Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Boulevard

Berliner Schaubühne muss Tournee in China abbrechen

Für die Berliner Schauspieler war es eine Überraschung, dass sie mit ihrem kritischen Stück «Volksfeind» überhaupt in China auftreten durften. Nach einem Eklat in Peking endet die Reise jedoch vorzeitig.



Tobias Veit
Tobias Veit, Direktor der Schaubühne Berlin, sieht die plötzliche Absage in Nanjing mit gemischten Gefühlen. Foto: Franziska Sinn/Schaubühne Berlin   Foto: dpa

Nachdem ihr Stück «Ein Volksfeind» in China heftige Debatten ausgelöst hat, muss die Berliner Schaubühne ihre Tournee in der Volksrepublik vorzeitig beenden.

Tobias Veit, Direktor der Schaubühne, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch, dass die übrigen zwei Vorstellungen in der ostchinesischen Stadt Nanjing nicht stattfinden werden, weil das dortige Theater eine Absage erteilt habe.

Als offizielle Begründung wurden demnach «technische Probleme» angegeben. Die Berliner gehen jedoch davon aus, dass Zensur der eigentliche Grund für das vorzeitige Ende der Tournee ist. Erste Einschränkungen musste die Schauspieler so schon nach ihrer ersten Vorführung in Peking vergangene Woche hinnehmen.

«Ein Volksfeind» von Henrik Ibsen handelt von Korruption in einer Kleinstadt, in der die Obrigkeit einen Umweltskandal vor seinen Bürgern vertuschen will. Wie auch bei früheren Aufführungen öffnete sich bei der China-Premiere in Peking zum Ende der Inszenierung die Diskussion zu den Zuschauern.

Ein Teil der Gäste habe dabei ganz offen über mangelnde Meinungsfreiheit, Umweltskandale und staatliche Repression in China gesprochen. Es habe soviel Kritik gegeben, dass nicht mal der Übersetzer im Saal noch hinterherkam. Auch in den sozialen Netzwerken setzte sich die Debatte nach dem Auftritt fort.

Die Folge: Die zweite und dritte Aufführung durfte die Schaubühne nach Diskussionen mit der Pekinger Theaterleitung nur noch ohne Publikums-Diskussion am Ende spielen. Die beiden letzten Vorstellungen, die nun komplett ausfallen, waren für Donnerstag und Freitag in Nanjing geplant.

Auch die Bundesregierung bedauert den Abbruch der Tournee. Das sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Mittwoch in Berlin. Die deutsche Botschaft habe dies auch im chinesischen Kulturministerium zum Ausdruck gebracht. Deutschland setze sich für kulturelle Vielfalt und Entfaltung auch im Ausland ein. Manches in China sehe die Bundesregierung kritisch. «Deshalb bedauern wir, dass es zu dieser Absage nun gekommen ist.»

Die Bühne tourt mit «Ein Volksfeind» seit seiner Premiere 2012 um die Welt. Die Publikumsreaktionen seien oft ein Spiegel der jeweiligen politischen Situation des Landes und der drängendsten Fragen vor Ort.

Um kritische Stimmen zu unterdrücken, werden chinesische Medien und das Internet streng von den Zensoren des Landes überwacht. Viele internationale Medien wie die «New York Times» und ausländische soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sind komplett gesperrt. Auch ausländische Theaterstücke oder Kinofilme werden vor ihrem Start in China von den Behörden geprüft.

Vor diesem Hintergrund sah Veit die plötzliche Absage in Nanjing mit gemischten Gefühlen. Es sei einerseits zwar «wahnsinnig frustrierend». Aber dass mit einem so kritischen Stück in China überhaupt drei Aufführungen möglich waren, sei zugleich auch «unglaublich».

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 09. 2018
15:06 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ausländer Auswärtiges Amt Deutsche Presseagentur Eklat Facebook Henrik Ibsen Performances Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Schauspieler Tourneen Twitter Umweltskandale
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Dieter Kosslick

13.02.2019

Abschied von Berlinale-Chef Dieter Kosslick

«Ich werde ihn vermissen». Sagt Diane Kruger über den scheidenden Berlinale-Direktor Diane Kruger. » mehr

Ignaz Kirchner

27.09.2018

Lieber in der zweiten Reihe: Ignaz Kirchner ist tot

Seit mehr als 30 Jahren war Ignaz Kirchner am Burgtheater in Wien. In fast jeder bedeutenden Inszenierung war er zu sehen. Jetzt ist der Schauspieler im Alter von 72 Jahren gestorben. » mehr

Charles Aznavour

01.10.2018

Sänger Charles Aznavour gestorben

Mit Charles Aznavour ist einer der letzten großen französischen Chansonniers gestorben. Der Nachwelt hinterlässt der Sänger mehr als 1300 Lieder - und das Bild eines Ausnahmekünstlers. » mehr

69. Berlinale - Angela Schanelec

vor 3 Stunden

Berlinale-Preisverleihung: Wer bekommt den Goldenen Bären?

Bei den Filmfestspielen in Berlin werden die Preise verliehen. 16 Filme konkurrieren gegeneinander. Für Gesprächsstoff sorgt in diesem Jahr das deutsche Kino. » mehr

Berlinale

08.02.2019

Berlinale startet mit Ozon und «Systemsprenger»

Bei der Berlinale ist der erste deutsche Wettbewerbskandidat zu sehen - «Systemsprenger». Zur Premiere erzählt die kleine Hauptdarstellerin von ihrer schwierigen Rolle. Aus Frankreich kommt ein alter Bekannter. » mehr

69. Berlinale - Dieter Kosslick

08.02.2019

Wehmut zum Auftakt: 69. Berlinale gestartet

«Mann mit rotem Schal, wir sind nur wegen dir hier» - Anke Engelke findet bei der Berlinale-Eröffnung passende Worte, schließlich ist es die letzte mit Festivaldirektor Dieter Kosslick. Auch andere Prominente fühlen bei ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand Hermannsfeld

Brand Hermannsfeld | 12.02.2019 Hermannsfeld
» 20 Bilder ansehen

Night-Crash Vol.II Volkshaus Meiningen Volkshaus Meiningen

Night-Crash Vol. 2 Meiningen | 09.02.2018 Volkshaus Meiningen
» 50 Bilder ansehen

bockwurst ilmenau Ilmenau

Bockwurst-Challenge in Ilmenau | 09.02.2019 Ilmenau
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 09. 2018
15:06 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".