zuletzt bearbeitet: 17.02.2012 06:04 Uhr
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Merkels Wunschliste
Bundeskanzlerin Angela Merkel wirbt in China großteils vergebens.
Europa will China zeigen, dass es seine Hausaufgaben gemacht hat. Auch das gehört zum Besuch von Angela Merkel bei Premierminister Wen Jiabao. "Madame Europa", wie sie hier auch heißt, wirbt mit dem Fiskalpakt und strengeren Haushaltskontrollen. Kann man so einer Musterschülerin Wünsche abschlagen? Dass China bitte massiv in den Euro-Rettungsfonds investieren möge? Man kann, denn das wird reines Wunschdenken bleiben. Den wirtschaftspolitischen Einfluss, den China im Gegenzug fordert, will niemand gewähren. Und China hat schlicht kein Interesse daran, mit seinen immensen Währungsreserven zu spekulieren. In diesem Punkt entspricht man sogar Volkes Meinung. Denn beim Geld sind die meisten Chinesen wie die Schwaben: sparsam und solide.
Doch Merkels Wunschliste ist länger, sie muss nicht nur als Bittstellerin auftreten, sie kann auch fordern. Deutschland und China sind aufeinander angewiesen wie nie zuvor. China hat rund ein Fünftel seiner Devisenreserven in Euro angelegt, Europa ist Exportmarkt Nummer 1. Wenn einer Euro und EU stabilisieren kann, glaubt und hofft Peking, dann Deutschland. Im Gegenzug hängt Deutschland an der Konjunkturlokomotive aus Fernost. Ohne ihre Exporte würde es für den Maschinenbau und Daimler, VW & Co. nicht so blendend laufen. Auch andere Unternehmen setzen immer mehr auf China, planen Niederlassungen oder erhöhen die Investitionen.
Für sie soll es Merkel richten: Die Unternehmen müssten unabhängiger von inländischen Partnern Geschäfte treiben, fordert sie für die deutsche Industrie. Das geistige Eigentum müsse besser geschützt werden. Natürlich ist das auch teils geheuchelt. Denn den Einstieg in die chinesischen Märkte und die Billigproduktion hat man sich immer auch mit Technologie-Export erkauft. Schon deshalb wird China allenfalls bei Absichtsbekundungen bleiben - das Land will die High-Tech-Lücke zu den führenden Nationen möglichst schnell schließen. Und sei es per Nachahmung.
Mit Wunsch Nummer 3 wird Merkel die größte Resonanz finden: chinesische Unternehmen sollen in Deutschland investieren und dabei Kapital bringen und Arbeitsplätze schaffen. Doch das erhoffte Echo wird sie nicht unbedingt bekommen. Denn das Reich der Mitte investiert bereits - aber vor allem um Technologien und Absatzmärkte zu gewinnen. Dabei kann China ohne Zeitdruck agieren. Gezielt pickt es sich Bereiche heraus, die auch langfristig Erfolg versprechen. Die Schwäche des Euro und von kränkelnden Unternehmen verführen derzeit häufiger zum Kauf. Soeben übernahm der Baumaschinengigant Sany Heavy Industries den Aichtaler Betonpumpenspezialisten Putzmeister und sicherte sich damit auch Spitzentechnologie. In Bedburg errichtet Sany seine Europazentrale.
Deutschland entwickelt sich dabei immer stärker zu Chinas Brückenkopf in Europa - und darüber hinaus. Beim Erschließen von neuen Technologien, Absatzmärkten und Ressourcen agiert der vermeintlich starre Staat erstaunlich flexibel und geschickt. Vor allem in Afrika hat China vielerorts die Nase vorn und sich Zugriff auf Rohstoffe gesichert und ist oft lieber gesehen als die Repräsentanten der EU. Ach in puncto Diplomatie hat man aufgeholt: Dem Boomland Äthiopien spendierte man jüngst ein Konferenzgebäude im Wert von rund 150 Millionen Euro - es ist der neue Hauptsitz der Afrikanischen Union.
Mit Investitionen wie diesen ist auch China auf Werbeoffensive - Peking hat erkannt, dass das Image des Landes in der Welt stark verbesserungswürdig ist. Merkel wirbt derzeit für Deutschland in China. Wunschlisten haben beide. Die Frage ist, welcher Staat mehr davon realisieren kann.
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