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Aus dem Fundus der Erinnerung

  • fpku_muehe_2sp_250708 Ulrich Mühe als „Bester Darsteller“ beim Deutschen Filmpreis 2006. Foto: dpa
     
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„Heiligen Boden“ nannte er den schwankenden Grund, über dem die Welt des Theaters sich erhebt. Seinen größten Erfolg errang Ulrich Mühe allerdings im Filmstudio: „Das Leben der Anderen“, Kinodebüt des Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck aus dem Jahr 2006, verschaffte ihm nicht nur einen Triumph beim internationalen Publikum, sondern markiert auch künstlerisch eine Gipfelleistung des Schauspielers, der von seinem eher still-nachdenklichen Naturell her nicht eigentlich zum Star berufen schien. Über den Auslands-Oscar, der dem Stasidrama zuteil wurde, konnte er sich, wie er bekannte, kaum mehr freuen. Ärzte hatten Krebs diagnostiziert und erkannten die Krankheit als unheilbar. Am vergangenen Dienstag jährte sich Mühes Tod zum ersten Mal; am Samstag porträtiert ihn das Kulturfernsehen 3sat mit einer Dokumentation und in einer Theateraufführung.

Einen „zähen, aber zarten Menschen“ nannte der Kollege Thomas Thieme den Star, der keiner sein wollte. Im Ruf stand er, durch kleinen, dabei subtilen Aufwand an Mitteln eine unerhörte Nuancierungskunst zu entfalten. So gelang es ihm auch, in „Das Leben der Anderen“ agitatorische Plattitüden im Umgang mit dem Thema DDR ebenso zu vermeiden wie alle Anklänge an „Ostalgie“. Freilich gehörte Ostdeutschland bis zum Schluss zu Mühes Biografie. Auf die Frage, wie er sich vor dem Dreh auf das zeitgeschichtliche und atmosphärische Umfeld der Spitzelrolle präpariert habe, entgegnete er kurz: „Ich habe mich erinnert.“

Nun erinnert sich Christoph Rüter. „Jetzt bin ich allein“ überschrieb er, mit einem resignierenden Zitat, seinen Film über Mühe. Von dessen Darstellung der Titelrolle in Heiner Müllers „Hamletmaschine“ 1989/90 am Deutschen Theater in Ost-Berlin geht die Dokumentation aus, die Filmausschnitte und Wortmeldungen von Weggefährten zu einem Lebens- und Charakterbild verschmilzt.

Als Astrophysiker Henri ist der Künstler anschließend in Yasmina Rezas raffiniertem Theatercoup „Drei Mal Leben“ zu sehen – unter Luc Bondys Regie 2001 eine seiner letzten großen Bühnenrollen. Dabei spielt er in drei Variationen voller kennzeichnender Gemeinsamkeiten und Unterschiede einen Wissenschaftler in der Lebenskrise, der erfahren muss, dass seine aktuellen Forschungen bereits ein anderer glanzvoll zum Abschluss brachte. Vom Loser zum kaltschnäuzigen Durchkämpfer zum aufgebenden Lethargiker wandelt er die Figur ab – ein Chamäleon auf „heiligem Boden“. Mühe, lobte der Dramatiker Müller, zeige nicht einfach mit dem Finger zum Himmel und sage: Das da ist der Mond; Mühe spiele, wie weit es ist bis dorthin. Michael Thumser

3sat am Samstag: „Jetzt bin ich allein“ um 20.15 Uhr; „Drei Mal Leben“ von Yasmina Reza um 21.15 Uhr.

    
    

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