skandalnudel, die Affären überschlugen sich: Eine umstrittene Elefantenjagd, mutmaßliche Seitensprünge und Vetternwirtschaft bei einem Betrugsskandal um seinen zu knapp sechs Jahren Haft verurteilten Schwiegersohn Iñaki Urdangarin.

Da die Skandale um Juan Carlos aber auch nach der Abdankung nicht aufhören, gibt es in Spanien immer mehr Proteste gegen die «Casa Real» - und Forderungen zur Abschaffung der Monarchie. Felipe muss also aufpassen. Der auch von knapp 20 Operationen geschwächte Juan Carlos hüllt sich derweil weiterhin in Schweigen.

Veröffentlicht am:
08. 06. 2020
17:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anklage Betrugsskandale Britische Zeitungen Ermittlerinnen und Ermittler Geldwäsche Iñaki Urdangarin Skandale und Affären Skandalnudeln Staatsanwälte Staatsoberhäupter Steuerbetrug
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ex-König Juan Carlos

04.08.2020

«Wo ist Juan Carlos?» - Spaniens Altkönig untergetaucht

Das spanische TV sprach von der «Nachricht des Jahres», und auch in den Cafés überall im Lande gab es trotz Pandemie und Maskenpflicht kein anderes Thema: Der der Korruption verdächtige Ex-König Juan Carlos verlässt Span... » mehr

König Felipe VI.

16.03.2020

Genug der Skandale: König Felipe bricht mit seinem Vater

Mitten in der Coronavirus-Krise erlebt Spanien noch einen Einschnitt ganz anderer Art - im Königshaus. Im Zuge eines neuen Skandals distanziert sich Felipe VI. öffentlich von seinem Vater. Der Grund: Plötzlich muss er se... » mehr

Juan Carlos

07.08.2020

Spaniens Altkönig Juan Carlos bleibt untergetaucht

Wo ist Juan Carlos? Nachdem der Ex-König Spanien verlassen hat, war er zunächst in der Dominikanischen Republik vermutet worden. Jetzt gibt es neue Spekulationen. » mehr

Altkönig Juan Carlos

05.08.2020

Spaniens Regierung: Altkönig Juan Carlos ist nicht geflohen

Wo ist Spaniens Altkönig? Sein Aufenthaltsort war am Mittwoch weiter unkla, das Königshaus hüllte sich zu dieser Frage in Schweigen. » mehr

Harvey Weinstein

13.04.2020

Weitere Vorwürfe gegen Harvey Weinstein

Vor Gericht in New York ist Harvey Weinstein wegen Sexualverbrechen zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. Während der frühere Filmproduzent seine Strafe absitzt, steht in Los Angeles ein weiterer Prozess an. » mehr

Felicity Huffman

13.09.2019

Betrugsskandal: Felicity Huffman soll 14 Tage ins Gefängnis

Im Hochschul-Bestechungsskandal ist Schauspielerin Felicity Huffman («Desperate Housewives») Medienberichten zufolge zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Picknickkonzert in Kloster Veßra Kloster Veßra

Picknick-Konzert Kloster Veßra | 14.08.2020 Kloster Veßra
» 12 Bilder ansehen

Dachstuhl geht in Flammen auf

Dachstuhlbrand in Sonneberg |
» 29 Bilder ansehen

Unwetter Meiningen 11.08.20 Meiningen

Starkregen in Meiningen | 11.08.2020 Meiningen
» 4 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 06. 2020
17:29 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.