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Culture Club: Boy George auf Gute-Laune-Mission

In den 80er Jahren eroberten Culture Club die Hitparaden mit «Do You Really Want To Hurt Me?» und «Karma Chamaleon», bevor die Band sich auflöste. Mit «Life» kehren Boy George und Co. jetzt zu alter Form zurück und liefern ein Album voller Leichtigkeit und guter Laune.



Culture Club
Boy George ist Optimist.   Foto: Rankin

Bestens gelaunt tanzt Boy George an einer Brücke im Londoner Szenestadtteil Notting Hill. Das Outfit ist nicht so bunt wie früher, aber immer noch schrill. Der Hut darf natürlich auch nicht fehlen.

Gemeinsam mit den Bandkollegen von Culture Club und einer bunt gemischten Menschenmenge feiert der 57-Jährige im Video zur Single «Let Somebody Love You» eine Open-Air-Party. Nicht nur vor der Kamera ist Boy George in diesen Tagen bestens aufgelegt.

Gerade haben Culture Club eine erfolgreiche USA-Tournee absolviert, im November folgt Europa. Zwischendrin veröffentlichen sie mit «Life» in diesen Tagen ihr erstes Studioalbum seit 19 Jahren. «Auf diesem Album zelebrieren wir alles, was wir geliebt haben, als wir aufgewachsen sind und als wir Teenager waren», erzählt Boy George enthusiastisch. «In einer Rezension hab ich gelesen: 'Das Herz von Culture Club schlägt für die 70er'. Ich denke, das stimmt.»

Dass seine Band wohl dennoch immer mit den 80er Jahren assoziiert werden wird, stört ihn nicht. Hervorgegangen aus der New-Romantic-Bewegung toppte Culture Club ab 1982 mit Singles wie «Do You Really Want To Hurt Me?» und «Karma Chamaleon» weltweit die Hitparaden. Dabei ließ sich das Quartett mit seiner multikulturellen Mischung aus Pop, New Wave, Reggae und Soul nie auf ein Genre festlegen. Diesem Stil sind die Londoner auf «Life» treu geblieben.

Die Stimme ist etwas tiefer und rauer, das Tempo haben Culture Club ein wenig gedrosselt - beides wohl altersbedingt. Davon abgesehen klingen die Briten fast wie früher. «Meine Natur ist immer noch dieselbe», sagt Boy George. «Ich bin ein Optimist.» Das ist auf dem Album hörbar. Die Stimmung ist positiv. Sei es die lässige Tanznummer «Bad Blood», die karibischen Rhythmen von «Human Zoo» oder mehrere klassische Soulnummern - «Life» ist ein Gute-Laune-Album.

Bestes Beispiel ist «Runaway Train», ein spaßiger musikalischer Roadtrip durch die USA, geschrieben auf einer Solotournee durch das Land, als der Präsident noch Barack Obama hieß. «Michelle Obama, du kennst meinen Namen», singt George. «Ich fand das lustig und hab mich gefragt, ob sie wohl weiß, wer ich bin.» Eine Neuaufnahme mit Soulsängerin Gladys Knight könnte bald Aufklärung bringen. «Gladys singt den Song jetzt, und sie ist mit Michelle Obama befreundet», freut sich der Sänger. «Jetzt macht die Strophe wirklich mehr Sinn.»

Dass Boy George Humor hat, beweist er regelmäßig auf Twitter, wo er Beiträge anderer Nutzer kommentiert. «Meine Kollegen sind schockiert, dass ich Boy George nicht kenne», schrieb kürzlich ein Nutzer. Der Sänger antwortete: «Ich hab von dir auch noch nie gehört.»

Mehrmals täglich ist er auf Twitter aktiv und tritt direkt in den Dialog. «Naja, es heißt ja soziales Netzwerk», lacht er, «nicht asoziales Netzwerk.» Viele Künstler nutzten das Internet nur für Werbezwecke. «Ich finde es toll, dass ich jemandem in der Mongolei oder in Japan einen Geburtstagsgruß schicken kann», sagt er. «Das ist doch schön.» Mitunter wird er auf Twitter auch politisch.

Zum Dauerthema Brexit hat Boy George eine klare Position. Einen «Akt des Wahnsinns» nennt er den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. «Wir sollten uns zusammentun und nicht trennen», sagt der gläubige Buddhist, der trotzdem erstaunlich zuversichtlich bleibt. «Ich behalte weiterhin die Hoffnung auf ein zweites Referendum und glaube, das wird passieren», sagt er. Doch er räumt ein: «Das ist vielleicht eine etwas naive Sichtweise von mir.»

Sein Privatleben behält er mittlerweile lieber für sich, anders als in den 80ern, wo er kaum ein Blatt vor den Mund nahm. Seine zerbrochene Liebesbeziehung mit Schlagzeuger Jon Moss sorgte für viele Schlagzeilen im britischen Boulevard und führte letztlich wohl auch zur Auflösung der Band. Trotzdem fanden Culture Club - komplettiert durch Gitarrist Roy Hay und Bassist Mikey Craig - immer wieder zusammen. Die Stimmung in der Band beschreibt Boy George heute so: «Wir sitzen alle in einem Boot, aber es wäre auch Platz für einen weniger.» Dabei lacht er herzlich.

«Um da zu sein, wo wir jetzt sind, musst du es auch wollen und aus den richtigen Gründen», erklärt er. «Wir waren gerade auf Tournee in Amerika. Wir wurden so positiv auf der Bühne empfangen, mit so viel Liebe und Unterstützung. Da gibt es wirklich kaum Grund zu klagen.» Boy George erzählt all diese Dinge mit einer sympathischen Leichtigkeit. Sein Lachen und seine gute Laune sind ansteckend.

Der 57-Jährige ist offenbar mit sich im Reinen. Die dunklen Zeiten - Drogenexzesse und Konflikte mit dem Gesetz - sind Vergangenheit. «Heute achte ich besser auf mich selbst», sagt er. «Wenn ich Fehler mache, stehe ich dafür ein. Ich bin mir heute bewusst, wie ich mich benehme - anders als früher, als ich ein junger Mann war.»

Im Grunde habe er sich aber gar nicht so sehr verändert, betont Boy George und lacht wieder. «Ich glaube, ich war immer ich selbst, ob das nun gut oder schlecht war.»

Tourdaten: 04.12. Köln - Palladium, 05.12. Berlin - Verti Music Hall

Veröffentlicht am:
29. 10. 2018
13:33 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
29. 10. 2018
13:33 Uhr



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