zuletzt bearbeitet: 23.05.2012 16:23 Uhr
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Kühle Köpfe gefragt
Jetzt sind kühle Köpfe gefragt, um einen heißen Konflikt um den Iran zu verhindern. US-Präsident Barack Obama versucht genau das.
Er schickt seinen Nationalen Sicherheitsberater Tom Donilon mit der dringlichen Botschaft nach Israel, keinen militärischen Alleingang zu unternehmen. Die gleiche Warnung ventilierte der Joint Chiefs of Staff, General Martin Dempsey, am Sonntag im US-Fernsehen. Es sei nicht weise, Iran zu diesem Zeitpunkt anzugreifen. Warum? Weil er den langfristigen Zielen entgegenlaufe und in der Region destabilisierend sei.
Washington war es denn auch, das die als Provokation gedachte Eröffnungszeremonie im Reaktor von Natanz vergangene Woche klein kochte. Alles andere als ein Meilenstein sei die Inbetriebnahme eigener Zentrifugen, spielte die US-Regierung das nukleare Tam-Tam des Ayatollah-Regimes herunter.
Gott sei Dank regiert in den USA diesmal ein Präsident, der anders als sein Vorgänger nicht geistlos auf die Kriegstrommel schlägt. Stattdessen organisierten die USA Sanktionen mit Biss, die dem Iran langsam wirklich wehtun. Was erklärt, warum die Führung im Iran nun besondere Feindseligkeit demonstrieren muss. Zumal in dem Gottesstaat in zwei Wochen Parlamentswahlen anstehen. Da will das Regime in den Augen seiner Unterstützer nicht als schwach erscheinen.
Hinter dem Propagandaschleier der Anschläge auf die israelischen Diplomaten, der Inszenierung von Natanz und dem erwarteten Abdrehen des Ölhahns für Briten und Franzosen bereitet die iranischen Führung tatsächlich die Aufnahme direkter Verhandlungen über sein Atomprogramm vor. Heimlich, still und leise ließ das Regime bisher nicht akzeptable Vorbedingungen dafür fallen.
Die Israelis täten gut daran, dem diplomatischen Prozess Zeit zu geben. Ihre Freunde in Europa und Amerika haben die Pflicht, sie vor einer Panik-Reaktion zu bewahren. Ein heißer Konflikt mit Iran brächte die Sicherheit Israels sehr viel mehr in Gefahr, als dem Rat kühler Köpfe zu folgen. Irak sollte Warnung genug sein.
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