Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Boulevard

Ein Museum für Privatsammler in Montpellier

In Zeiten knapper finanzieller Mittel zeigen Museen immer häufiger die Kunstschätze privater Sammler. Eine umstrittene Tendenz. Die südfranzösische Stadt Montpellier hat ein Museum für Privatsammlungen eröffnet.



Hôtel des Collections
Die Installation «Massive Black Hole in the Dark Heart of our Milky Way» des Star- und Skandalkünstlers Danh Vo in der Eröffnungsausstellung «Distance intime» im Hôtel des Collections.   Foto: Sabine Glaubitz » zu den Bildern

Ob in Paris oder Wien: Viele Museen stellen immer häufiger Privatsammlungen zeitgenössischer Kunstliebhaber aus. Einer der Gründe: ihre oft prekäre finanzielle Situation.

Unproblematisch ist die Praxis nicht. Denn Werke, die in Museen ausgestellt werden, erfahren nicht nur einen qualitativen Mehrwert. Auch ihre Preise steigen auf dem Kunstmarkt. Aus der Kunst- und Kulturwelt wird mittlerweile die Frage laut: Machen öffentliche Museen Gratis-PR für private Sammler? Die südfranzösische Stadt Montpellier hat ein Museum eröffnet, das Privatsammlungen weit die Türen öffnet.

Das Hôtel des Collections, das Hotel der Sammlungen, ist in einem über 3000 Quadratmeter großen Patrizierhaus. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wurde für rund 20 Millionen Euro umgebaut. Sein Konzept: Sammlungen von privaten Kunstliebhabern, Unternehmen, Künstlern und auch öffentlichen Einrichtungen zu zeigen, die vorzugsweise erstmals zu sehen sind.

Eröffnet wurde der neue Kunsttempel mit der Sammlung des japanischen Unternehmers Yasuharu Ishikawa. Unter dem Titel «Distance intime» werden noch bis zum 29. September Arbeiten von On Kawara, Pierre Huyghe, Félix González-Torres, Simon Fujiwara, Danh Võ, Gerhard Richter und Marcel Broodthaers gezeigt, bekannte Namen der internationalen Kunstszene. Ishikawa, ein Geschäftsmann aus der Modebranche, hat 2011 mit seiner derzeit rund 200 Werke großen Sammlung begonnen.

Museen greifen immer häufiger auf die Kunstschätze von Privatpersonen zurück. Viele Budgets schrumpfen, während die Preise auf dem Kunstmarkt anziehen und die Versicherungen der Werke dementsprechend steigen. Auch deutsche Feuilletons diskutieren das Thema, wenn private Kunstsammlungen mehr besitzen als Museen.

Für viele Museen scheint die umstrittene Kooperation mit Privatsammlern zu einer nicht zu umgehenden Realität geworden zu sein. Als einen Fakt nennt zum Beispiel Ulrike Gross, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, diese Zusammenarbeit in einem Interview mit den «Stuttgarter Nachrichten». Sie sei davon überzeugt, dass es ohne Privatsammler nicht mehr gehen werde.

Das Wiener Leopold Museum bespielte 2018 seine Säle unter dem Titel «WOW! The Heidi Horten Collection» mit Werken der Milliardärin Heidi Goëss-Horten, das Museum Folkwang in Essen präsentierte 2016 einen Ausschnitt aus der Sammlung des Franzosen François Pinault, der demnächst in Paris sein drittes Museum eröffnen wird.

Die französische Tageszeitung «Libération» warf in einem Interview mit Nicolas Bourriaud, dem Leiter des neuen Museums in Montpellier, die Frage auf, ob sein Museum nicht jenen diene, die es nicht nötig haben? Die Antwort des ehemaligen Co-Direktors der Pariser Kunsthalle Palais de Tokyo: Das Haus sei keine Ode an den Kunstmarkt. Ihn interessiere die museale Dimension dieser Sammlungen, sagte Bourriaud. Seiner Einschätzung nach seien 90 Prozent der Sammlungen weltweit nicht «sichtbar».

Dass es dennoch eine Gratwanderung ist, sagte Bourriaud der Deutschen Presse-Agentur. Man wolle deshalb auch vorzugsweise Sammlungen ausstellen, die noch nicht der Öffentlichkeit vorgestellt wurden und werde diese auch kuratieren, erklärte er weiter.

Im Fall der Sammlung von Ishikawa, für die der Endvierziger 2014 eine Stiftung gegründet hat, trifft dies nur teilweise zu. In seinem Heimatland ist Ishikawa mit seiner Stiftung dabei, ein wichtiger Akteur der japanischen Kunstszene zu werden. In diesem Jahr organisierte er zum zweiten Mal in Okayama die Kunsttriennale Art Summit. Künstlerischer Leiter war der französische Künstler Pierre Huyghe.

Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
10:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Presseagentur Folkwang Museum Francois Pinault Gerhard Richter Kunstmarkt Kunstmuseen und Galerien Kunstmuseum Stuttgart Künstlerische Leiter Museen und Galerien Tageszeitungen Unternehmer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
documenta

07.11.2019

Museen wollen Klimaschutz-Vorreiter werden

Klimaschutz kommt aus Sicht von Kritikern nicht recht voran in Deutschland. Oft fehlen demnach an entscheidenden Stellen die Initiativen. Nun kommt ein Vorstoß aus einem Bereich, der sonst als wenig umweltgetrieben gilt. » mehr

Helge Achenbach

13.10.2019

Helge Achenbach denkt an Kunstmarkt-Comeback

Bei seinen Kunst-Deals war Helge Achenbach wie ein «Junkie, der den nächsten Schuss braucht». Seinen Aufstieg und Fall hat der verurteilte Kunstberater nun in einer Autobiografie verarbeitet. Fazit: Auch heute lässt ihn ... » mehr

Eberhard Havekost

06.07.2019

Eberhard Havekost mit 52 Jahren gestorben

Seine Werke sind in renommierten Sammlungen weltweit zu finden. Eberhard Havekost wurde wie Gerhard Richter in Dresden geboren - und war auch international erfolgreich. Unerwartet ist er gestorben. » mehr

«Scheize -  Liebe - Sehnsucht»

18.07.2019

Kunst mit Spucke und Gesang

«Scheize - Liebe - Sehnsucht» - das sind die deutschen Lieblingswörter des isländischen Künstler Ragnar Kjartansson. Und so heißt auch seine Ausstellung mit 26 Exponaten in Stuttgart. » mehr

Andrea Lissoni

22.10.2019

Haus der Kunst: Italiener wird künstlerischer Leiter

Noch ist Andrea Lissoni in der Tate Modern in London. Doch im Frühjahr wird er nach München kommen - als künstlerischer Leiter im Haus der Kunst. Seine Hauptaufgabe: Das gebeutelte Ausstellungshaus in eine positive Zukun... » mehr

MoMA in New York

20.10.2019

New Yorker MoMA meldet sich runderneuert zurück

Das Museum of Modern Art gehört zu den renommiertesten Kunstmuseen der Welt und zu den größten Touristen-Attraktionen New Yorks. Wegen ständiger Überfüllung musste es anbauen und vier Monate schließen. Jetzt ist das MoMA... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Bombenfund Meiningen

Bombe in Meiningen |
» 5 Bilder ansehen

Narrenzug Bad Salzungen Bad Salzungen

Narren regieren Bad Salzungen | 11.11.2019 Bad Salzungen
» 31 Bilder ansehen

Rathaussturm Suhl Suhl

Narren stürmen Rathaus Suhl | 11.11.2019 Suhl
» 58 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
10:26 Uhr



^