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Die New York Public Library wird 125 Jahre alt

Die New York Public Library wollte ihren 125. Geburtstag eigentlich riesig feiern. Stattdessen sind die Filialen der drittgrößten Bibliothek der Welt wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Online boomt die E-Book-Ausleihe - vor allem von einer Autobiografie.



New York Public Library
Der Löwe «Fortitude» vor der New York Public Library liest den «Großen Gatsby».   Foto: Christina Horsten/dpa » zu den Bildern

Fortitude» liest gerade den Roman «Der große Gatsby» von F. Scott Fitzgerald, «Patience» das Buch «Menschenkind» von Tony Morrison. Die beiden steinernen Löwen bewachen den Eingang der Zentrale der New Yorker Stadtbibliothek mitten in Manhattan - und zur Feier des 125. Jubiläums von deren Gründung am Samstag (23. Mai) haben sie jeweils eine rote Buch-Attrappe vor die Schnauze gesetzt bekommen.

Ursprünglich hießen die beiden Marmor-Löwen «Leo Astor» und «Leo Lenox», nach den Bibliotheksgründern John Jacob Astor und James Lenox. In den 1930er Jahren aber taufte der damalige New Yorker Bürgermeister Fiorello LaGuardia sie um. Der Löwe am südlichen Ende der Eingangstreppe sollte nun «Patience» (Geduld) heißen, der am Nordende «Fortitude» (Kraft), denn diese Eigenschaften würden die New Yorker seiner Ansicht nach in der schweren Wirtschaftskrise der 30er Jahre brauchen.

Auch in der Corona-Krise rund 90 Jahre später, in der die New York Public Library (NYPL) seit mehreren Wochen geschlossen ist, dürften diese Eigenschaften von Vorteil sein. Die Eingangsstufen, auf denen sich sonst Freunde treffen oder Touristen Fotos knipsen, sind derzeit meist menschenleer. Die NYPL hat alle Jubiläumsfeiern abgesagt oder ins Internet verlegt. Nur dort kann man derzeit auch beispielsweise Bücher, Hörbücher oder Filme ausleihen.

Gegründet wurde die NYPL 1895 als private Stiftung im Zusammenschluss zweier öffentlicher Bibliotheken - der Astor Library, gegründet vom deutsch-amerikanischen Unternehmer John Jacob Astor, und der Lenox Library des Rechtsanwalts James Lenox. Inzwischen beherbergt sie rund 55 Millionen Bücher und Datenträger, ist damit nach der British Library in London und der Library of Congress in Washington die drittgrößte öffentliche Bücherei der Welt - und dabei ist die NYPL noch nicht einmal die einzige Bibliothek in New York. Während sie mit 92 Filialen für die Stadtbezirke Manhattan, Bronx und Staten Island zuständig ist, haben die Bezirke Queens und Brooklyn jeweils noch einmal eigene Bibliotheks-Systeme. Die Stadt New York unterstützt die drei Systeme jedes Jahr mit rund 80 Millionen Dollar.

Zu den besonderen Schätzen der Sammlung der NYPL gehört beispielsweise der Original-Brief von Christopher Columbus aus dem Jahr 1493, in dem er die Entdeckung der neuen Welt verkündet. Auch viele Nachlässe von Berühmtheiten, etwa vom Autor Tom Wolfe, sind Teil der Sammlung. Die Filialen bieten neben Büchern den Zugang zu Computern, Ausstellungen, Veranstaltungen und Fortbildungskurse - und in einer können sogar Krawatten und Handtaschen für Bewerbungsgespräche ausgeliehen werden, alles kostenlos. Das 1911 eröffnete Hauptgebäude am Bryant Park dient immer wieder als Kulisse für Filme und Serien.

Rund 17 Millionen Menschen nutzen die NYPL normalerweise jedes Jahr vor Ort. Beliebtestes Buch in der Geschichte der Bibliothek ist das Kinderbuch «The Snowy Day» von Ezra Jack Keats, das mehr als 485 500 mal ausgeliehen wurde. Auf den Plätzen folgen: «The Cat in the Hat» von Dr. Seuss und «1984» von George Orwell.

Die Online-Ausleihe der Bibliothek wird in der Corona-Krise deutlich stärker als zuvor genutzt, wie Bibliotheksdirektor Tony Marx jüngst in einem Interview sagte. Das E-Book-Angebot werde deswegen nun deutlich aufgestockt. Wie und wann es mit den Büchern aus Papier weitergehen könne, sei noch unklar. «Möglicherweise müssen wir unsere Bücher noch lange in Quarantäne lassen, um sicherzustellen, dass wir nicht Viren von einer Person zur nächsten weitergeben. Das müssen uns die Experten in der Welt der Büchereien und der Wissenschaft sagen.»

Und was ist das Lieblings-E-Book der New Yorker in der Corona-Krise? «Becoming», die Autobiografie der früheren First Lady Michelle Obama.

Veröffentlicht am:
22. 05. 2020
15:55 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
22. 05. 2020
15:55 Uhr



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