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Suhl

Wo Innovationen ihre Formensprache bekommen

Das Büro von Stefan Büttner atmet Moderne. Und Geschichte. Hier hat der Industrie-Designer Grundsteine gelegt, die nunmehr preisgekrönt sind. Jüngst gab es den Innovationspreis für das Passameter aus dem Hause Feinmess.



Stefan Büttner ist Industrie-Designer und hat mit dem Passameter aus dem Hause Feinmess sowie mit der Schermaschine aus der Aesculap Suhl GmbH bereits namhafte Preise gewonnen. Seinen Anteil hat er zumeist an seinem Schreibtisch erbracht, der einst die Werkbank des Großvaters war. Foto: frankphoto.de
Stefan Büttner ist Industrie-Designer und hat mit dem Passameter aus dem Hause Feinmess sowie mit der Schermaschine aus der Aesculap Suhl GmbH bereits namhafte Preise gewonnen. Seinen Anteil hat er zumeist an seinem Schreibtisch erbracht, der einst die Werkbank des Großvaters war. Foto: frankphoto.de  

Suhl - Das Büro des Stefan Büttner atmet Schlichtheit und nüchterne Funktionalität. Zugleich lebt es Geschichte. Da ist der klotzig und schrundig wirkende Schreibtisch des Industrie-Designers, der mal eine Werkbank war. Die Werkbank, an der sein Großvater Rolf-Ernst Büttner einst gearbeitet hatte. Er betrieb eine Werkstatt, in der Spezialfräser hergestellt wurden. Die wollte Stefan Büttner eigentlich umbauen, um dort sein Büro einzurichten. Aber dann zog es ihn doch ins Schelrod ...

Zum Werkbank-Schreibtisch gesellen sich das schon historisch zu nennende Reißbrett und der einladende Drehstuhl aus Großvaters Zeiten. All das erinnert an Tradition. Und ein bisschen auch an die Anfänge seiner Karriere, die den gelernten Werkzeugmacher - sein Gesellenstück war übrigens ein Werkzeug, mit dem sich die orangenfarbenen Gehäuseschalen für das legendäre RG 28 spritzen ließen - zur Fachschule für Formgestaltung in Sonneberg geführt hat. Später studierte er an der Hochschule für Kunst und Design Halle Burg Giebichenstein und eröffnete schließlich sein eigenes Designbüro Am Schelrod in Suhl. Hier bringt der 52-Jährige zusammen, was sein Metier ist - Kunst und Handwerk. Seine Partner sind Firmen, die Produkte entwickeln, die eine eigene Formensprache bekommen. Die Feinmess GmbH ist ein solcher Partner. Als das neue Digitalpassameter, das als weltweit einzigartiges Vergleichsmessinstrument mit integriertem Messsystem gilt, den Thüringer Innovationspreis gewonnen hatte, hat Feinmess-Geschäftsführer Nils Blondin gejubelt. Und mit ihm Stefan Büttner. Innovation und Gebrauchswert haben die Jury überzeugt. Ebenso das Produktdesign.

Die Ergonomie spielt eine große Rolle und auch die Farbgestaltung - Weiß steht für Präzision, das Griffelement ist komplett schwarz abgesetzt. Klar und stimmig, quasi selbsterklärend, liegt das neue und preisgekrönte Passameter vor, das Stefan Büttner ein bisschen auch als sein Baby betrachtet. "Wenn es wirklich gut werden soll, dann muss der Gestalter von Anfang an mit am Tisch der Entwickler sitzen", sagt Büttner. Dass etwas entwickelt wird, das dann ein Designer hübsch macht, funktioniert nicht. Beides muss parallel passieren, weil jedes Detail, beispielsweise die Frage, wo der Schalter sitzt, Einfluss auch auf das Innenleben hat. "Wenn alles zusammenpasst und Erfolg mit einem Preis bescheinigt wird, dann gibt das auch eine gute Motivation für weitere innovative Produkte", sagt der Suhler.

Einen zweiten Preis hat er mit der Aesculap Suhl GmbH gewonnen - den German Design Award 2016 für eine Schermaschine für Großtiere. "Wenn man sich bei solch einer Preisverleihung in einer Reihe mit anderen großen renommierten Firmen sieht, das ist schon was Tolles."

Einzelkämpfer mit Netz

Stefan Büttner ist auf technische Nischenprodukte fokussiert. Kurzlebige Gebrauchsgegenstände aus dem Life-Style-Segment, die mit der Mode gehen, sind nicht so sein Ding.

Mit Studenten der Ilmenauer TU arbeitet er an Metralabs und entwickelt Designs für visionäre Roboter und Assistenzsysteme. Die werden beispielsweise für ältere Menschen gebaut, sollen unter anderem an bestimmte Dinge erinnern, notfalls auch einen Alarm auslösen können, wenn die Frau oder der Mann stürzt. Sie sind auch eine Art Gesprächspartner und stets zu Diensten. Auch an den Einsatz zur Rehabilitation von Schlaganfallpatienten, die das Laufen wieder lernen müssen, ist gedacht. "Das sind Forschungsprojekte, bei denen viele Sicherheitskomponenten eine Rolle spielen und die Formensprache mit entscheidend ist. Das muss alles aufeinander abgestimmt sein, sodass ich auch hier frühzeitig mit eingebunden bin." Daneben hat er weitere Aufträge für Feinmess und Aesculap in Arbeit.

Auch wenn Stefan Büttner in seinem Büro Einzelkämpfer ist - ohne Teamarbeit funktioniert das Formenwerk nicht. Das betrifft das spezielle Produktdesign für innovative Unternehmen genauso wie das, was darüber hinausgeht und in einem Netzwerk gipfelt, das er mit einer Thüringer Ingenieurgemeinschaft, einem Grafikdesigner, einem Fotografen und einer Messebau-Firma aufgebaut hat. "So können wir die Fäden für den Erfolg noch besser ziehen und den Weg ebnen für die Schritte, die nach der Entwicklung neuer Produkte mit der Präsentation und Vermarktung folgen. Hier eine Handschrift von der Internet- bis zur Messepräsentation anzubieten, das macht die Sache rund", meint Stefan Büttner.

Ganz sicher hätte sein Großvater seine Freude daran gehabt zu sehen, welche Auszeichnungen und ehrgeizige Projekt die Wand zieren, an der der Schreibtisch steht, der einst seine Werkbank war.

Autor

Heike Hüchtemann
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Veröffentlicht am:
11. 01. 2017
22:41 Uhr

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Heike Hüchtemann

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Veröffentlicht am:
11. 01. 2017
22:41 Uhr



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