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Boulevard

Die neue Liga der D-Promis: Ein Abend mit Marco Cerullo

Der Boom der Reality-Shows hat ein ganz neues Berufsbild hervorgebracht: den Kandidaten. Marco Cerullo ist so einer, 2020 zog er sogar in das quotenträchtige RTL-Dschungelcamp - ärgerlicherweise flog er als Erster raus.



Marco Cerullo
Marco Cerullos Verwandte leben überall auf der Welt.   Foto: Roberto Pfeil/dpa

Eine paar Jugendliche stehen auf der Hohenzollernbrücke in Köln zusammen und tuscheln. «Ey, das ist der neue "Bachelor"», flüstert einer von ihnen. «Nee», sagt ein anderer leise. Eine bessere Idee hat er allerdings auch nicht.

Sie schauen zu Marco Cerullo, der mit Lederjacke gerade an einem Brückengitter lehnt, um sich fotografieren zu lassen. Das Gespräch der beiden Jungs fasst ganz gut zusammen, was Marco Cerullo ist: berühmt, irgendwie. Nur: Wofür eigentlich genau?

Marco Cerullo, 31 Jahre alt, ist nicht der «Bachelor», also der Junggeselle, der in der gleichnamigen RTL-Datingshow Rosen an flirtlustige «Ladys» verteilt, wie die Frauen dort heißen. Gleichwohl war er mal Kandidat beim Schwester-Format «Bachelorette» und auch bei «Bachelor in Paradise», eine Art Zweitverwertung der beiden Shows. Man kann da leicht den Überblick verlieren.

Cerullo gehört einem Berufszweig an, der sich erst in den vergangenen Jahren entwickelt hat, mit dem Boom des Reality- und Trash-TVs. Shows wie «Bachelor», «Love Island» und «Big Brother» benötigen immer wieder neue Kandidaten. Viele verschwinden schnell wieder, einige schaffen es, irgendwie in Erinnerung zu bleiben. Aus ihnen hat sich mittlerweile eine eigene Kaste von D-Promis entwickelt. Namen? Elena Miras, Johannes Haller, Carina Spack. Und eben Marco Cerullo.

Wie wird man so ein Super-Kandidat? Einen Studiengang gibt es nicht, man muss es wollen. «TV ist cool, aber es ist megaschwer, davon zu leben. Ich hab gekellnert und hatte die Vision, vom TV leben zu können», sagt Cerullo auf dem Weg von der Brücke zu einem Café. «Ich wollte unbedingt nach Köln.» Die Stadt mit der Zentrale von RTL und allerlei TV-Produktionsfirmen ist so etwas wie das natürliche Biotop für Leute seines Schlages. Zudem gefalle ihm in Köln der «Lifestyle».

Cerullo wurde in Baden-Württemberg geboren, wuchs aber bei Koblenz auf. Sein Super-Kandidaten-Paket baut sich zusammen aus einem breiten Dialekt, der sich mit einem Model-Körper und einer bubenhaften Unbedarftheit paart. Sätze fließen nur so aus ihm raus, Kollateralschäden inklusive. Bei der «Bachelorette» wurde er gefragt, wie er sich seine Traumfrau vorstelle. Cerullo, zeitweise amtierender «Mister Rheinland-Pfalz», sagte dazu: «Optisch wie ein Model, Charakter von einer Dicken, ne.» Heute würde er das nicht mehr so sagen, beteuert er. Zumal er es seiner Mutter versprochen hat. Es sei aber auch nicht frauenfeindlich gemeint gewesen. «Ich philosophiere manchmal so vor mich hin.»

Eigentlich ist Cerullo Autolackierer-Meister. Den Job schmiss er, weil er unglücklich war. Cerullo machte viel Sport und las eines Tages einen Aufruf, in dem nach den «stärksten Männern Deutschlands» gesucht wurde - daraus entwickelte sich ein Engagement bei der Sport-Show «Ultimate Beastmaster». Zum Casting für die «Bachelorette» habe ihn dann eine Freundin überredet, berichtet er. «Da wusste ich gar nicht, was das so richtig ist.» Egal, seitdem ist er im Geschäft. «Im Reality-TV ist es wichtig, sich nicht zu verstellen. Das ist auch am einfachsten.»

Wenn sich darüber dann auch noch eine Heldenreise erzählen lässt, werden Fernseh-Träume wahr. In Cerullos Fall begann sie mit einem latenten Macho und endete mit einem Mann, der im Fernsehen weint, weil er bei «Bachelor in Paradise» seine Freundin Christina kennenlernt. Wie sehr er an ihr hängt, sah man im Januar, als Cerullo in das RTL-Dschungelcamp einziehen durfte und ständig von ihr erzählte - er hatte den Gipfel der Branche erklommen. Auch wenn er als Erster rausflog.

Was soll nun noch kommen? Nun, er ist ja auch noch Instagram-Influencer. Im Dschungel fiel er zudem damit auf, dass er über «Energiestöße» fabulierte. Wäre das nicht eine Richtung für ihn? Yoga-Lehrer? Capoeira-Trainer? Cerullo denkt nach. Ein Mitcamper habe ihm tatsächlich gesagt, dass er glaube, er sei ein Medium. «Ich sollte mir überlegen, als Heiler zu arbeiten, ich könnte Gürtelrose heilen.» Nur: «Ich weiß gar nicht so richtig, was das ist.»

Genau wegen solcher Sätze werden weitere Show-Anfragen eintrudeln.

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dpa

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Veröffentlicht am:
14. 03. 2020
12:32 Uhr

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14. 03. 2020
12:32 Uhr



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