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Suhl

Die Hoffnung auf ein Wunder für den kleinen Stepan

Darja und Andrei haben trotz niederschmetternder Diagnose der Ärzte ihren Sohn Stepan nie aufgegeben. Mit der Unterstützung von Spenden hoffen sie auf eine Behandlung in Deutschland.



Papa Andrei Arbusov mit seinem Sohn Stepan. Der Dreijährige ist schnell erschöpft, freute sich aber über das Plüschtier des Zeitungshundes Einstein, das er als Geschenk bekam. Fotos (3): Linda Hellmann
Papa Andrei Arbusov mit seinem Sohn Stepan. Der Dreijährige ist schnell erschöpft, freute sich aber über das Plüschtier des Zeitungshundes Einstein, das er als Geschenk bekam. Fotos (3): Linda Hellmann   » zu den Bildern

Kaluga - Darja und Andrei Arbusov können wieder lachen. Ihrem Sohn Stepan, der vor drei Jahren mit einer angeborenen Zyste im Gehirn zur Welt kam, geht es heute - den Umständen entsprechend - gut. Er lacht, spielt und geht in den Kindergarten. Das macht die Eltern froh, lässt sie hoffen, dass vielleicht alles gut wird. Was ihnen auch Hoffnung gibt, ist das große Mitgefühl der Menschen in Suhl und Thüringen, die viel Geld gespendet haben, um Stepan eine medizinische Behandlung in Deutschland zu ermöglichen. Auch der Verein "Freies Wort hilft" hat die Familie Arbusov unterstützt. 2500 Euro wurden bei einem Besuch bei der Familie in Kaluga überreicht.

Darja und Andrei leben mit ihrem Sohn Stepan in einer modern eingerichteten Neubauwohnung in einem der Hochhäuser im Kalugaer Wohngebiet Pravuj Bereg, das bedeutet Rechtes Ufer. Denn auf dem Weg in das Viertel, in dem immer mehr neue Häuser gebaut werden, überquert man den Fluss Oka.

Wie schnell sich alles im Leben ändern kann, das haben die vergangenen drei Jahre die kleine Familie gelehrt. Darja Arbusov war in der 35. Woche schwanger, als die Ärzte die Diagnose stellten, dass ihr Sohn mit einer Zyste im Gehirn geboren werde. "Wir konnten es erst nicht glauben und sind nach Moskau in ein Klinikum gefahren", erzählt die Mutter. Doch die Ultraschall-Untersuchung bei einem Spezialisten bestätigte die schlimmsten Befürchtungen.

Als der kleine Stepan am 4. Januar 2014 zur Welt kam, machten die Ärzte dem Ehepaar wenig Hoffnung. "Seien sie mutig, es gibt keine Prognose, wie lange ihr Sohn leben wird", hätten die Mediziner gesagt. Der angeborene Entwicklungsfehler sei nicht operabel. Doch Darja und Andrei gaben nicht auf. Wieder fuhren sie mit ihrem Baby nach Moskau an die Burdenko-Klinik. Im Alter von nur zwei Monaten wurde Stepan zum ersten Mal operiert, weil er epileptische Anfälle hatte. Danach sei zunächst alles gut gewesen.

Aber die Epilepsie verursachte neue Anfälle und nach sechs Monaten wurde Stepan erneut operiert. "Er hatte kräftige Anfälle, bis zu 20 Mal innerhalb von 24 Stunden, manche waren zwölf Minuten lang", erinnert sich Darja Arbusov. Ihr Sohn war gerade einmal acht Monate auf der Welt, als er erneut ins Moskauer Klinikum kam. Diesmal setzten die Ärzte einen Shunt ein, der überschüssiges Gehirnwasser ableitet.

Das brachte eine Verbesserung für Stepan, erzählt die Mutter. Er fing an zu laufen, sich für Spielsachen zu interessieren und Kontakt zu anderen Kindern zu suchen. Im Mai 2016 kam der nächste Rückschlag. Es gab Probleme mit dem Shunt, Stepan hatte wieder epileptische Anfälle. Die kleine Familie fuhr nach Moskau, erneut folgte eine OP. Weitere im Dezember 2016 und im Januar dieses Jahres.

"Jetzt fühlt er sich gut", ist die Mutter überzeugt. Seit Mitte April geht Stepan in einen Kindergarten in einem Dorf bei Kaluga, erzählen die Eltern. Dort sei Darjas Mutter Erzieherin und könne sich um ihren Enkel kümmern.

Behandlung auf Kredit

Es ist nicht das erste Mal, dass die Oma die junge Familie unterstützt. Weil die Zusatzversicherung, die die Eltern neben der staatlichen Krankenversicherung haben, nur vier Operationen zahlt, hat Darjas Mutter einen Kredit für die Behandlung von Stepan aufgenommen, erklären sie. Darja hatte ihren Job aufgegeben, geht aber inzwischen wieder arbeiten. Sie ist Juristin bei der Armee und ihr Mann Andrei arbeitet als Polizist bei der Kripo. Sie bestellen die Medikamente für Stepan im Ausland, weil die dort besser seien, zahlten alles selbst, ebenso die Physiotherapie für Stepan und sie haben noch einen Kredit für ihre Wohnung.

"Aber die Spenden, die haben wir alle gespart", betonen die Eltern. Denn das Geld wollen sie für eine Behandlung Stepans an der Berliner Charité ausgeben. Im Frühjahr 2015 entstand durch eine Kollegin von Andrei Arbusov der Kontakt zur Deutsch-Russischen Freundschaftsgesellschaft, die eine Spendenaktion startete und Unterstützung am Suhler Klinikum suchte. Chefarzt Carsten Wurst vermittelte einen Kontakt zur Pädiatrischen Neurochirurgie an der Charité. "Vielleicht gibt es noch eine Wunder-Operation, so dass Stepan keinen Shunt mehr braucht", sagen Darja und Andrei Arbusov.

 

Weitere Informationen zur Spendenaktion der Deutsch-Russischen Freundschaftsgesellschaft für Stepan:

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www.drfg-th.de

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Linda Hellmann
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Veröffentlicht am:
19. 05. 2017
18:21 Uhr

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Linda Hellmann

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19. 05. 2017
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