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Boulevard

Buchmesse mit Nobelpreisträgerin und Literaturzug

Mit der einst krisengeplagten Buchbranche scheint es aufwärts zu gehen. Doch drängende gesellschaftliche Probleme bereiten Grund zur Sorge. Zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse gab es viele mahnende Worte - und eine Kronprinzessin, die ein Gedicht vortrug.



Frankfurter Buchmesse - Mette-Marit
Kronprinzessin Mette-Marit trägt bei der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse ein Gedicht vor.   Foto: Frank Rumpenhorst/dpa » zu den Bildern

Zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse blickt die Branche auf positive Marktzahlen, sieht sich aber zugleich in einer gesellschaftlichen Verantwortung.

«Verlagen und Buchhandlungen gelingt es, sich in der wachsenden Medienkonkurrenz zu behaupten», sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller. «Bis Sonntag sind wir dazu aufgerufen, uns damit zu beschäftigen, welchen Beitrag wir als Kultur- und Medienbranche zu den drängenden Fragen unserer Zeit leisten können.»

Für die ersten neun Monate 2019 verzeichnete der Buchmarkt ein Umsatzplus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 2018 hatte es noch ein Minus von 1,1 Prozent für die ersten drei Quartale gegeben. Besonders erfolgreich war in diesem Jahr das Sachbuch (plus 9,6 Prozent). «Viele Menschen suchen nach Orientierung und verlässlicher Information, um die gesellschaftlichen Entwicklungen besser verstehen zu können», sagte Riethmüller am Dienstag.

Die Messehallen für die weltgrößte Bücherschau mit rund 7450 Ausstellern aus 104 Ländern öffnen sich am Mittwoch. Zur Eröffnungsfeier am Abend war hoher Besuch aus dem Gastland Norwegen gekommen: Norwegens Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit war mit einem Sonderzug nach Frankfurt gereist, an Bord knapp 20 Autoren. Bei der Eröffnungsfeier las die Kronprinzessin auf Norwegisch das Gedicht vor, dessen erste Zeile das Motto des diesjährigen Gastland-Auftritts bildet: «Der Traum in uns...» Dieser Traum handle von Teilhabe, erklärte anschließend Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg.

Der antisemitische Anschlag von Halle, Globalisierung und Digitalisierung, Klimakrise, Migration oder autoritäre Regime - in den Eröffnungsreden wurden zahlreiche Themen angerissen, die unsere Gesellschaft und unsere Werte bedrohen. Und in allen wurde die Kraft der Literatur beschworen. Am besten brachte es die norwegische Reiseschriftstellerin Erika Fatland auf den Punkt: «Diktatoren fürchten das geschriebene Wort.» Der mit Spannung erwartete Literaturstar Karl-Ove Knausgård beschwor «eines der wichtigsten Merkmale der Literatur: ihre Langsamkeit».

«In einer Welt, die nach schnellen, einfachen Antworten lechzt, hilft die langsame Kraft der Literatur, uns vor autoritären Reflexen, vor Abschottung, vor allzu einfachen Antworten zu schützen», sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD). Lesen zwinge zur Anteilnahme, erfordere andere Haltungen gelten lassen, Vieldeutigkeit zuzulassen. «So paradox es klingen mag: Lesend verlassen wir die Blase.»

Buchmessendirektor Juergen Boos erinnerte daran, dass das Verlagswesen für eine Vielfalt von Perspektiven und Meinungen stehe, die geschützt werden müsse. «Wir brauchen Autoren, die Missstände aufdecken und dafür hohe Risiken in Kauf nehmen», sagte er. Mit Sorge blickt die Buchbranche auf Autoren, die in ihrem Land Repressalien fürchten müssen. «Wir sind als Menschen an einem Punkt angelangt, wo unser Haus an so vielen Ecken brennt, dass wir uns fragen müsssen, ob unsere bisherigen Strategien zur Bewältigung überhaupt wirksam sind.»

Zur Pressekonferenz am Nachmittag war auch die frischernannte Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk gekommen. Sie sei «nicht besonders glücklich» über den Sieg der Nationalkonservativen bei der Parlamentswahl in Polen am Sonntag. Eine zweite Legislaturperiode mit absoluter Mehrheit für die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) sehe sie als bedrohlich für Theater und Museen, die häufig in staatlicher Hand seien. Eine Zensur für Schriftsteller gebe es nicht in Polen, erklärte die 57-Jährige. Allerdings beobachte sie einen Hang zur Selbstzensur bei einigen Kollegen, die mit schwierigen Themen nicht anecken wollten. «Ich hoffe, dass das nicht weiter fortschreitet.»

Veröffentlicht am:
15. 10. 2019
20:43 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
15. 10. 2019
20:43 Uhr



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