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Mit Luther die Kirche an der Autobahn vollenden

Mit der Autobahnkirche am Thüringer Tor soll es nach dem Tod des Initiators Fritz Steigerwald wieder vorangehen - mit Ralf Luther, Landrat von Schmalkalden-Meiningen, an der Spitze des Vereins.

Von Marco Schreiber
  • Am Parkplatz Thüringer Tor kurz vor der Abfahrt Rentwertshausen steht der Rohbau der Autobahnkirche A 71. Foto: ari
  • Ralf Luther Foto: hi
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Bibra - Hier also soll sie entstehen, die Autobahnkirche Thüringer Tor, am äußersten Rand des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, zwischen den Kilometern 150 und 170, wo Durchreisende aufs Gaspedal treten und Pendler von einer Auffahrt zur nächsten düsen, durch reizlose Schneisen zumeist.

Die Waldautobahn unterscheidet sich in diesem Abschnitt kau m von anderen Schnellstraßen. Verzinkte Leitplanken, breite Brücken, großzügige Kurven. Die Autos brausen hinweg über Kilometer 165, wo die Landesgrenze zwischen Bayern und Thüringen verläuft, die einst Grenze zwischen DDR und BRD gewesen und unüberwindbar gewesen ist.

Daran soll die Autobahnkirche erinnern, deren Bau sich vor sieben Jahren Fritz Steigerwald, der langjährige Landrat des Rhön-Grabfeld-Kreises verschrieben hat. Im Juni ist der Gründer des Vereins Autobahnkirche A 71 gestorben. Nach einigen Wochen haben sich die Mitglieder neu orientiert und den Landrat von Schmalkalden-Meiningen, Ralf Luther, zum Vorsitzenden gewählt. Mit ihm an der Spitze soll jetzt Schwung geholt werden für die weiteren Bauarbeiten - seit Jahren ist von der Kirche nur der Rohbau zu sehen.

Bau verzögert sich

Er taucht recht unvermittelt hinter einem Waldstück am rechten Fahrbahnrand auf. Auf einer Anhöhe stehen vier geschwungene weiße Mauern wie Teile einer zerbrochenen Schale. Der Baumeister hat die Schalenteile so ineinander gestellt, dass der Besucher wie durch ein Schneckenhaus ins Innere der Kapelle gelangt. Auf dem Boden liegt grauer Split, durch den sich einige Disteln kämpfen. Es gibt weder Dach noch Fenster, seit Monaten verzögert sich der Weiterbau.

Jetzt soll es wieder vorwärts gehen, sagt Hans-Joachim Schonert, bei der Wahl am Mittwoch im Stellvertreteramt bestätigt. "Der Auftrag für das Dach kann in diesem Jahr vergeben werden", sagt er.

Für den distinguierten Herrn aus Rentwertshausen ist der Bau der Autobahnkirche mittlerweile zur Herzensangelegenheit geworden. Er bezeichnet sie als einen modernen Bildstock an einer modernen Straße, als ein Dankeszeichen, wie es über Jahrhunderte von Reisenden am Wegesrand aufgestellt wurde, wenn sie ein Unwetter überstanden hatten oder einen Überfall. Besonders in katholisch geprägten Gegenden sind Kruzifixe und kleine Kapellen an unzähligen Straßen und Kreuzungen zu finden.

Dem Pensionär aus dem einst schwer bewachten Sperrgebiet hat die Idee auf Anhieb gefallen, dem Mauerfall von 1989 ein dauerhaftes Zeichen zu setzen. So hatte es Ex-Landrat Steigerwald in der Gegend vorgestellt, erzählt Schonert. Mehr als ein viertel Jahrhundert regierte Steigerwald den unterfränkischen Kreis, dessen nordöstliche Grenze gleichzeitig die Trennlinie zwischen den hochgerüsteten Machtblöcken von Nato und Warschauer Pakt markierte.

"Der Mauerfall war etwas, auf das Steigerwald gewartet hat", sagt Schonert. Anders als viele andere Westdeutsche, die Ende der 1980er schon lange nicht mehr an ein Ende des Kalten Krieges und die Wiedervereinigung geglaubt hätten.

Schonert war 2003 dabei, als Steigerwald nach dem Ende seiner politischen Laufbahn für die Idee einer Autobahnkirche zu werben begann. "Es begann mit dem Sammeln der Gründe, warum man die Autobahnkirche überhaupt haben will", erzählt Schonert. Nachdem eine gemeinsame Basis gefunden war, kam 2004 die Vereinsgründung - und der Tsunami in Asien. Ein schwieriger Start für den Verein, der damals von Baukosten um 175 000 Euro ausging und auf Spenden angewiesen war. "Als wir loslegen wollten, spendeten alle für Asien", sagt Schonert.

Das Projekt wurde damit um Monate, wenn nicht Jahre verzögert. Einige Pläne wurden gleich ganz fallengelassen, etwa der, auf der anderen Seite der Fahrbahn eine zweite Andachtsstätte zu errichten. "An der Abfahrt Mellrichstadt war dann schließlich gar kein Platz mehr", sagt Schonert.

Und doch hat sich viel getan am Rande des Rastplatzes Thüringer Tor. Ein Schotterweg wurde angelegt, die Baufläche hergerichtet. Gemeinsam mit Lehrlingen aus dem Berufsbildungszentrum Rohr-Kloster wurden die Wände hochgezogen. Aus Bruchsteinen vom Autobahnbau - an dieser Stelle wurde eine breite Schneise in den Fels geschlagen - ist neben dem Rohbau sogar ein behelfsmäßiger Altar errichtet worden.

Dort steht auch das große und während einer Andacht geweihte Autobahnkreuz, zwischen dessen hölzernen Schenkeln vier geschwungene Stäbe aus Edelstahl eine Autobahnkreuzung symbolisieren. Für Familie Schaly, die sich seit Jahren im Verein engagiert, steht dieses Zeichen für Einkehr und Andacht. An diesen Orten könne er sich auf Reisen beim Herrgott bedanken, sagt Gerhard Schaly. "Dass man so weit gekommen ist." Und er könne darum bitten, dass Gott ihn auch auf der anderen Strecke des Weges begleitet. Seine Frau Renate Schaly konnte als Schatzmeisterin gute Zahlen verkünden. Weil Steigerwalds Witwe in der Todesanzeige um weitere Spenden gebeten hat, seien innerhalb kurzer Zeit 15 000 Euro auf dem Vereinskonto eingegangen. Eine Erfurter Bank steuerte weitere 3000 Euro bei.

Damit habe man seit Bestehen des Vereins 120 000 Euro eingeworben, berichtet Hans-Joachim Schonert. Jetzt sei ausreichend Geld vorhanden, um noch im November das Dach der Kirche zu bauen, eine komplizierte Konstruktion, die nur von einer spezialisierten Firma errichtet werden könne. Schonert: "Da kann man nicht einfach ein paar Latten drüber legen."

Für alle Konfessionen offen

Von den Plänen zur Außengestaltung mit Stiftersäulen, Labyrinth und Ausstellungsturm habe man sich noch nicht gänzlich verabschiedet. "Das könnte durchaus noch realisiert werden", sagt Schonert. Allerdings konzentriere man sich vorerst auf die Kirche, die noch keine Fenster hat und noch keinen Fußboden. Gerhard Schaly sagt, er habe Kontakte zu Kirchenleuten geknüpft, die die Inneneinrichtung einer geschlossenen katholischen Kapelle für die Autobahnkirche hergeben wollen.

Die Kirche selbst soll im kommenden Jahr geweiht werden und dann allen Konfessionen offen stehen. Dann wird sicher auch ein Schild am Autobahnrand stehen. Sie wird auf die einzige Kapelle hinweisen, die Mahnmal für eine Grenze ist, die nicht zuletzt mit Kerzen und Gebeten zu Fall gebracht worden ist.

Autobahnkirchen in Deutschland

Für die EKD, den Rat der evangelischen Kirche in Deutschland, sind die Autobahnkirchen "Raststätten für die Seele" - und ein Beitrag zur Verkehrssicherheit. Wer in den Kirchen am Straßenrand etwas Kraft und Ruhe getankt habe, steige meist entspannter und gelassener wieder ins Auto, heißt es.

Die Online-Ausgabe der Zeitschrift Chrismon listet insgesamt 38 Autobahnkirchen auf. Die erste wurde demnach an der A 8 im bayrischen Adelsried von einem Papierfabrikanten gestiftet, nachdem es in seiner Familie einen tödlichen Autounfall gegeben hatte. Nur wenige dieser Gotteshäuser liegen jedoch direkt an einem Rastplatz oder Autohof wie die geplante Autobahnkirche bei Bibra. Oft handelt es sich wie bei der Autobahnkirche Schleusingen um Gemeindekirchen, die für Durchreisende geöffnet sind oder nach Bedarf aufgeschlossen werden. Die bislang zweite Autobahnkirche Thüringens befindet sich an einem Autohof an der A4-Ausfahrt Gotha.


    
    

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