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Bloß nicht in Details verlieren

Der große Tage ist im November, dann wird der Sonneberger Maler Otto Hofmann 80 Jahre. Eine Schau in seiner Heimatstadt gibt aktuell Einblick in sein sechs Jahrzehnte währendes Schaffen.

Von Stefan Löffler
  • Otto Hofmann an der Staffelei in seinem Atelier: Das Werk mit dem Titel "Begegnung" entstand nach der Wende. Foto: camera900.de
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Das große Ganze ist es, was er ausdrücken will, die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen in Farben fassen. Ob die Schönheit der Natur, die Würde des Menschen oder dessen Urängste - sie sprechen um so intensiver aus den Bildern des Sonneberger Malers, je expressiver er sie gestaltete. Meist wählt er das große Format für sein Gemälde, die oft nur so strotzen von Kontrasten. Kräftige Farben, meist Rot, Gelb und Blau. Mal ballen sie sich zusammen, mal scheinen sie sich in immer neuen Gebilden aufzulösen. Ausdrucksstreben, Formwille und diese leuchtend-frische Farbigkeit sind es, die Otto Hofmanns Bilder charakterisieren.

Dabei ist er stets ein Sucher geblieben. Und wenn er nun auch der Vollendung seines achten Lebensjahrzehnts entgegenblickt - ein Sucher wird er wohl immer bleiben. In Öl-, Acryl- und Aquarellmalerei verewigt er die Ergebnisse seiner Suche für die Betrachter. Denn er möchte, dass möglichst viele teilhaben an dieser Suche - an seinem immer neuen Erstaunen, aber auch Erschrecken über uns und unsere Welt.

Ein ewig Suchender

"Ich wusste schon früh, dass ich einen künstlerischen Weg gehen will", erinnert sich Hofmann. Als er erstmals die heimische Fachschule für Spielzeug und Keramik besuchte, war er 14 Jahre. Mit den soliden Grundlagen künstlerischen Gestaltens, die ihm dort vermittelt wurden, schuf er ein festes Fundament für seine weitere Arbeit, auch wenn ihn die 50er und 60er Jahren hauptsächlich mit Werbung und Ausstellungsgestaltung beschäftigt sahen.

"An Freiberuflertum war da noch nicht zu denken. Schließlich prägte noch immer die Not der Nachkriegszeit unser Alltagsleben", so der Maler. Doch Hofmann gab nicht auf, besuchte eine "Spezialschule für Malerei und Grafik". Mit der Aufnahme 1970 in den Verband Bildender Künstler der DDR war eine wichtige Hürde auf dem Weg zum Freischaffenden genommen. Schon im Jahr zuvor hatte Hofmann seine erste Personalausstellung gehabt. In den Folgejahren stellte er im In- und Ausland aus, unter anderem auch in Suhl. Ab 1970 bereitet er Jugendliche mit einem dreijährigen Grundlagenstudium in Malerei und Grafik auf die Aufnahmeprüfung an Kunsthochschulen vor. Gewirkt hat er fortan auch über Sonneberg hinaus, obwohl er seiner Heimatstadt stets treu geblieben ist. Er erhielt nun auch Aufträge für großflächige Werke im öffentlichen Raum, etwa sein Wandgemälde im Sonneberger Jugendclub "Karl Marx" ("KM"). Ein anderes hing in der Kinder- und Jugendsportschule in Oberhof. In dem Wintersportort sind noch heute zwei Wandbilder im Haus der Naturfreunde zu sehen.

Hofmann arbeitet vorzugsweise in der Stille seines Ateliers. Dort werden aus all den Skizzen, die er sich auch auf seinen Auslandsreisen in Polen, Ungarn und Tschechien, aber auch in Mittelasien gemacht hatte, jene frühen Bilder, die zusammen mit zahlreichen weiteren zurzeit in einer Ausstellung im Verwaltungssitz der Wasserwerke Sonneberg zu sehen sind. Die Werkschau vereint Bilder aus vier Jahrzehnten. Immer expressionistischer, immer farbreicher, immer konzentrierter sind Hofmanns Werke im Laufe der Zeit geworden. Nachdenken soll der Betrachter, nicht nur Schauen.

Deshalb ist seine Kunst bei gesellschaftlichen und Umweltprobleme immer auf der Höhe der Zeit geblieben. Sie ist keine Reminiszenz an Vergangenes, ist immer aktuell. Etwa sein Bild "Vertreibung", bei dem es keineswegs um eine Verarbeitung der biblischen Geschichte geht. "Diese Vertreibung, die ich da gemalt habe, wird uns nicht erspart bleiben, wenn wir weiter mit unserer Umwelt, unserem Planeten, so Schindluder treiben", erklärt der Künstler.

Wandgemälde gerettet

Noch im Wendejahr 1990 tritt Otto Hofmann dem Verband Bildender Künstler bei. Reisen nach Österreich, Frankreich und Italien bringen ihm neue Inspirationen. Nach der Wende war der Sonneberger einer der ersten Künstler aus Thüringen, die im nahen Franken ausstellten. 2008 würdigte das "comptoir kunstmagazin" - die damals noch existente städtische Galerie Sonnebergs - sein Werk in einer großen Personalausstellung. Vor sieben Jahren gab Hofmann dann sein großes Atelier im Stadtzentrum Sonnebergs auf und zog an die Peripherie der Stadt. Sein neues, viel kleiner, befindet sich in seiner Wohnung.

Auf der Staffelei steht ein Entwurf für das Wandbild "Lebensfreude", jenes Bild, welches er in den 70er Jahren fürs Café des Sonneberger "KM"-Klub geschaffen hat. Club und Café sind längst abgerissen. Das Wandbild aber wurde - wenn auch ramponiert - gerettet. Hofmann soll es restaurieren. Ebenfalls gerettet wurde auch Hofmanns Wandmalereien im heutigen Sportgymnasium Oberhof. Sie befindet sich zurzeit zur Restaurierung in Gotha. Seit jene Bilder entstanden sind fast vier Jahrzehnte vergangen. Es gibt kaum einen Künstler im Sonneberger Land, der auf eine so lange aktive Schaffensperiode zurückblicken kann wie er. "Eigentlich bin ich in meinem künstlerischen Schaffen immer lebensbejahender geworden. Das drückt sich auch in den Farben aus. Ich widme mich immer stärker der Malerei. Die Grafikarbeiten sind hingegen weniger geworden", so der Künstler.

Führten ihn die vielen Reisen einst bis ins ferne Kasachstan, so sind sie in den letzten Jahren weniger geworden. "Das macht aber nichts. Wenn ich das ganze Skizzen-Material, das ich noch habe, zu Bildern verarbeiten würde, hätte ich noch eine Ewigkeit zu tun", so der Künstler. Er will sich jetzt ganz und gar auf die wichtigen Themen des Lebens und dieser Welt konzentrieren, sich nicht mehr in Details verlieren. Das drückt sich in der manchmal schon an Minimalismus erinnernden Gestaltungsweise aus, mit der Otto Hofmann ein Ziel verfolgt: "Was für mich zählt, ist Spuren zu hinterlassen."

 

"Otto Hofmann - Expressive Kunst" bis 30. April in den Wasserwerken Sonneberg, Piko-Platz. Geöffnet Mo-Mi von 9 bis 15.30 Uhr, Do 10 bis 18 Uhr, Fr 9 bis 11.30 Uhr. Geschlossen je 11.30 bis 12.30 Uhr. 0 36 75 / 89 00 00.

    
    

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