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Thüringen

Themar ist mit den Neonazis nicht alleine

Das sonst so verschlafene Werrastädtchen mit seinen kaum 3000 Einwohnern wird am Samstag im Ausnahmezustand sein. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.



Widerstand
Ein Mann hängt ein Protest-Plakat an die Stadtmauer in Themar. In der thüringischen Kleinstadt formiert sich Widerstand gegen ein geplantes Rechtsrock-Konzert, zu dem mehrere Tausend Rechtsradikale erwartet werden.   Foto: Martin Schutt

Themar - Zum größten Neonazi-Musikfestival des Landes, organisiert von der regionalen rechtsextremen Szene unter ihrem Anführer Tommy Frenck, werden wohl tausende Rechte kommen. Zugleich wollen aber auch viele Südthüringer Flagge zeigen gegen die Braunen.

 

? Warum sind Verbote des Konzerts gescheitert?

Anders als bei den großen Neonazi-Konzerten 2015 und 2016 in Hildburghausen ist das auch für Themar zuständige Landratsamt gegen die Nazis vor Gericht gezogen. Die Argumentation der Kommunalpolitiker: Das Festival (Ticketpreis 35 Euro) sei keine politische Versammlung (die als Grundrecht geschützt ist), sondern eine kommerzielle Veranstaltung (gegen die Behörden einfacher einschreiten könnten). Das Verwaltungsgericht Meiningen sah das anders. Auch die nächste Instanz in Weimar lehnte die Kommerz-Einstufung ab - und rüffelte das Landratsamt dafür, dass es eine juristisch untaugliche Begründung für seine Beschwerde lieferte. Auch eine Privatklage eines Themarer Landwirtschaftsbetriebs gegen die Nutzung der Konzertwiese blieb erfolglos - sie wurde beim falschen Gericht eingereicht.

 

? Dürfen die Neonazis also schalten und walten, wie sie wollen?

Fast. Die Polizei ist verpflichtet, den Neonazis den Zugang zum abgezäunten Konzertgelände unmittelbar vor dem südlichen Ortseingang Themars zu ermöglichen. Auf dem Gelände haben die Veranstalter Hausrecht. So sind laut Frenck keine Kameras erlaubt, auch Foto-Handys müssen draußen bleiben. So wird nur die - zutrittsberechtigte - Polizei prüfen können, ob verbotene Texte gesungen oder verfassungswidrige Symbole gezeigt werden.

 

? Und was machen die Gegendemonstranten

Zahlreiche Bürger haben ein umfangreiches Protest- und Kulturprogramm organisiert. In den Gassen und auf den drei Marktplätzen der Stadt gibt von 8.30 Uhr bis in den Abend Musik, Aktionen und natürlich Kundgebungen. In der Altstadt ist man getrennt von den Neonazis, die vor den Toren im Süden feiern. Anreise am besten per Bahn (stündliche Verbindungen von Bad Salzungen, Meiningen, Grimmenthal, Hildburghausen, Eisfeld). Autofahrer aus Hildburghausen oder Schleusingen müssen vor dem Viadukt parken und treffen dort auf die Neonazis, die vom Parkplatz neben dem Museum Kloster Veßra zum Konzertgelände nahe der Avia-Tankstelle laufen. Wer aus Richtung Meiningen oder Bischofrod anreist, muss den Wagen vor der Stadt abstellen, erspart sich aber die direkte Begegnung mit Braunen. er

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Veröffentlicht am:
15. 07. 2017
05:42 Uhr

Aktualisiert am:
15. 07. 2017
05:42 Uhr

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Veröffentlicht am:
15. 07. 2017
05:42 Uhr

Aktualisiert am:
15. 07. 2017
05:42 Uhr



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