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Angry Anderson: Rose Tattoo verdanken AC/DC alles

Rose Tattoo feiern das 40. Jubiläum ihres Debüts und werden das komplette Album von 1978 auf ihrer Tour zum Besten geben. Frontmann Angry Anderson erinnert sich an die Anfänge der Band.



Angry Anderson
Angry Anderson will mit Rose Tattoo noch ein paar Jahre weitermachen.   Foto: SST Seaside Touring GmbH & Co.KG

Angry Anderson kehrt in diesem Sommer mit Rose Tattoo zum zweiten Teil der Europa-Tournee zurück nach Deutschland. Bereits im vergangenen Jahr tourte die australische Rock'n'Roll-Institution durch Europa, um das Debüt-Album «Rock'n'Roll Outlaw» gebührend zu feiern.

Vor 41 Jahren legte der heute 71-jährige Sänger die Grundlage für den Erfolg der Tatts, die als kleiner Bruder von AC/DC gelten. Mit Hits wie «Nice Boys Don't Play Rock'n'Roll», das Guns N' Roses coverten, oder «Bad Boy for Love» machten sich Rose Tattoo unsterblich.

Doch das schwer tätowierte Kraftpaket Anderson sorgte auch neben seiner Tätigkeit als Sänger der Tatts für Aufsehen. Als Schauspieler, TV-Moderator oder Solist stieg er in seiner Heimat Australien zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten auf. Für sein soziales Engagement erhielt Anderson von Königin Elizabeth II. die Auszeichnung «Order of Australia».

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur blickt Anderson auf die wilden Anfangstage der Band zurück. Er spricht über seine ersten Tattoos, das Verhältnis zu AC/DC und seinen Glaube an die christlichen Werte.

Frage: Das Debüt-Album «Rock'n'Roll Outlaw» hat im vergangenen Jahr sein 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an diese Zeit zurückdenken?

Antwort: Als wir damals «Rock'n'Roll Outlaw» aufnahmen, hat unser Produzent George Young (der ältere Bruder der AC/DC-Musiker Angus und Malcom Young, Anm. d. Red.) zu mir gesagt, dieses Album wird großartig, es wird die Zeit überdauern. Er hat Recht behalten. So viele Bands haben über die Jahre Songs von diesem Album gecovert. Gute Songs überleben einfach. Das ist wie mit den alten Stücken von Elvis Presley, Eddie Cochran, Little Richard oder Jerry Lee Lewis. Die höre ich mir immer noch fast jeden Tag sehr gerne an.

Frage: «Rock'n'Roll Outlaw» wird meiner Meinung nach niemals langweilig...

Antwort: Dafür bin ich sehr dankbar. Vor kurzem sind wir von einer kleinen 10-tägigen Tour im Norden Australiens zurückgekehrt, wo die meisten Bands gar nicht auftreten, weil es so weit weg ist. Nach einem Konzert kam ein Familienvater zu mir und sagte mir, wie sehr er unsere Musik liebt. Als junger Mann sei er sehr wütend und gewalttätig gewesen. Doch die Musik von Rose Tattoo habe ihm Hoffnung gegeben. Das war für mich ein wunderbarer Moment zu hören, wie unsere Musik andere Menschen berührt. Früher war mir das nie bewusst. Mir war schon klar, dass es Sinn ergibt, was wir machen und dass wir gut sind. Doch wie wichtig unsere Musik für viele Menschen war und ist, habe ich erst sehr viel später begriffen.

Frage: Sie sind selbst in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, sind von Ihrem Vater physisch und psychisch misshandelt worden. Was hat Sie davon abgehalten, auf die schiefe Bahn zu geraten?

Antwort: Ich bin sehr dankbar, dass ich den Einflüssen meiner Mutter und nicht denen meines Vaters gefolgt bin. Mein Vater war ein brutaler, gewalttätiger Mann. Ich hätte leicht seinem Vorbild folgen können. Meine Mutter war eine sehr gläubige Frau, sie hat die christlichen Werte gelebt. Auch wenn ich nicht in die Kirche gehe, glaube ich an die christlichen Werte. Wir sind hier, um anderen Menschen die Hand zu reichen und ihnen zu helfen. Der Mensch ist an sich gut. Wenn wir mehr Liebe, Mitgefühl und Rücksichtnahme zeigen würden, hätten wir viel weniger soziale Probleme.

Frage: Glauben Sie an Gott oder würden Sie sich als Christ bezeichnen?

Antwort: Mein spiritueller Glaube basiert nicht auf christlichen Prinzipien. Ich bin eher eine Person von spirituellem Bewusstsein als eine dogmatisch-religiöse Person.

Frage: Sie glauben aber schon an ein höheres, geistliches Wesen, das unsere Erde erschaffen hat?

Antwort: Absolut. Für mich gibt es eine göttliche Präsenz, eine göttliche Fügung. Bei der Erschaffung der Erde gibt es neben der physikalischen Komponente noch eine spirituelle. Diese ist ein Geschenk Gottes.

Frage: Sie haben als Jugendlicher wilde Zeiten mit Alkohol, Drogen und Schlägereien erlebt. Waren bei Ihnen damals die christlichen Werte schon präsent?

Antwort: Als Jugendliche haben wir gegen Institutionen gekämpft. Wir haben die Werte der Gesellschaft aber auch die der christlichen Autoritäten hinterfragt. Die meisten Autoritäten sind korrupt. Ich gebe allen jungen Leuten den Rat: Hinterfragt alles und akzeptiert nicht die Sichtweise des Mainstreams. Stellt Fragen und bildet euch euer eigenes Weltbild. Findet selbst heraus, was real ist und lasst euch nicht erzählen, was die Wahrheit ist.

Frage: Gehen wir noch mal zurück zu den Anfängen von Rose Tattoo. War es damals eigentlich gefährlich zu einem Konzert Ihrer Band zu gehen?

Antwort: Für einige Leute bestimmt. Wir waren eine extreme Band, die extreme Leute angezogen hat. Damals waren unsere Fans sehr leidenschaftlich. Sie haben zum Teil Rose Tattoo als ihr Eigentum angesehen. Sie haben es nicht gemocht, wenn Leute von außerhalb dieses Zirkels zu unseren Konzerten gekommen sind. Sie haben gedacht, die seien es nicht wert, auf einen Rose-Tattoo-Gig zu kommen. Heutzutage haben wir ein viel breiteres Spektrum an Zuschauern auf unseren Konzerten.

Frage: In dem früheren Song «Scarred For Life» singen Sie: «I got my first tattoo when I was 16» («Mein erstes Tattoo hatte ich mit 16»). Können Sie sich noch daran erinnern, welches Motiv Ihr erstes Tattoo hatte?

Antwort: Ich kann mich noch an meine ersten beiden Tattoos erinnern. Auf meiner rechten Schulter hatte ich eine rote Rose mit dem Namen meiner damaligen Freundin. Auf der linken Schulter hatte ich eine schwarze Rose mit einem Grabstein-Kreuz in Erinnerung an einen guten Freund, der früh gestorben ist. Meine ersten beiden Tattoos sind Rosen. Meine Mutter hieß mit Mädchennamen Rose, und ich bin der Sänger der Band Rose Tattoo geworden. Das ist magisch!

Frage: Ihre vielen Tattoos sind ein Markenzeichen von Ihnen. Kommen denn noch weitere dazu?

Antwort: Ja, ich bin noch nicht fertig damit.

Frage: Sie sind jetzt 71 Jahre alt und gehen wieder regelmäßig auf Tour. Schlagen Sie sich ihren Schädel immer noch mit dem Mikrofon blutig oder trinken eine Flasche Wein auf Ex und lassen sich anschließend publikumswirksam von der Bühne tragen?

Antwort: Nein, nein. Diese Tage sind vorbei. Das war damals eine ganz andere Zeit, und ich hatte damals eine andere Einstellung. Diese Dinge haben zu einer anderen Ära gehört.

Frage: Sie trinken aber immer noch Wein auf der Bühne.

Antwort: Das mache ich aber, um meinen Stimme zu ölen.

Frage: Sie sind also nicht mehr der Angry von früher. Woher kommt der Name eigentlich?

Antwort: Ich war früher eine sehr wütende, junge Person. Ein Freund von mir, mit dem ich damals zusammen gewohnt habe, und der ein berüchtigter Krimineller war, hat mir den Spitznamen gegeben.

Frage: Sind Sie heute immer noch eine wütende Person?

Antwort: Verschiedene Dinge machen mich wütend. Früher war ich darüber wütend, was mir passiert ist. Heute bin ich darüber wütend, was uns allen passiert, was alles so schief läuft wie Krieg, soziale Ungerechtigkeit oder Umweltzerstörung.

Frage: Sie mussten im Laufe der Jahre den Tod vieler Ihrer Bandkollegen wie Pete Wells oder Mick Cocks miterleben. Warum haben Sie Rose Tattoo am Leben erhalten?

Antwort: Als wir die Band gestartet haben, hat Pete zu mir gesagt: «Was wir machen ist wichtig. Rose Tattoo bedeutet einigen Menschen sehr viel.» Er hat recht. Deshalb habe ich weitergemacht. Außerdem zolle ich den verstorbenen Bandmitgliedern Tribut.

Frage: Vor kurzem ist der frühere AC/DC-Bassist Mark Evans bei Rose Tattoo eingestiegen. Ihre früheren Alben hat der AC/DC-Produzent George Young produziert. Wie war das Verhältnis zu AC/DC in den 70er Jahren?

Antwort: Wir hatten eine sehr enge Verbindung zu AC/DC. In den alten Tagen war unsere Lieblingsband AC/DC. Und AC/DC standen auf Rose Tattoo. Damals waren Malcom, Angus und Bon die einzigen Musiker von anderen Bands, die mit uns auf der Bühne gejammt haben. Ohne die Unterstützung von AC/DC hätten wir keinen Plattenvertrag bei Albert Productions bekommen. Alle anderen Plattenfirmen wollten uns nicht, weil wir als Troublemaker verschrien waren. Albert Production haben aber an uns geglaubt, für sie war es nur wichtig, was wir als Musiker drauf hatten. Ohne AC/DC und Albert würde es Rose Tattoo nicht geben.

Frage: Neben Rose Tattoo hatten Sie eine erfolgreiche Solo-Karriere. Sie haben zum Beispiel mit dem Pop-Song «Suddenly» aus der TV-Serie «Neighbours» einen echten Hit gelandet. (Platz drei in den britischen Charts). Wie denken Sie heute darüber?

Antwort: Für meine Persönlichkeits-Entwicklung war es wichtig, dass ich neben Rose Tattoo noch andere Projekte laufen hatte. Es gibt noch eine andere Seite des Angry Anderson, die nichts mit Rose Tattoo zu tun hat.

Frage: Wie lange wollen Sie noch das Leben eines Rock'n'Rollers führen?

Antwort: Im Grunde genommen möchte ich ein einfaches Leben führen. Ich denke, so in vier fünf Jahren, wenn es die Band nicht mehr gibt, werde ich auf einer Ranch leben, mein eigenes Essen anbauen und im Einklang mit der Natur leben.

Tourdaten: 16.07. Hamburg - Markthalle, 18.07 Düsseldorf - Zakk, 19.07. Fritzlar - Rock am Stück, 21.07. Aschaffenburg - Colos-Saal - 25.07. München - Free&Easy, 26.07. Seebronn - Rock Of Ages, 27.07. Pyras - Pyras Open Air, 28.07. Leipzig - Parkbühne, 31.07. Wacken - Wacken Open Air, 02.08. Geiselwind - Bike & Music Weekend, 03.08. Aschaffenburg- Colos-Saal

Veröffentlicht am:
11. 07. 2019
10:41 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
11. 07. 2019
10:41 Uhr



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