zuletzt bearbeitet: 27.04.2011 15:46 Uhr
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Musik von einem, der auf Flügeln lebte
Rarität | In der Kirche von Kirchleus tauchten 232 Jahre alte Noten von Jean Pauls Vater
Johann Christian Christoph Richter auf. Nach einigen Problemen gibt es nun eine CD.
Joditz – „Nur einen einzigen Fehlentschluss meines Vaters könnte man vielleicht auf die Rechnung der Dürftigkeit setzen, dass er nämlich anstatt sein ganzes musikalisches Herz der Tonmuse zu geloben, wie ein Mönch (sich) dem Predigtamte hingab und dass (er) sein Ton-Genie in einer Dorfkirche begraben ließ.“ Es ist Jean Paul, dem wir diese Beurteilung des musikalischen Wirkens seines Vaters Johann Christian Christoph Richter (1727 bis 1779) verdanken, von dem er außerdem sagte, er „lebte auf Flügeln“. Zeugnisse für den Komponisten Richter gibt es so wenige, dass die neueste Errungenschaft, die Karin und Eberhard Schmidt aus dem Jean-Paul-Museum in Joditz melden, fast eine Rarität ist: In Kirchleus, Landkreis Kulmbach, wurde im November eine CD aufgenommen, auf der ein Werk des Schwarzenbacher Pfarrers Richter von 1776 zu hören ist.
Die Vorgeschichte ist, wie so oft, kurios: Als 1997 der Turm der Maria-Magdalena-Kirche in Kirchleus renoviert wurde, fanden die Arbeiter, eingeschlossen in die Turmkugel, Noten eines gewissen „Dr. Richter von 1776“. Wer dieser Richter war, brachten erst Nachforschungen in den „Gesammelten Nachrichten und Urkunden zu der Kirchengeschichte unserer Zeit“ in Weimar zutage. In der Festschrift zur „Einweihung der neuen Kirche zu Kirchleus im Fürstenthum Bayreut, am Tage der Heimsuchung Maria 1776“ heißt es über die Feier: „... gieng eine Musik unter Trompeten- und Paukenschall an, dazu der Herr Pfarrer Kapp daselbst den Text, die Composition aber der Herr Pfarrer Richter zu Schwarzenbach an der Saale nicht für Bezahlung, sondern aus Gefälligkeit verfertigt hatte.“
So wie Pfarrer Richter, der mit seiner Familie im selben Jahr erst von Joditz nach Schwarzenbach gezogen war, die Musik „verfertigt“ hatte, ist sie jedoch heute nicht mehr spielbar; sie in moderne Notation zu übertragen, war schwierig – zumal für Laien. Es dauerte einige Jahre, in denen die Noten zunächst im Landesarchiv der evangelischen Kirche verschwanden; 2000 fragte man bei der Bayreuther Hochschule an, ob sie dort bearbeitet werden könnten, doch das stieß auf wenig Interesse.
Erst als die Kronacher Kantorin Katharina Pfretzschner, die von dem Fund gehört hatte, sich anbot, die Kantate zu übertragen, stand – 232 Jahre nach der ersten – einer zweiten Aufführung des braven, soliden Werkes nichts mehr entgegen.
Eberhard Schmidt hat die Noten mittlerweile an den Hofer Stadt- und Dekanatskantor Georg Stanek weitergereicht, mit der Bitte, zu prüfen, ob die Kantate auch in Hof aufgeführt werden könnte. Von dem Konzert in Kirchleus samt Ansprachen, bei dem auch Musik von 1772 erklang gibt es einen Live-Mitschnitt auf CD, erhältlich beim Pfarramt Kirchleus (0 92 21) 8 12 66. Kerstin Starke
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