Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Boulevard

«Es tut so weh» - Frühes Aus für den Festival-Sommer

Die großen Musikfestivals im ganzen Land sind abgesagt. Für Hunderttausende Fans wird es ein trauriger Sommer - und für die Veranstalter ein bitteres Jahr.



Rock im Park
Besucher von «Rock im Park» feiern im Jahr 2019.   Foto: Daniel Karmann/dpa

Rock am Ring»: abgesagt. «Southside»: gestrichen. «Wacken Open Air»: fällt aus. Wegen der Corona-Krise bleiben Großveranstaltungen bis Ende August verboten - der diesjährige Musikfestival-Sommer ist zu Ende, bevor er angefangen hat.

«Es tut so weh, obwohl man es schon wusste», schreibt eine Nutzerin am Donnerstag auf der Instagram-Seite von «Rock am Ring». Bei den Zwillingsfestivals «Rock am Ring» und «Rock im Park» waren in diesem Jahr große Jubiläumsausgaben geplant, unter anderem mit Green Day, System Of A Down und Volbeat. «Für die Veranstalter und ihre Teams, die Künstler und 175.000 Fans, die am ersten Juni-Wochenende 35 Jahre "Rock am Ring" und 25 Jahre "Rock im Park" feiern wollten, ist diese alternativlose Entscheidung natürlich enttäuschend», hieß es beim Veranstalter Live Nation.

«Für viele Musikfans sind unsere Festivals lang herbeigesehnte Höhepunkte des Jahres, die in dieser noch nie dagewesenen Ausnahmesituation dennoch ganz klein scheinen», sagt Stephan Thanscheidt von FKP Scorpio. «Jetzt ist es wichtig, Solidarität zu zeigen, denn die Gesundheit von uns allen ist das Wichtigste.» Der Veranstalter organisiert unter anderem das «Hurricane» (Scheeßel/Niedersachsen) und «Southside» (Neuhausen ob Eck/Baden-Württemberg), wo voriges Jahr insgesamt 128 000 Menschen feierten.

Auch die Band Revolverheld sollte in diesem Sommer auf mehreren Open-Airs auftreten. «Für uns als Band bedeutet das eine große Umstellung. Wir tun das, was wir am liebsten machen, im Moment wirklich gar nicht», sagt Sänger Johannes Strate. «So etwas hat es, glaub' ich, noch nie in der Veranstaltungsbranche gegeben.» Das sei «der «helle Wahnsinn».

Als Band könne man das schon mal ein Jahr kompensieren. Aber «man muss jetzt eben wirklich schauen, dass man gezielt Aktionen macht und den Leuten unter die Arme greift», so Strate. «Unser ganzes Umfeld verdient keinen Pfennig, also die Jungs aus der Crew, die Lkw-Fahrer, der Busfahrer. Die Jungs, die die Bühne aufbauen, das Booking, die lokalen Veranstalter.»

«Für die Festivalbranche in Deutschland entsteht ein Schaden in Milliardenhöhe», sagt der Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), Jens Michow. Zwar könnten die Veranstalter auf Ausfallzahlungen der Versicherungen hoffen, da sie die Absage nicht selbst zu vertreten haben. Doch das decke längst nicht alle Schäden ab.

Für die Veranstalter, die das ganze Jahr mit der Organisation ihrer Festivals beschäftigt sind, könnten die Gewinnausfälle dramatische Folgen haben. «Die Vielfalt des Kulturangebots im Live-Segment würde enorm leiden, wenn Veranstalter Insolvenz beantragen müssen», warnt Michow.

Für die Branche der Mobiltoiletten, die die Festivals versorgt, sind die Absagen indes nicht so dramatisch. Das falle nicht mehr so ins Gewicht, sagt der Sprecher des zuständigen Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE). Das Geschäft verlagere sich zur Zeit. So gebe es beispielsweise auf Baustellen angesichts von Corona mehr Bedarf für Handwaschplätze.

Unterdessen will die Bundesregierung mit Gutscheinen eine Lösung für Veranstalter und Fans anbieten. Die Regelung, die Ende April noch vom Bundestag verabschiedet werden soll, gilt auch für abgesagte Konzerte und andere Kulturveranstaltungen. Die Gutscheine sollen bis Ende 2021 gelten und beim gleichen Veranstalter auch für andere Events eingelöst werden können. Wer dennoch sein Geld zurückhaben möchte, kann sich Anfang 2022 den vollen Wert nicht genutzter Gutscheine auszahlen lassen.

Das beschauliche Dorf Wacken in Schleswig-Holstein muss dieses Jahr auf die Invasion Zehntausender Heavy-Metal-Fans verzichten - und damit auch auf ein lukratives Geschäft. «Wir stehen vor einer Situation, wie wir sie in 30 Jahren noch nicht erlebt haben», sagt Festival-Mitbegründer Holger Hübner. Sein Partner Thomas Jensen: «Diese Nachricht trifft uns tief und muss auch von uns erst einmal verarbeitet werden.»

Das «Wacken Open Air», zu dem 75.000 Metal-Fans aus aller Welt erwartet wurden, sollte vom 30. Juli bis 1. August 2020 stattfinden. «Dann halt 2021! Jetzt heißts einfach nur durchhalten», meint ein Instagram-Nutzer zur Absage des «WOA». Ein anderer schreibt: «Wacken will never die.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 04. 2020
16:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutscher Bundestag Fans Green Day Johannes Strate Konzerte und Konzertreihen Kulturveranstaltungen Kunst- und Kulturfestivals Musikfans Musikfestivals Rock im Park Veranstalterbranche Wacken Open Air
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Roskilde Festival

08.04.2020

Hoffen bis zuletzt - Festivals noch nicht abgesagt

Bundesligaspiele in vollen Stadien sind verboten, aber bei «Rock am Ring» und «Rock im Park» sollen im Juni 155.000 Menschen feiern dürfen? Das klingt wie ein Scherz. Trotzdem halten viele Veranstalter an ihren Mega-Even... » mehr

Rock am Ring

09.06.2019

Sturm bei «Rock am Ring» - «Shitstorm» bei «Rock im Park»

Sonne, Bier, laute Musik: Die Festivals «Rock am Ring» und «Rock im Park» erfüllen viele Erwartungen von Rockfans. Viel Spaß, ein bisschen Politik. Und sogar das Wetter ist besser als befürchtet. Für ein menschliches Gru... » mehr

Karat

14.06.2020

Band Karat gibt Hotelzimmer-Rockkonzert

Die Ost-Rockband Karat gibt ein Konzert vor außergewöhnlicher Kulisse. Sänger Claudius Dreilich und seine Kollegen erheben dabei die Stimme für die coronageschädigte Veranstalterbranche. » mehr

Pianist Igor Levit

29.05.2020

Igor Levit startet Klavier-Marathon

Ein einziges kurzes Stück in 840 Wiederholungen live im Netz: Der Pianist Igor Levit hat sich einiges vorgenommen. » mehr

Wacken

16.04.2020

Heavy-Metal-Festival in Wacken fällt aus

Immer mehr Festivals werden wegen der Coronavirus-Krise abgesagt. Jetzt kommt auch das Aus für Wacken. » mehr

Villagers

10.11.2019

Von Specials bis Elbow: Rock statt Rummel in Rust

Rock, Pop und Folk im Freizeitpark: Die zweite Auflage des «Rolling Stone»-Festivals im Südwesten mit rund 30 Auftritten war künstlerisch erfolgreich - und hätte mehr Zuschauer verdient. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Autokino Konzert mit der Band Die Letze Rettung Meiningen

Autokino Konzert | 27.06.2020 Meiningen
» 24 Bilder ansehen

AfD Treffen in Suhl Suhl

AfD Treffen in Suhl | 26.06.2020 Suhl
» 27 Bilder ansehen

Brand in Schmalkalden Schmalkalden

Brand Carport Schmalkalden | 24.06.2020 Schmalkalden
» 5 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 04. 2020
16:54 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.