Topthemen: GebietsreformThüringer helfenNSU-ProzessSerie: Alles geregelt?Fußball-Tabellen

Lokalsport Sonneberg

Ligaunabhängig

Eine einzige Niederlage hat die imposante Serie der Landesklasse-Kickerinnen vom SC 06 Oberlind an einem Tag in Vergessenheit geraten lassen. Die Träume vom Aufstieg in die Verbandsliga sind ad acta gelegt - eigentlich...



Kennen nur eine, eine gemeinsame Richtung: Die Oberlinder Fußballerinnen - hier Mercedes Liebermann, Sophie Knoch, Marie-Luise Bätz und Laura Stempfle (von links) - wissen derzeit nicht, in welcher Liga sie in der kommenden Saison kicken werden.	Foto: camera900.de
Kennen nur eine, eine gemeinsame Richtung: Die Oberlinder Fußballerinnen - hier Mercedes Liebermann, Sophie Knoch, Marie-Luise Bätz und Laura Stempfle (von links) - wissen derzeit nicht, in welcher Liga sie in der kommenden Saison kicken werden. Foto: camera900.de  

Oberlind - Was hatten sich die Oberlinderinnen seit September vergangenen Jahres geschunden. Trotz der recht bescheidenen, quantitativen Punktspielbelastung - die Staffel Ost zählt nach dem erwarteten Rückzug der SG Moorental gerade einmal sieben Mannschaften - waren sich die Schützlinge von Trainer Mario Heymann für keine Trainingseinheit zu schade. Aber: Trotz der geringeren Anzahl an Pflichtspielen "haben wir keine Extraeinheiten schieben können", klärt Heymann auf. Das ginge angesichts der familiären und beruflichen Belastungen seiner Schützlinge gar nicht. Jedoch gibt es ja noch eine zweite Frauen-Mannschaft - "Segen und Fluch zugleich", rutscht dem Coach da von den Lippen. Denn "einerseits konnten wir uns aushelfen - bei Verletzungen, Urlaub oder Schichtdienst", zählt der Trainer die Vorteile auf. "Andererseits bekommen einige Spielerinnen schon die Hypothek auferlegt, zweimal an einem Wochenende zu spielen, um Ausfälle kurzfristig zu kompensieren", schaut Heymann durchaus auch auf die Kehrseite der Medaille.

Mit einem gescheiten Wintertraining wollten sich die Oberlinderinnen dann zur Punktspielpause fit für den Endspurt machen - eigentlich. Doch die Vorbereitung verlief alles andere als geplant. "Das lief etwas stockend am Anfang", gesteht der Damencoach, denn seine Mannschaft fand witterungsbedingt oft einen matschigen oder gar schneebedeckten Trainingsplatz vor - im vergangenen Winter keine Seltenheit, aber "nicht zu ändern" (Heymann). Dann hätten auch noch die Wunsch-Testspiel-Gegner Walldorf und Reitsch abgesagt. "Doch wir haben auch zwei, drei richtig gute Testspiele absolviert", erinnert sich der SC-Trainer, nicht zu vergessen ein beinahe "perfektes Trainingslager in Bad Blankenburg", ergänzt er.

Nach dem 4:1-Auswärtssieg über den künftigen Staffelmeister Saalfeld Titans im Hinspiel im November 2016 starteten die Oberlinderinnen auch mit Power-Fußball ins Frühjahr: Beim 13:0 gegen Pöllwitz (2. April) war durchaus schon ein Klasenunterschied sichtbar. Beim 3:0 gegen Löbichau (23. April) mussten die Mädels um Kapitänin Romy Fölsche schon etwas mehr rackern, ehe Greiz vor heimischer Kulisse deklassiert (0:3/29. April) und Meuselwitz beeindruckend in die Schranken gewiesen wurden (6:0/7. Mai). Den überhaupt einzigen Ausrutscher dieser Saison leisteten sich die stark dezimierten SC-Ladys gegen den neuen Spitzenreiter aus Saalfeld (1:8) - am vergangenen Wochenende. Dabei wurden Heymanns personelle Probleme in der bald zu Ende gehenden Saison deutlich sichtbar - trotz richtig guter Neuzugänge.

So musste der Damentrainer bereits zum Saisonstart einige Langzeitverletzten aus der Vorsaison ersetzen. Nach kurzem Nachzählen ergänzt er: "Vier Kreuzbandrisse, vier Schwangere" - das könne man so mir nichts, dir nichts ausgleichen, meint er. Zu allem Überfluss meldeten sich vor den wichtigen, jüngsten Spielen die beiden Strategen, Daniela Fellisch (Meniskusriss) und Romy Fölsche (Bänderriss), nicht einsatzfähig. Also platzte nach der einzigen Saisonniederlage gegen zweifelsohne diesmal überlegene Saalfelder Titans der Traum von der Höherklassigkeit, der Traum von einem vernünftigen Frauen-Spielbetrieb?

"Wir hatten uns so auf den Aufstieg gefreut", bedauert Heymann diesen fußballerischen Schicksalsschlag, den auch er nicht spurlos wegzustecken scheint. Oder ist da doch noch ein Aufstieg möglich? "So, wie es derzeit aussieht, haben wir als Zweitplatzierte keine Chance", stellt der Trainer klar. Was soll dann in der kommenden Saison folgen?

Die Lage in der Staffel Ost der Landesklasse ist nämlich durchaus verzwickt: Nach heutigem Stand steigen die Saalfeld Titans in die Verbandsliga auf. Doch kehren weitere Mannschaften der unattraktiven Frauen-Landesklasse den Rücken. Allen Anschein nach wechselt Meuselwitz mit dem Spielrecht einer sächsischen Mannschaft ins benachbarte Bundesland. Die Schaffung einer Großkreisliga durch den Zusammenschluss der Fußballkreise Saale-Orla und Saale-Holzland im Frauenbereich dezimiert die Staffel Ost um weitere drei Mannschaften. Bleibt das bisherige Konstrukt bestehen, bleiben mit Oberweimar und Oberlind gar nur noch zwei Mannschaften übrig. Der Verband ist also gefordert, denn "so, wie sich das jetzt darstellt, wird das bisherige Konstrukt nicht funktionieren", ist sich Mario Heymann sicher.

Anja Kirchner, im Thüringer Fußballverband (TFV) Vorsitzende des Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball, steht vor einer schwierigen Situation: "Wir warten erst einmal den Meldeschluss ab", sagt sie. Dieser ist der 31. Mai, dann müsse man sehen. Planspiele gibt es genügend, nur noch nichts Verbindliches. Beispielsweise könnte die Ost-Staffel aufgelöst und Oberlind der West-Staffel zugeordnet werden, die dann die einzige auf Landesklasse-Ebene wäre. Deutlich wird dabei auch, dass die Staffel Ost eh ein Stiefkind des Verbandes ist. So wird seit acht Monaten (!) die offizielle Tabelle beim TFV nach dem Rückzug Moorentals falsch veröffentlicht. Auch hat sich Staffelleiter Robert Hoffmanns nicht mal zum Spitzenspiel der Titans, geschweige denn zu anderen Spielen, blicken lassen. "Das ist schon traurig", kommentiert Heymann die Lage. "Ich sage es ja immer wieder, und dazu stehe ich auch: Diese Landesklasse wird auf Kosten der Verbandsliga sehr stiefmütterlich behandelt. Hauptsache, dort oben passt alles", meint der Trainer, der sich, so gut es geht, auf das Tagesgeschäft konzentrieren will.

Denn am Sonntag, 21. Mai, bestreiten seine Damen die wirklich letzte Partie der Saison 2016/2017. Zu Gast in Oberlind ist der VfB Oberweimar, der das Hinspiel abgesagt hatte - irgendwie bezeichnend für die Situation in der Staffel. Und so wissen die SC-Mädels recht wenig über die derzeitige Verfassung ihres Gegners. Mit sicherlich jeder Menge Wut im Bauch - ob der ärgerlichen Niederlage aus der Vorwoche - werden sie am Sonntag, kurz vor 14 Uhr, den Oberlinder Rasen betreten und gewiss darauf aus sein, sich Luft zu machen und diese Saison doch versöhnlich abzuschließen. Unterstützung von den Rängen täte angesichts einer trotzdem sehr guten Saisonleistung gut. Doch wirklich abgehakt ist dann diese Serie noch nicht.

"Unsere Zweite belohnt sich am Pfingstsamstag im Kreispokalfinale für ihre tolle Saisonleistung", hofft Heymann. Seine "Reservistinnen" bestreiten das Vorspiel zum Supercup der Männer - auf dem Sportplatz "Am Wolkenrasen", keine zwei Kilometer vom eigenen, heiligen Rasen entfernt. "Dann werden wir in die Sommerpause gehen und pünktlich zur Linder Kerwa in die neue Saison starten - ligaunabhängig", ist sich Heymann, der trotz aller Tiefschläge Optimismus ausstrahlt, sicher.

Autor

Lars Fritzlar
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 05. 2017
22:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Damen-Trainer Frauenmannschaften Niederlagen und Schlappen Riss des Kreuzbandes Thüringer Fußballverband Träume Ärger
Oberlind
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Demonstrieren Einigkeit schon vor dem Anpfiff: Oberlinds Kickerinnen nebst der Verletzten schwören sich ein letztes Mal auf die Partie gegen den 1. FC Greiz ein. Es hilft. Das Schlusslicht hat nicht den Hauch einer Chance.

01.05.2017

Heymanns Sorgen sind unbegründet

Die Landesklasse-Kickerinnen des SC 06 Oberlind untermauern ihre Titelambitionen: 15:0 wird Schlusslicht und Gastgeber 1. FC Greiz bezwungen. » mehr

Ausgetrickst: Das Duell der Mannschaftskapitäninnen geht eindeutig an Oberlind. Romy Fölsche (links) verteidigt den Ball geschickt gegen Ulrike Heiner aus Löbichau.	Foto: camera900.de

28.04.2017

Sechs Minuten Leidenschaft

Weiter auf Meisterkurs: Mit einem 3:0 besiegen die Landesklasse-Kickerinnen des SC 06 Oberlind den Liga-Konkurrenten SV Löbichau, können ihre augenscheinliche Überlegenheit allerdings nicht in mehr Tore ummünzen. » mehr

Ein Stück Geschichte geliehen

21.05.2017

Ein Stück Geschichte geliehen

Die Geschichte des Steinacher Fußballs ist einmalig. » mehr

Klasse: Trotz bärenstarker Konkurrenz schaffen die Lauschaerinnen - hier Stephanie Leutbecher (am Ball) und Janine Müller-Keupert (rechts) im Spiel gegen Walldorf/Dillstädt - den Sprung ins Spiel um Platz fünf.

14.02.2017

Nicht nur die Sachsen jubeln

Die Frauen des sächsischen Landesligisten Chemnitzer FC gewinnen das Hallenfußball-Turnier um den Gessner-Cup. In der Steinbacher SBBS-Halle landet Gastgeber SC 06 Oberlind nach seinem Vorjahressieg auf Platz zwei. » mehr

Aus Sicht der Kaltennordheimer sicherlich eine spielentscheidende Situation: Nach dem Freistoß von Wild irritiert Goalgetter André Gottschalk (vorne/links, im Laufduell mit dem Kaltennordheimer Jan Giesler) Gästetorwart Lukas Salzmann (rechts), der sich bei dieser Aktion an der Hand verletzt. Hinten links lauern die Steinacher Niklas Tanneberg und davor Dominik Wenke, rechts steht Steinachs Christopher Hopf (verdeckt), bewacht von Gästekapitän Christian Dittmar (davor).	Foto: camera900.de

05.12.2016

Wenn der Torwart zum Feldspieler wird

Der 5:2-Erfolg von Fußball-Landesklasse-Vertreter SG SV 08 Steinach über die SG RSV Fortuna Kaltennordheim entschädigt Fans und Mannschaft für eine Herbstrunde mit unerwarteten Ereignissen. » mehr

Das Jubeln nicht verlernt: Erst im vergangenen Jahr holten sich die Steinacherinnen den Kreispokalsieg. Hier freuen sich (hinten von links) Fabienne Wallstab, Christine Ehrich, Claudia Luthardt, Kristin Eber, Tanja Häusler, Jana Schmidt, Maren Leipold sowie (vorne von links) Heidi Matthäi, Stefanie Luthardt, Janine Hausdörfer, Sabrina Leipold und Simone Liebmann. Rebecca Hoffmann und Maxi Greiner fehlen.	Foto: camera900.de

22.07.2016

Aus Wagnis wird Tradition

Dem Aufruf Werner Ebners folgen knapp 20 Mädchen und Frauen. In Steinach gründen sie eine Damenfußballmannschaft. Fortan vermittelt Ebner, der drei Jahre als Trainer fungiert, geduldig und akribisch die Grundregeln des F... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall Motorrad Schleusingen

Motorradunfall bei Schleusingen | 25.05.2017 Schleusingen
» 6 Bilder ansehen

Unfall Salzbrücke

Unfall Salzbrücke | 23.05.2017 Salzbrücke
» 7 Bilder ansehen

Brand Industrie Eisfeld

Brand Industrie Eisfeld | 23.05.2017 Eisfeld
» 18 Bilder ansehen

Autor

Lars Fritzlar

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 05. 2017
22:24 Uhr



^