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Klein, aber nicht nur fein

Das Projekt ist ehrgeizig, doch sein Erfolg bleibt bescheiden: Bei der fünften "forum K" stellten gestern im Congress-Centrum Suhl nur 52 Kulturschaffende ihr Können vor.

Von Susann Winkel
  • Hoch hinaus wollten die Suhler Stelzenläufer Daniel Funke und Robin Ritter bei der fünften "forum K". Auf dem Boden der Tatsachen blieben dagegen die Musiker von "Acoustic Revolution". Foto: ari
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Für ein wenig Budenzauber und dazu ein paar Moneten macht Marco Assmann alles. Oder zumindest fast alles: Er läuft über Glasscherben, liest Gedanken, lässt Hütchen kreisen, schluckt Feuer, wahlweise auch Schwerter, oder spannt Katzenflöhe vor Miniatur-Streitwagen. Ein Tausendsassa eben, geboren für große Shows auf kleiner Bühne.

Der Mann mit dem Zylinder am neugierig beäugten Stand Nummer 39 präsentiert im Kleinen, was die kleine Messe im Süden Thüringens im Ganzen ausmacht: Ein Potpourri aus Talenten verschiedenster Couleur, verpackt in Aufsehen erheischender Kleidung und zur Schau gestellt mit professionellem Frohsinn. Immer wieder muss er an diesem Messetag von vorne erklären, wie sein nostalgisches Gewerbe funktioniert. Wie er den trainierten Katzenflöhen die hauchdünne Drahtschlinge um den Hals legt, die dann so eingespannt winzige Karusselle in Bewegung versetzen, übers Hochseil spazieren oder Kügelchen in ein Tor befördern.

Kulturtreffpunkt

Zum Messe-Auftritt in Suhl ist Flohzirkus-Direktor Assmann eher zufällig gekommen. Auf der Kulturbörse in Freiburg - dem renommierten Szenetreff des Kulturbetriebs - habe er den Stand der "forum K" entdeckt und wollte einfach mal den Versuch wagen. Zumal Auftritte in der verkehrsstrategisch günstig gelegenen Mitte Deutschlands immer noch rar sind für den 36-Jährigen aus dem Harz.

Zentrale Lage - das ist auch das heikle Stichwort für Matthias Rolfs, der im Congress Centrum für die Bereiche Veranstaltung, Marketing und Tourismus verantwortlich ist. Zwar wolle man "Kulturtreffpunkt sein", doch würde Suhl noch immer von zu Wenigen als Mitte Deutschlands wahrgenommen. Das vermag aber nun nicht zu erklären, warum die Ausstellerzahl in der fünften Auflage im Vergleich zu den Vorjahren so rapide gesunken ist.

Waren es beim Auftakt 2007 und im Folgejahr noch jeweils rund 60 Puppenspieler, Zauberer, Chansonniers oder Kabarettisten, die ihr Können feilboten, kletterte die Teilnehmerzahl durch Mund-zu-Mund-Propaganda in den vergangenen beiden Jahren auf knapp 90 beziehungsweise 80 Kreative - um in der aktuellen Auflage auf gerade einmal 52 Teilnehmer einzubrechen. Ein Erdrutsch, den Rolfs vor allem auf den unglücklichen Termin der Messe unmittelbar vor dem Osterfest zurückführt. Man merke auch, dass es der Szene "momentan recht gut gehe". Ob das tatsächlich ein Grund ist, sich in der Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache rarer zu machen, mag dahingestellt sein.

Familiäre Atmosphäre

Friedemann Heinrich vom Dresdner Kabarett "Die Kaktusblüte" etwa setzt gerade auf Kontinuität. Beim "forum K" ist er zum dritten Mal dabei. "Man darf das nie unterbrechen", erklärt der kleine Mann im feinen Zwirn. Im ersten Jahre komme es darauf an, Präsenz zu zeigen. Eine Vorarbeit, die in den Folgejahren Früchte trägt. An Suhl schätzt er die persönliche, ja familiäre Atmosphäre. Außerdem punktet die Messe bei dem Kabarettisten durch ein ausgewogenes Verhältnis von Bühnenprogramm und den Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme am Stand. Für letztgenannte sei bei den großen Messen wie in Freiburg mit 300 Teilnehmern deutlich weniger Zeit.

Eben klein aber fein. Doch der beinahe intime Charakter birgt auch Gefahren. Deutlich weniger Teilnehmer, dazu ein rückläufiges, äußerst überschaubares Publikumsinteresse mit 350 Besuchern - da fällt die Bilanz auf der Einnahmenseite recht mau aus. Nach wie vor tragen die hiesige IHK, rund 30 Sponsoren und das CCS die finanzielle Hauptlast der Messe. Ein Zuschussgeschäft. "Wir müssen schauen, ob es sich lohnt, das weiter zu machen", gab denn auch Rolfs zu bedenken.

Plaudern, Schauen, Visitenkarten tauschen - das übliche Messegeschäft ging freilich auch in kleiner Runde seinen gewohnten Gang. Zwischen Showbands und dem quasselnden Elefant Jochen begutachten Kulturmacher wie die Kulturamtsleiterin Margitta Stange und Theatermanager Jürgen Ludwig potenzielle Kandidaten für Auftritte in Hildburghausen. Auch der Vater der Meininger Kleinkunsttage, Günther Weber, ließ es sich nicht nehmen, trotz Ruhestand einmal vorbeizuschauen.

Schwerpunkt Kleinkunst

Überhaupt fällt auf, dass die Kunst für die kleine Bühne der Schwerpunkt der "forum K" ist. Ein Merkmal, das sich wohl auch gezielter herausstellen ließe. Das Profil schärfen und eine Spezialisierung wagen oder nach wie vor ein bisschen was von allem im Angebot haben - auch diese Frage dürfte sich den Messe-Machern künftig stellen.

Dass noch ein dritter Weg denkbar wäre, zeigen die Dresdner Show-Zwillinge Claudia und Carmen. Für sie ist die Messe im CCS ein Heimspiel. Sie kennen das Haus von Auftritten bei verschiedenen Herbert-Roth-Galas, ihre fröhliche Mischung aus Schlager, Akrobatik-Nummern, Saxophon-Einlagen und glitzernden Show-Kleidern kam gut an bei der kleinen Aufführung im Atrium. Warum sich mit der Messe also nicht auf jene Darbietungen konzentrieren, die in Suhl verankert sind und ihr Publikum haben?

Dass es sich lohnt, klare Akzente zu setzen, beweist derweil das gut konzipierte Rahmenprogramm der "forum K" mit Workshops zu Rechtsfragen für die Veranstaltungsbranche und einem Treffen von 50 Kulturamtsleiter aus Mitteldeutschland. Angebote, speziell zugeschnitten für das Fachpublikum - ein deutliches Alleinstellungmerkmal. Hier darf es dann zurecht heißen: "Klein, aber oho". Denn wer seine Kultur-Nische findet und selbstbewusst ausfüllt, muss nicht wie Freiburg über schiere Größe punkten.

    
    

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