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Ein lukratives Schaufenster in die Zukunft der Mobilität

Erfurt - Im Moment sieht es so aus, als habe Thüringen einen Trend verschlafen. Die Elektromobilität. Deutschland war schon nachgesagt worden, den Anschluss verpasst zu haben. Japanische Autohersteller konnten steigende Stückzahlen beim Verkauf von Autos mit Hybrid-Antrieben vermelden, da hatten deutsche Hersteller solche Modelle nicht einmal im Programm. Dann wachte Deutschland auf. Und pumpte Geld in den Markt. In Forschung, Entwicklung und die Markteinführung der neuen Technologien für die Fortbewegung der Zukunft.

Thüringen ist noch etwas später aufgewacht. Das wurde auch vergangene Woche auf einer Tagung zum Thema Elektromobilität in Erfurt deutlich. Während andere Bundesländer längst Modellregionen etabliert haben, in denen mit Strom angetriebene Autos ihre Runden drehen, gibt es in Thüringen bislang kaum mehr als die acht Testfahrzeuge der Eon.

Das soll sich nun ändern, bekräftigte Jakob von Weizsäcker, Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium, auf der Tagung in Erfurt. Thüringen will das "Schaufenster Elektromobilität" aufstoßen. Auf diesen Namen hört ein vom Bundesverkehrsministerium aufgelegtes Förderprogramm. Ein dreistelliger Millionenbetrag könnte damit nach Thüringen fließen, so Weizsäcker. Für Forschung und Entwicklung und als Hilfe für die Markteinführung von Elektroautos.

Problem: Alleine werden Thüringen kaum Chancen im Wettbewerb der Länder eingeräumt. Nur gemeinsam mit Sachsen-Anhalt und Sachsen sei eine Bewerbung erfolgversprechend, ist aus Erfurt zu hören. Doch die Sachsen scheinen sich noch zu zieren.

Dabei wäre das Schaufenster-Projekt dringend nötig, meint Frank Schnellhardt, Geschäftsführer der Ilmenauer Innovationsberatung Innoman. Er ist mit einer Gruppe von Forschungseinrichtungen und Unternehmen mit einem Projekt in der Bewerbung vertreten. "Das Vorhaben würde helfen, die Denke der Menschen zu ändern", meint Schnellhardt. Vor allem die Chefs der Thüringer Automobilzulieferer hat er da im Auge. Diese würden sich zu sehr darauf verlassen, auch in Zukunft Komponenten für Autos mit Verbrennungsmotoren liefern zu können. "Es kann jedoch passieren, dass dieses Geschäft in Zukunft nicht mehr existiert", warnt Schnellhardt.

Seine Projektgruppe hat für den Förderantrag Konzepte für intelligente Straßen und geregelte Ladeverfahren eingebracht. Ersteres soll helfen, den Verkehr zu lenken, damit E-Autos ihre beschränkte Reichweite optimal ausnutzen und ihre Energie nicht beim Stehen im Stau verbrauchen. Das zweite Vorhaben sucht nach Lösungen, die die Stromnetze entlasten können. Die Vision ist eine Ladestation, die mit dem Stromlieferanten kommuniziert. So könnte die benötigte Strommenge zum Aufladen des Autos genau dann durchs Netz transportiert werden, wenn dies am wenigsten belastet ist. jol

    
    

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