Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Boulevard

August Diehl über das Drama «Ein verborgenes Leben»

Der deutsche Schauspieler begeistert das Publikum beim Filmfest in Südfrankreich mit seiner Leistung in dem Drama «Ein verborgenes Leben», einem Drama über Widerstand im Zweiten Weltkrieg. Ein Interview.



Filmfestspiele in Cannes - August Diehl
August Diehl und Valerie Pachner vor der Premiere ihres Films «A Hidden Life» in Cannes.   Foto: Petros Giannakouris

Wahrscheinlich gelingt dem deutschen Schauspieler August Diehl mit dieser Rolle endgültig der internationale Durchbruch: In «Ein verborgenes Leben» von US-Regisseur Terrence Malick spielt er den österreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der sich im Zweiten Weltkrieg weigerte, für die Wehrmacht zu kämpfen.

Das berührende Drama wurde bei seiner Premiere am Sonntagabend beim Filmfest Cannes euphorisch gefeiert. Kurz davor traf der 43-jährige Diehl noch die Deutsche Presse-Agentur für ein Interview.

Frage: Der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Was berührt Sie daran besonders?

Antwort: Ich finde bemerkenswert, dass Franz Jägerstätter nicht etwas getan hat, so wie andere Leute, die Juden gerettet haben oder einen Bombenanschlag. Sein Akt war passiv, er hat einfach gesagt «Nein». Das ist vielleicht das Stärkste und Unangenehmste, das es gibt, weil der Umgang damit so schwierig ist. Er hat es ja nicht begründet, er war kein Intellektueller. Er hat einfach gesagt «Das macht man nicht».

Frage: Sich zu verweigern, kann aber durchaus als aktive Tat verstanden werden, oder?

Antwort: Das ist durchaus eine Tat. Darüber habe ich viel nachgedacht: Wie stark überhaupt das «Nein»-Sagen ist. Es wird in unserer Welt immer weniger. Das ist einfach unangenehm - und es bringt jeden anderen dazu, seine Entscheidung zu hinterfragen. Franz Jägerstätter hat dabei niemand anderen verurteilt, sondern gesagt: «Ich kann nicht etwas machen, wo ich ganz sicher weiß, dass es falsch ist für mich.» Das ist eine Stärke, die auch in der heutigen Welt viel verändern könnte.

Frage: Tatsächlich kann man im Film einige Parallelen zur Gegenwart erkennen - von Angst vor Flüchtlingen bis zur Verteidigung des Vaterlandes. Wie beobachten Sie diese Entwicklung, die es derzeit in vielen Ländern gibt?

Antwort: Es ist ja bald Europawahl, da habe ich richtig Angst, das muss ich ehrlich sagen. Auch in Bezug auf diesen Film, wo es eher ein stiller Moment ist, dieses «Nein»-Sagen. Im Moment aber wird die Welt immer lauter und lauter, immer furchtbarer, immer blutrünstiger. Manchmal denkt man dann «So schlimm war es doch noch nie». Dadurch fehlt aber genau die andere Seite, nämlich das Innehalten und Sagen «So geht das nicht» - ohne die anderen zu verurteilen oder zu handeln.

Frage: Ist eine Gefahr, damals wie heute, nicht auch eine Polarisierung, bei der eine Seite nicht mit der anderen spricht?

Antwort: Es ist völlig verlernt worden, in einem guten Sinne zu streiten. Das ist mit die größte Katastrophe. Wenn Denkverbote ausgesprochen werden. Ein Streit ist an sich etwas Wunderbares, etwas ganz Wichtiges. Wenn das flöten geht, dann werden die, die am lautesten schreien, gewinnen.

Frage: Wie der Film zeigt, gab es ähnliche Mechanismen schon einmal. Haben wir das vergessen?

Antwort: Das glaube ich sowieso. Der Mensch lernt nichts durch die Geschichte. Wir sind ja auch eine andere Generation. Ich kann nichts vergessen haben, ich war damals noch nicht geboren. Die Jungen haben nichts zum Erinnern - auch weil die Älteren ihre Erinnerungen nicht weitergegeben haben. Ich glaube, dass es da Schnitte zwischen den Generationen gibt.

Frage: Regisseur Terrence Malick ist nie in der Öffentlichkeit zu sehen, auch bei Premieren und Preisverleihungen nicht. Sie aber haben ihn nun näher kennengelernt. Was ist das für ein Mensch?

Antwort: Ein sehr offener, sehr bescheidener, sehr neugieriger und sehr lustiger Mensch. Man lacht viel mit ihm. Ich begreife diese ganze Arbeit am Film als ein riesiges Geschenk.

Frage: Und wie ist er als Regisseur?

Antwort: Er fragt sehr viel über das persönliche Leben und was man über Dinge denkt. Man redet viel über philosophische Fragen oder wie man die Welt sieht. Er will genau wissen, wo man aufgewachsen ist, wie die Kindheit war. Das ist ein Prozess, bei dem man sich nach und nach kennenlernt, auch während des Drehens. Er bezieht einen ganz stark ein in eine Suche. Dabei hat er aber nicht für alles gleich eine Antwort, sondern fragt eher.

Frage: Fließt das auch in den Dreh ein?

Antwort: Ja, sehr. Das ist eine ganz langsame und vorsichtige Suche nach dem Film. Ich erinnere mich, dass wir auch ein Drehbuch hatten. Aber das war bei mir nach drei, vier Tagen schon weggeworfen. Die Takes dauern sehr, sehr lange, in ihnen sucht er (Malick) nach DEM Moment. Die Suche nach dem Augenblick ist sehr wichtig für ihn. Dialoge gab es sehr wenige in dem Film, es ging um die Arbeit an Stimmungen.

ZUR PERSON: August Diehl, 43, studierte an der Hochschule Ernst Busch in Berlin Schauspiel und wurde Ende der 90er Jahre mit dem Kinofilm «23 - Nichts ist so wie es scheint» von Hans-Christian Schmid bekannt. Für die Rolle wurde er mit dem Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Er spielte auch in internationalen Produktionen mit, darunter in Quentin Tarantinos «Inglourious Basterds» sowie dem Thriller «Salt» an der Seite von Angelina Jolie.

Veröffentlicht am:
20. 05. 2019
09:46 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angelina Jolie August Diehl Deutsche Presseagentur Deutsche Schauspieler Deutscher Filmpreis Drehbücher Ernst Busch Facebook Film & Kinofestivals Filme Franz Jägerstätter Kunst- und Kulturfestivals Quentin Tarantino Regisseure Schauspieler Terrence Malick Twitter US-Regisseure Wehrmacht Weltkriege
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Filmfestspiele in Cannes

20.05.2019

Ovationen in Cannes: August Diehl sehr berührt

Der US-Regisseur Terrence Malick gilt als äußerst öffentlichkeitsscheu - auch beim Filmfest Cannes lässt er sich nicht blicken. Dafür werden seine Hauptdarsteller ausgiebig gefeiert. » mehr

Filmfestspiele in Cannes - Diel + Pachner

24.05.2019

Viele Favoriten in Cannes: Wer gewinnt die Goldene Palme?

Der Wettbewerb in Cannes ist so stark wie lange nicht mehr. Das ist gut - doch nun hat die Jury die Qual der Wahl. Welcher Film soll die Goldene Palme bekommen? Gut möglich, dass auch Deutschland zu den Gewinnern gehört. » mehr

76. Internationale Filmfestspiele Venedig

06.09.2019

Viele Frauen und ein Drama von Polanski sind Favoriten

Auf den ersten Blick spielten Frauen beim Festival nur eine kleinere Rolle. Doch das täuschte. Nun sieht es so aus, als könnten bei der Preisvergabe einige Frauen triumphieren. Und dann sind da noch eine Mafia-Groteske u... » mehr

Filmfestspiele in Cannes

19.05.2019

Cannes-Veteranen begeistern beim Festival

Drei Männer im Rentenalter legen die bislang stärksten Filme dieses Festivaljahrgangs vor und beweisen, dass sie nichts von ihrer Energie verloren haben. Vielleicht gehört am Ende sogar August Diehl zu den Preisträgern. ... » mehr

Filmfestival Locarno

16.08.2019

Filmfestival Locarno: Das sind die Favoriten

Magischer Bilderrausch, politisches Statement oder facettenreiches Gesellschaftspanorama - die Jury des diesjährigen Filmfestivals Locarno hat es nicht leicht. Auch der deutsche Spielfilm «Das freiwillige Jahr» hat Chanc... » mehr

Brad Pitt

11.08.2019

Brad Pitt hält Tarantino für verkannten Humanisten

Der Schauspieler spricht in höchsten Tönen vom Regisseur des Films «Once Upon a Time in Hollywood». Er sei ein «verdammt liebenswerter Kerl». » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Auto gegen Hauswand Rabenäußig

Auto fährt in Hauswand in Rabenäußig | 13.09.2019 Rabenäußig
» 5 Bilder ansehen

50 Jahre Centrum Warenhaus Suhl

50 Jahre Centrum Warenhaus | 13.09.2019 Suhl
» 89 Bilder ansehen

Unfall A71 Rentwertshausen

Unfall A71 Rentwertshausen | 12.09.2019 Rentwertshausen
» 12 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
20. 05. 2019
09:46 Uhr



^