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Boulevard

Die Filmbranche ohne das Festival von Cannes

Beim glamourösen Filmfest in Südfrankreich trifft sich die internationale Branche traditionell im Mai. In diesem Jahr aber ist einiges anders, die Filmwelt ausgebremst. Cannes muss umdenken - genauso wie die gesamte Industrie.



Filmfest Cannes
Leonardo DiCaprio (l) und Brad Pitt bei der Premiere von «Once Upon a Time in Hollywood» 2019 in Cannes.   Foto: Vianney Le Caer/Invision/AP/dpa

Die Croisette bleibt in diesem Jahr ungewöhnlich leer. Eigentlich würde das Filmfest Cannes bald mit viel Wirbel an dem mit Palmen gesäumten Prachtboulevard starten. Schauspielstars und Regisseure, Journalisten und Fotografen aus der ganzen Welt wären auf dem Weg an die Côte d'Azur, wo das glamouröse Festival am Dienstagabend (12.5.) eröffnet werden sollte.

Doch dann kam die Coronakrise und das Festival wurde für Mai abgesagt - ein herber Schlag für die Filmschaffenden, gehören die Festspiele in Cannes doch zu den wichtigsten Events der Branche weltweit. Wie geht es nun weiter mit Cannes, den Filmen und den Kinos?

Im vergangenen Jahr folgte beim Festival eine hochkarätige Premiere auf die nächste. Sir Elton John liefen bei «Rocketman» die Tränen über die Wangen, Leonardo DiCaprio, Brad Pitt und Quentin Tarantino sorgten mit «Once Upon a Time in Hollywood» für Ausnahmezustand am roten Teppich, und der Südkoreaner Bong Joon-ho gewann mit seiner Satire «Parasite» die Goldene Palme - und später dann vier Oscars.

Nun herrscht so etwas wie eine Schockstarre. Das Verhalten der Organisatoren des Festivals Cannes ist dabei symptomatisch für die gesamte Branche. Man zögerte lange, erst in der zweiten Märzhälfte wurde verkündet, dass das Filmfest nicht im Mai stattfinden, aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden solle. Man denke über Ende Juni, Anfang Juli nach, hieß es - doch auch das scheint mittlerweile vom Tisch.

«Niemand weiß derzeit, was die zweite Jahreshälfte bringt und ob es möglich sein wird, große Filmevents, inklusive das Festival in Cannes, in 2020 zu organisieren», erklärte der künstlerische Leiter Thierry Frémaux kürzlich. Wann und ob Cannes überhaupt in diesem Jahr starten wird, ist unklar. Das wäre ein Novum: Die Goldene Palme wird seit 1955 vergeben, seitdem fanden die Festspiele jedes Jahr statt.

Cannes ist eine wichtige Plattform für Stars und die Filmschaffenden aus Hollywood und des weltweiten Autorenkinos. Dabei geht es in Cannes aber nicht nur um den Glamour - das Festival ist eine enorm wichtige wirtschaftliche Größe. Auf dem Filmmarkt, der ebenfalls dazu gehört, werden die Werke in die ganze Welt verkauft und millionenschwere Deals abgeschlossen. Nun probiert Cannes etwas Neues und organisiert eine Online-Version: Vom 22. bis 26. Juni soll es für Einkäufer die Möglichkeit geben, neue Filme online zu sehen und Verträge auszuhandeln.

Denn auch das ist die bittere Realität für Cannes: Die Organisatoren dürften schon Hunderte Filme gesichtet haben, wahrscheinlich stand die engere Auswahl bereits fest. Fachblättern zufolge waren Filme wie Wes Andersons «The French Dispatch» mit Tilda Swinton, Timothée Chalamet und Bill Murray so gut wie gesetzt, auch François Ozon, Nanni Moretti, Thomas Vinterberg und Franka Potente mit ihrem Regielangfilmdebüt waren im Gespräch.

Nun zittert die Branche und kämpft mit der Unsicherheit der derzeitigen Situation. Denn solange die Kinos weltweit nicht wiedereröffnen, werden die Studios nur ungern neue Filme herausbringen, weil das ihre Einnahmen schmälern wird. Die Oscars kündigten bereits an, dass beim nächsten Mal ausnahmsweise auch Filme im Rennen sein können, die nicht in Kinos, sondern nur online ihre Premiere feierten. Das allerdings verschärft den seit Jahren schwelenden Streit mit Streamingdiensten und Onlineauswertungen - und ist nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht eine Gefahr.

Denn die Kinobranche lebt von dem Gemeinschaftserlebnis, wenn man mit vielen anderen im Saal sitzt und einen Film schaut. Auch dafür ist Cannes berühmt: Im Grand Théâtre fand schon so manche legendäre Premiere statt. Empörte Gäste verließen bei Lars von Trier den Saal, beim deutschen Beitrag «Toni Erdmann» gab es kollektive Lachstürme. Auf solche Erlebnisse wird die Branche in diesem Jahr wohl verzichten müssen - hofft aber auf eine baldige und starke Rückkehr.

Veröffentlicht am:
06. 05. 2020
10:09 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
06. 05. 2020
10:09 Uhr



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