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Fast wie ein intelligentes Haustier - aber elektronisch

In Ilmenau testen Senioren erstmals einen schlauen elektronischen Helfer, der Pflegebedürftigen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden erleichtert und helfen soll, eine Demenz eindämmen.

Von Marco Schreiber
  • Projektgruppenleiter Christof Schröter begleitet die Seniorin Ingeburg Neumann beim Umgang mit einem von der TU Ilmenau und der Ilmenauer Firma Metralabs entwickelten Serviceroboter. Foto: ari
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Ilmenau - Einen Roboter hat sich Ingeburg Neumann bestimmt anders vorgestellt als diesen flachen grauen Kasten mit dem großen Bildschirm. Er steht in einem Labor der Technischen Universität Ilmenau und begrüßt hier mit seiner künstlichen Stimme zum ersten Mal einen jener Menschen, für die er konstruiert worden ist - Senioren, die hin und wieder jemanden brauchen, der sie an den Schlüssel und die Tabletten erinnert.

Computergesteuerte Assistenzsysteme heißen die schlauen Automaten, die alten Menschen im Alltag helfen sollen. "Zielgruppe sind ältere Menschen mit beginnender Demenz", sagt Christof Schröter, Leiter der Ilmenauer Projektgruppe, die seit 2007 an dem Service-Roboter werkelt. Damit allein lebende Senioren möglichst lange in den eigenen vier Wänden zurecht kommen, brauchen sie Unterstützung und Anregung, erklärt der Informatiker. Der Apparat bietet dazu verschiedene Übungen zum Gehirnjogging an, die von der Demenzforschung entwickelt worden sind. "Das sind verschiedene Aufgaben wie Begriffe zuordnen und Bilder sortieren." Dabei wird automatisch die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Nutzers erkannt.

Als praktischer Helfer hat der Roboter unter dem Monitor eine Schale, in der Schlüssel, Telefon und Brille abgelegt werden können. Da sich der Computer merkt, was in seinem Bauch aufbewahrt wird, kann sich der Nutzer den Schlüssel bringen lassen, wenn er die Wohnung verlassen will. Macht er sich ohne auf den Weg, erkennt das der Roboter und erinnert ihn daran. "Er kann aber auch an die Einnahme von Medikamenten erinnern", sagt Schröter. Mit einer entsprechenden Ausgabe-Einheit verbunden, könnte die Maschine sogar die richtigen Tabletten zur richtigen Zeit dosieren - und bis an den Sessel bringen. Der Roboter soll in der Lage sein, den Nutzer auch dann zu finden, wenn er im Fernsehsessel eingeschlafen ist.

Für Notfälle gerüstet

Wie ein normaler Computer soll der Automat auch ganz praktische Dinge erledigen können, etwa das Wetter ansagen und nach Kochrezepten suchen. Schröter: "Man kann verschiedenen Infodienste abrufen." Bedient wird er dabei über den großen berührungsempfindlichen Bildschirm - oder mit gesprochenen Befehlen. Da der Roboter über eine Kamera verfügt, "versteht er auch ein Kopfnicken". Außerdem lernt der Computer, sich selbst in der Wohnung seines Nutzer zurecht zu finden, indem er eine Art Karte erstellt. Der Besitzer kann ihn dann zu sich rufen, wenn er telefonieren will. Auf Befehl stellt der Roboter die Verbindung her. Wenn er in seinem Umfeld einen Notfall registriert und der Besitzer Hilfe braucht, schlägt der elektronische Aufpasser per Datenleitung Alarm.

Die Ilmenauer Programmierer sind überzeugt vom praktischen Nutzen des Projekts, an dem EU-weit fast 20 Partner arbeiten. "Es gibt auf jeden Fall einen Markt dafür", sagt Schröter. Krankenkassen könnten die Roboter ähnlich wie Rollstühle als Hilfsmittel anerkennen, weil damit eine frühe Heimunterbringung verhindert wird - in der alternden Gesellschaft ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor.

Zunächst forschen sie noch nach Schwachstellen im System. Zum ersten Mal mit Hilfe einer Seniorengruppe aus Erfurt, die bereits Erfahrung mit Robotern hat - sie erprobt einen Bewegungs-Assistenten, der sie bei einfachen Körperübungen unterstützen und kontrollieren soll, die dann selbstständig zu Hause erledigt werden können. Schröter war neugierig, wie die Gruppe auf seinen elektronischen Helfer reagieren würde - und erleichtert, als er Ingeburg Bachmanns Begeisterung spürte. Die 80-Jährige kam auf Anhieb mit der Bedienung zurecht. "Es gibt natürlich noch viele Kleinigkeiten, die man verbessern kann", sagt Schröter. So müssten die Ilmenauer Programmierer unbedingt eine Wiederholungsfunktion einbauen. Ingeburg Bachmann hat nicht immer auf Anhieb verstanden, was der Roboter gesagt hat.

Noch nicht in Produktion

In den nächsten Monaten wird erkundet, ob der Helfer im Alltag auch von der Zielgruppe angenommen wird, sagt Schröter. "Im besten Fall wie ein intelligentes Haustier." Ein großer Teil dieser Akzeptanzforschung findet in den Niederlanden statt, wo es schon viele Tests gegeben hat. "Wir haben nicht zum ersten Mal ein Feedback auf unsere Arbeit bekommen, aber zum ersten Mal direkt bei uns." Gespannt auf die Ergebnisse sei auch die Ilmenauer Firma Metralabs, die gemeinsam mit der TU-Gruppe die Hardware der Roboter entwickelt hat. Bis man die ersten Geräte kaufen kann, müssten die Senioren aber noch etwa fünf Jahre warten, sagt Schröter. "Für Vorbestellungen ist es noch zu früh."

    
    

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