Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

Boulevard

Britischer Regisseur Alan Parker gestorben

Zu seinen Meisterwerken gehören so unterschiedliche Klassiker wie «Fame» und «Midnight Express». Alan Parkers Filme wurden vielfach ausgezeichnet. Nun starb der Regisseur mit 76 Jahren in Großbritannien.



Alan Parker
Alan Parker, britischer Regisseur («Fame»), ist tot.   Foto: Stephanie Lecocq/EPA/dpa

Ihr Lieben, wir sind kurz davor, einen neuen Film zu beginnen (...).» Vor jedem Dreh richtete Alan Parker einen Brief an seine Crew, um sie mit typisch englischem Understatement auf seinen neuen Film einzuschwören: «Wir versuchen immer, alles zu riskieren, und mit etwas Glück schaffen wir das manchmal.»

Am Freitag starb der Regisseur nach langer Krankheit, wie eine Sprecherin der Familie mitteilte. Filmproduzent David Puttnam nannte Parker «seinen ältesten und engsten Freund». Regisseur Nick Murphy würdigte ihn als «riesiges Talent». «Alan Parker hat so viele wunderbare Filme erschaffen. Einfach wunderbar», schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter.

Geboren wurde Parker am Valentinstag 1944, während die deutsche Luftwaffe London bombardierte. Mit einer Schneiderin als Mutter und einem Maler als Vater wuchs er in einer Sozialwohnung im damaligen Arbeiterviertel Islington auf. «Jeder, den ich kannte, wollte in einer Band sein, um dieser Welt zu entfliehen», erzählte Parker später der britischen Zeitung «Guardian».

Er besuchte als erstes Kind in seinem Wohnblock ein Gymnasium und arbeitete sich hoch - vom Laufburschen in der Poststelle einer Werbeagentur zum Texter. Das habe ihn von seinen Eltern entfremdet, bedauerte er im «Independent»: «Es geht nicht darum, jemanden nicht zu lieben, es ist nur so, dass du nicht mehr Teil seiner Welt bist.»

Der Keller der Werbeagentur stand leer, Parker nutzte ihn, um mit Film zu experimentieren. Er gründete zusammen mit dem Produzenten Alan Marshall eine Firma und drehte in den 70er Jahren Hunderte von Werbeclips - das war seine Filmschule. Denn Parker wollte unbedingt Filme drehen. Sein Vorbild waren Ken Loach und dessen Sozialdramen.

Schon als Texter schrieb Parker Drehbücher, die BBC habe allerdings alle abgelehnt: «Wir wurden in dieser Welt nicht akzeptiert», erklärte Parker dem «Telegraph». Der Sender sei damals voller Absolventen von Elite-Universitäten gewesen.

Seinen ersten Kinofilm finanzierte er, indem er eine Hypothek auf sein Haus aufnahm - heraus kam das Filmmusical «Bugsy Malone» (1976) mit Kindern als Darstellern, darunter Jodie Foster. Das Drehbuch der Gangsterparodie basierte auf den Geschichten, die Parker seinen vier Kindern auf langen Autofahrten erzählte. Für Parker war es die Möglichkeit, um als Quereinsteiger in Hollywood zu landen. Und es war der Beginn einer lebenslangen Konkurrenz mit dem anderen britischen Werbefilmer und Hollywood-Regisseur, Ridley Scott.

Als nächstes machte er etwas völlig anderes: das Gefängnis-Drama «Midnight Express» nach einer wahren Geschichte. Auch Film und Regie wurden für Oscars nominiert; doch nur Oliver Stone gewann einen für die Drehbuchadaption und Giorgio Moroder einen für die Filmmusik. Es folgten so unterschiedliche Werke wie «Birdy» mit Matthew Modine und Nicolas Cage über die Folgen des Vietnamkriegs, «Pink Floyd - The Wall», «Evita» und «Die Asche meiner Mutter».

Und natürlich «Fame» (1980) über das harte Auswahlverfahren und Studium an einer New Yorker Akademie für darstellende Künste. «Fame» sei ein ironischer Titel. Diese Leute seien verzweifelt auf der Suche nach Berühmtheit und Erfolg, sagte Parker dem «Independent».

Mit dem Film «Mississippi Burning - Die Wurzel des Hasses» brachte Parker Ende der 1980er Jahre einen gesellschaftskritischen Krimi über Rassismus in den USA auf die Leinwand. Der Film bekam den Oscar für die beste Kamera und erlangt sechs weitere Oscar-Nominierungen.

Alan Parker war sehr kreativ, schrieb Romane und Essays über das Making-of all seiner Filme, zeichnete Cartoons und hatte einen dicken Packen bisher unverfilmter Drehbücher in der Schublade. Vor einigen Jahren überraschte er die Filmwelt, als er seinen Ruhestand mit den Worten ankündigte: «Regisseure verbessern sich nicht im Alter.»

Stattdessen griff Parker zu Pinsel und Farbe: «Es war erfrischend, selbst kreativ zu sein, ohne die Hilfe von 100 anderen Menschen», sagte er dem «Guardian». «Ich kann ehrlich sagen, dass die letzten Jahre, seit ich mich ganz auf das Malen konzentriert habe, die schönsten meines Lebens waren.»

© dpa-infocom, dpa:200731-99-00115/7

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 07. 2020
22:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alan Parker British Broadcasting Corporation Drehbücher Filme Filmmusik Filmproduzentinnen und Filmproduzenten Filmschulen Giorgio Moroder Jodie Foster Ken Loach Kreativität Nicolas Cage Oliver Stone Pink Floyd Regisseure Ridley Scott Romane Schauspieler Twitter Vietnam-Krieg (1961-1974)
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kevin Spacey

29.03.2020

Kevin Spacey spricht über seinen tiefen Fall

Kaum ein Schauspieler war so weit oben - und fiel dann so tief. Seit dem Herbst 2017 ist Kevin Spaceys Karriere vorbei. Damals wurde bekannt, dass er Schauspieler belästigt haben soll. Seither war er abgetaucht. Nun meld... » mehr

Oscar-Akademie

06.06.2020

Oscar-Akademie räumt nach Vorwürfen Fehler ein

Die Film-Akademie in Los Angeles räumt Fehler ein und reagiert damit auf Vorwürfe von Schauspieler David Oyelowo, dass bei der Oscar-Abstimmung 2015 einige Wähler dem Film «Selma» eine Abfuhr erteilten. » mehr

Tom Hanks

06.08.2020

Tom Hanks könnte Geppetto in «Pinocchio» spielen

Das Disney-Studio könnte für seine geplante Neuauflage des Zeichentrickklassikers «Pinocchio» den zweifachen Oscar-Preisträger Tom Hanks vor die Kamera holen. » mehr

J.J. Abrams

26.11.2019

Bei Ebay im Angebot: Drehbuch für neuen «Star Wars»-Film

Das wäre beinahe schiefgegangen: Das Drehbuch zu «Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers» sollte bei Ebay versteigert werden. Regisseur J.J. Abrams erklärt, wie es dazu kam. » mehr

"Tenet"

24.07.2020

Filmstarts von «Mulan» und «Tenet» verschoben

Die Studios halten ihre teuren Großproduktionen zurück, die Kinos kämpfen ums Überleben. Ein Teufelskreis. » mehr

Auf der Bühne

25.04.2020

Pionier der Disco-Beats: Giorgio Moroder wird 80

Aus der Südtiroler Bergwelt über München und Berlin nach Los Angeles: Giorgio Moroder hat die Menschen weltweit zum Tanzen gebracht. Jetzt wird der Mitbegründer der Dance-Floor-Musik 80 - und hat viele neue Ideen im Kopf... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Montgolfiade Heldburg

Montgolfiade | Heldburg
» 24 Bilder ansehen

Brand Tettau Tettau

Großbrand Tettau | 09.08.2020 Tettau
» 39 Bilder ansehen

Flächenbrand Limbach Limbach

Flächenbrand Limbach | 09.08.2020 Limbach
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 07. 2020
22:29 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.