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Der Preis der schönen Zahlen

Mobilität galt seit Jahren als das höchste Gut auf dem Arbeitsmarkt. Für Thüringen hatte das bisher fatale Folgen, denn nach ein paar Jahren wanderten Pendler oft ab. Nun keimt leichte Hoffnung auf.

Von Jolf Schneider
  • Anstellen auf dem Weg zum Arbeitsplatz: Durch die gute Verkehrsanbindung ist Thüringen zwar gut erreichbar, doch noch werden die Autobahnen vor allem dafür genutzt, das Land auf dem Weg zur Arbeit schnell zu verlassen. Foto: ari/Archiv
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Suhl - Jahrelang gab es auf den Autobahnen eigentlich nur eine Richtung. Spätestens Montagmorgen setzte sich die Kolonne der Pendler in Bewegung, um Ostdeutschland in Richtung Westdeutschland zu verlassen. Tausendfach fuhren die Menschen zu ihren Arbeitsplätzen in Stuttgart, München oder Frankfurt, nur um freitags wieder im Stau in Richtung Heimat zu stehen.

Gerade Thüringen profitierte jahrelang von seiner Randlage. Aus den Landkreisen Hildburghausen und Sonneberg oder dem Wartburgkreis ist es nur ein Katzensprung über die Landesgrenze nach Hessen oder Bayern. Hier lockten die Arbeitgeber mit lukrativen Stellen und meistens auch mit höheren Einkommen. Die Folge war für Südthüringen durchaus erfreulich. Seit Jahren schon weist der Landstrich entlang des Rennsteigs mit die niedrigste Arbeitslosenquote im Osten auf. Doch die hohe Zahl der Pendler hatte immer auch eine Schattenseite. Gerade Pendler, die nicht jeden Abend zurück in ihre thüringische Heimat fahren können, sind potenzielle Abwanderer.

Und von denen gab es in den vergangenen Jahren in Thüringen reichlich. Und so konnte aus dem jüngsten Bundesland, das Thüringen zu DDR-Zeiten einmal war, eines der Altenheime der Republik werden. Die Tatsache, dass die Zahlen der Menschen steigen, die zum Arbeiten nach Thüringen kommen, geben leichten Anlass zur Hoffnung. Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren etwas getan. Wer am Industriegebiet am Erfurter Kreuz vorbeifährt, bekommt davon einen Eindruck. Es haben sich Unternehmen angesiedelt, die sogar für Menschen aus Hessen oder Bayern interessante Arbeitsplätze anbieten. Und sie haben dafür gesorgt, dass einige Thüringer, die schon abgewandert waren, wieder zurückgekehrt sind.

Das alles sind noch kleine Pflänzchen, die gerade erst an der Oberfläche sichtbar werden. Denn die Unternehmen am Erfurter Kreuz müssen nun den Beweis antreten, dass sie für langfristig sichere Arbeitsplätze sorgen. Und es muss sich noch mehr tun, damit die Autobahnen nicht jeden Montag und jeden Freitag verstopft sind.

Thüringen braucht mehr attraktive Arbeitgeber. Es gibt erste Bemühungen von mittelständischen Unternehmen, ihre Attraktivität durch Kooperationen zu steigern. Das sind gute Ansätze, die Schule machen sollten. Denn nur so können die oft sehr kleinen Thüringer Unternehmen im Wettbewerb mit Großkonzernen wahrgenommen werden.

Das Ziel all dieser Bemühungen kann nur sein, dass Menschen wieder eine Heimat in Thüringen finden. Privat wie beruflich. Denn Mobilität mag helfen, um Arbeitslosenstatistiken in einem positiven Licht erscheinen zu lassen. Doch was hat eine Gesellschaft davon, wenn sie eigentlich gar nicht mehr existiert? Weil gesellschaftliches Leben vor Ort nicht mehr stattfindet. Wer soll sich noch im Sportverein engagieren, wenn die Einwohner des Ortes mehrheitlich ganz woanders arbeiten? Wer gründet schon eine Familie, wenn er damit beschäftigt ist, für den Lebensunterhalt durch die Republik zu reisen? Natürlich hat die Mobilität uns in den vergangenen Jahren über manches Problem hinweggeholfen, doch der Preis, den wir dafür gezahlt haben, ist hoch.

    
    

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Hohen Benzin- und Diesel-Preise beeinflussen den Umzug, wer kann, haut ab!

von uschi2011 am 27.02.2012 21:00
Verschärfend kommt für den Osten hinzu, dass viele junge Leute wegen eines Jobs gen Westen ziehen - und nur selten wiederkommen. Warum auch?
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