zuletzt bearbeitet: 20.02.2012 14:16 Uhr
Text
Text
Gauck als "Mutmacher und Präsident der Herzen"
Berlin/Erfurt - Joachim Gauck kann nach Ansicht des thüringischen Bildungsministers Christoph Matschie (SPD) im Amt des Bundespräsidenten als «Mutmacher» fungieren. Gauck bringe Menschen dazu, sich einzumischen, sagte Matschie am Sonntagabend. «Er hat das Zeug zum Bürgerpräsidenten», da er in der Bevölkerung hohe Sympathiewerte genieße.
Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, und seine Thüringer Amtskollegin Christine Lieberknecht (beide CDU) loben die Einigung von Koalition, SPD und Grünen bei der Präsidentensuche. Dass mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Joachim Gauck künftig zwei Ostdeutsche an der Spitze von Regierung und Staat stehen, sei ein Indiz für das innerdeutsche Zusammenwachsen, sagte Haseloff der «Mitteldeutschen Zeitung».«Das zeigt, dass die Ostdeutschen uneingeschränkt angekommen sind.» Gleichwohl werde er «Präsident aller Deutschen sein.»
Lieberknecht sagte der Zeitung: «Eindrucksvoller als mit der Nominierung Joachim Gaucks kann man das Erreichen der inneren Einheit nicht zeigen. Er wird ein Präsident der Herzen sein.»
Die Thüringer Linke hingegen hält Gauck für nicht wählbar. Das habe nichts mit seiner früheren Position als Leiter der Stasiunterlagen-Behörde zu tun, sondern mit seinen inhaltlichen Positionen etwa zu Integration, Finanzkrise und Afghanistan-Einsatz, betonte Linke-Landeschef Knut Korschewsky. «Er grenzt aus und führt nicht zusammen.» Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow sprach sich für einen eigenen Vorschlag seiner Partei für die anstehende Wahl aus. «Ich würde eine Kandidatin befürworten», sagte Ramelow. Sie müsse in der Bundesversammlung das gesamte Spektrum der Bevölkerung repräsentieren können. Namen wollte er jedoch nicht nennen.
Gauck war am Abend als gemeinsamer Kandidat von Koalition und Opposition für die Nachfolge von Christian Wulff vorgestellt worden.
Joachim Gauck entspricht dem Anforderungsprofil an den neuen Bundespräsidenten mehr als jeder andere der gehandelten Kandidaten. Er gilt als integer und redlich, ist bei den Bürgern beliebt, steht über den Parteien, hat aber stets den Respekt einer breiten politischen Mehrheit erhalten.
Berlin. Nun schickt sich der Theologe und frühere Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde an, als erster Ostdeutscher das höchste Staatsamt der Bundesrepublik zu erklimmen. Vor zwei Jahren hatten ihm Union und FDP noch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt tragen sie ihn mit.
In den Blitzumfragen nach dem Wulff-Rücktritt hatte Gauck im Bürgervotum die Nase vorn. Auch in der Online-Umfrage von insüdthüringen.de hatten ihn 58 Prozent der Abstimmungsteilnehmer als neuen Präsidenten erwogen.
Am Freitagabend bei einem Auftritt in Koblenz hatte sich Gauck noch bedeckt gehalten und wollte weder den Rücktritt Wulffs noch eigene Ambitionen kommentieren. "Mein Terminkalender ist gut gefüllt und ich bin ein beschäftigter, glücklicher Mann", sagte der 72-Jährige. Schon vor anderthalb Jahren hatte seine Nominierung bei den Bürgern und im Internet Begeisterungsstürme ausgelöst. Dem Freiheitsprediger Joachim Gauck flogen die Herzen der Bundesbürger zu und auch im Regierungslager wurden Sympathien für ihn deutlich.
Der im Kriegsjahr 1940 als Kapitänssohn in Rostock geborene Gauck wollte in der DDR eigentlich Journalist werden, erhielt aber keinen Studienplatz für Germanistik. Kein Wunder, hatte er sich doch der Pionierorganisation ebenso verweigert wie der Jugendorganisation "Freie Deutsche Jugend". Also studierte er nach dem Abitur evangelische Theologie und wurde Pfarrer.
Im Wendejahr 1989 engagierte sich Gauck im Neuen Forum. Dort kümmerte er sich um die Aufdeckung des Überwachungsapparates der DDR. Dieses Aufgabenfeld sollte Gauck in den folgenden elf Jahren nicht mehr loslassen. Das Amt des "Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR" übte er überaus streitbar aus.
Bei seinem Abschied als Chef der Stasiunterlagenbehörde sagte Gauck im Jahr 2000, Bundespräsident wolle er nicht werden. Ein Mecklenburger wisse um seine eigenen Grenzen. 2010 versuchte Gauck es noch erfolglos. Bei der unverhofft schnellen zweiten Chance klappt es nun. dapd/dpa/cob
Diesen Artikel
|
|||||
»Alle 7 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare
Wenn alle sich wiederholen kann ich das auchvon lebenslust![]()
(52) am 20.02.2012 19:17Das es nicht möglich ist, parteiübergreifend einen Kandidaten zu finden, mit dem alle Parteien leben können, der keine Leichen im Keller hat und damit unangreifbar ist, zeigen alleine schon die Kommentare hier. Auch beim kleinsten Übel wird zumindest einer Partei schlecht. Wir sollten froh sein, dass die Braunen noch nicht im Bundestag sitzen - die würden uns eine entsprechende Reinkanation als Kandidat präsentieren. Aber keine Angst um Herrn Gauck. Die Linken haben bei Springer, Bild und Co nicht die Lobby wie Rot-Grün. Da besteht zunächst nicht die Gefahr einer medialen Demontage. |
(0)
|
![]() |
Harmlosvon telewalther
(63) am 21.02.2012 16:15was hier los ist, ist doch harmlos im Verhältnis, was in der Real-Politik passiert. Das Schmierentheater geht weiter: Z.B. Dieser CSU-Familienpolitiker Norbert Geis, der Gauck vorschreiben will, gefälligst seine Lebengefährtin zu heiraten, scheint ja stark einen an der Waffel zu haben. Armer Kerl. Gauck ist noch nicht gewählt.... |
(1)
|
Scheinheiligvon telewalther
(63) am 20.02.2012 16:22Gauck: Den Finanzkapitalismus findet er gut, Sarrazin mutig und den Afghanistan-Einsatz richtig, so was nennt man, vom Regen in die Jauche kommen. |
(1)
|
Ob das so gut ist?von telewalther
(63) am 20.02.2012 14:36nach eigener Aussage von Gauck bekommen wir also einen verwirrten und ungewaschenen Bundespräsidenten. Helau!
|
(0)
|
gauck als präsidentvon brockenhexe am 20.02.2012 14:33hurra wir haben Fastnacht sonst könnte man es nicht aushalten was da gemacht wird.Der Bock zum Gärtner ich möchte lachen aber es ist zu ernst. |
(3)
|
»Übersicht Thüringen
Ein Toter bei Lkw-Unfall, hoher Schaden durch Biertlaster
Saalburg-Ebersdorf/Gotha - Ein Toter und mehrere Verletzte sowie hoher Schaden sind die Bilanz einer Reihe von Lkw-Unfällen in Thüringen. »mehr
Feuerwehr muss Imker bei Bienenfang helfen
Eisenberg - Die Feuerwehr hat einem Imker in Eisenberg beim Einfangen eines herrenlosen Bienenschwarms geholfen. Erst mi... »mehr
(1)
Nach Bericht zu Terror-Trio: Zielfahnder des LKA v...
Erfurt - Der für die Suche nach den seinerzeit untergetauchten mutmaßlichen Mitgliedern der rechtsextremistischen Terror... »mehr
Biertransporter platzt der Reifen, Fahrer wird sch...
Gotha - Bei einem Unfall mit einem Biertransporter auf der Autobahn 4 bei Gotha ist am späten Dienstagabend der 29 Jahre... »mehr
Das könnte Sie auch interessieren
Party
Nachrichten
Sport
Gelesen
Kommentiert
Bewertet
Magazine
Umfrage





Helau!







































