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Weibervolk und Männer-Drama

Was ist, wenn Männer zu Requisitenträgern degradiert werden und in Tüllröckchen schlüpfen? Richtig! Es ist Weiberfastnacht im Suhler CCS. Am Donnerstag wurde sie zum 19.Mal zelebriert.

Von Doreen Fischer
  • Wehe, sie werden losgelassen. Wer sich in die Fänge der Hexen begibt, muss federn, repektive Klamotten lassen. Da konnte die Männer nur noch die Hut ziehen.
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Suhl - Traditionell bebt der ganze Saal, wenn Weiberfastnacht auf dem Programm steht. So auch am Donnerstag im CCS. Gähnende Langeweile hatte hier keine Chance, aber ein gewaltiger Muskelkater im Bereich der Lachmuskulatur. Den wenigen Männern, die sie sich in Frauenkleidern am Einlass vorbeigeschmuggelt haben, wird spätestens beim ersten Lied des Abends klar: "Hier bin ich falsch". Denn im Refrain, den wahrlich jedes Mädel im CCS-Rund lautstark mitsingt, heißt es so schön: "Weiber hört die Signale, kneift die Männer in den A..... Heut' gibt es zum Finale, nur der Narrhalla Marsch". Und dann darf der Elferrat zu den Klängen von Schwanensee in Tüllröckchen einmarschieren. Das ist der Startschuss für Marlis, die als graziöse Schwanenköniging ihren großen Auftritt hat.

Auch ein männlicher Redner - Präsident Joachim Scheibe - durfte ans Mikrofon treten. Er verkündet: "Hier dürft Ihr die Sau raus lassen, wie sonst nur eure Männer." Zudem verlas er eine Grußbotschaft von den daheim gebliebenen Ehemännern. "Sie bedanken sich für einen atomfreien Abend, den sie mit hochgelegten Füßen, ohne jedes Gemecker, vorm Fernseher genießen oder für einen Ausflug mit alten oder jüngeren Bekannten nutzen dürfen."

Weiberfastnacht lockt immer auch viele Weltstars nach Suhl, die die Bühnen rocken. Kylie Minoge und Andrea Berg (alias Elmissmo), Udo Jürgens (alias Christian Lusky) und Uuuuuudo Lindenberg (von der Ilmenauer Männergruppe Beinverstaucht) sorgten für so viel Stimmung, dass es die Weiber aus Suhl, Zell', Dillstädt und vom Linsenhof nicht auf den Plätzen hielt.

Männer mit heißen Strips

Das Männerdrama im Steinweg nahmen zwei Suhler Freudinnen aufs Korn. Minna klagte, dass ihr Mann den silbernen Hochzeitstag vergessen hätte. Edeltraud: "Meiner denkt immer dran. Diesmal hat er mich gefragt: ,Wie lange müssen wir denn noch?´" Dass es kaum noch Männer im akzeptablen Alter gibt, die den beiden Frauen gefallen könnten, machte das Drama perfekt. "Im Steinweg schleiche ner so olle Göger vorbei. Ma mög se net ogefass", waren sie sich einig. Nur einen fanden sie gut, "den aus dem Stadtrat, der überall seine Finger drin hat - nur bei mir nicht", wie Minna bemerkt.

Ihre große Stunde hatten zum 19. Mal die Suhler Hexen. Ihre Tänze, von Samba, über Country bis hin zu Rock und Pop mischten das Publikum kräftig auf. Dass Hexen im Lederoutfit auch ganz modern daherkommen können, beeindruckte fünf wagemutige Männer, die sich in den Hexenkreis locken ließen - für einen heißen Strip. Immerhin: Hut und Slip durften sie anbehalten.

Wie man einen Mann seiner Würde beraubt, wurde auf der Bühne live gezeigt. Werner "Blacky" Hertha musste sich öffentlich entschlipsen lassen. Dies hatte ein gewisser Herr Triebel aus dem Rathaus bereits hinter sich. Kirsten Melech (sie moderierte gemeinsam mit Kirsten Eckert) verriet auch gleich, dass die Hexen eben jenem männlichen Wesen beigebracht hätten, wie Oberbürgermeisterwahlen viel schneller vonstattengehen könnten. Mit würfeln!

Und nächstes Jahr wieder?

Von ihrem Ehrenplatz schwebte Kirsten Eckert schließlich als Domina auf der Bühne. "Ihr wisst, ich bin in Dillscht dehämm, und unser Landkreis heißt SM. Mein Felsenkeller unterm Haus, lässt keinerlei Geräusche raus". Stil und große Show war mit dem Auftritt von Udo Jürgens angesagt. Dass er seine Zugabe im gewohnt weißen Bademantel präsentierte, daran dürfte es kaum Zweifel geben. "Besser war das Original auch nicht, höchstens teurer", war von den Elferrats-Rängen zu hören. Und noch eine hochkarätige Künstlerin betrat die Suhler Bretter, die die Welt bedeuten. Cindy aus Marzahn wurde ganz groß mit den Worten angekündigt: "Am ersten Tag erschuf Gott den Plattenbau. Am zweiten Tag den atmungsaktiven Jogginganzug." Den Beweis trat Tügelchen aus Meiningen in einer pinkfarben leuchtenden Kultklamotte an. Aber schließlich war der Cindy-Darsteller nicht der einzige Suhl-Import.

Gäste aus anderen närrischen Vereinen sind beim SCC zur Weiberfastnacht stets willkommen. "Beinverstaucht" aus Ilmenau beispielsweise. Felix (11) und Nadja (7) sowie die Reife Garde vom ZCC beeindruckten mit ihren Tanzeinlagen. Aber auch die Fünkchen und Funken des SCC punkteten mir ihrem Auftritt. Männerschwarm Andrea Berg höchstpersönlich legte im knappen Glitzerfummel ein Medley auf, das die Tanzbeine in Schwung brachte.

Langeweile? Die gab's nicht bei der Weiberfastnacht. Trockene Augen auch nicht. Aber jede Menge Stimmung mit Lachmuskelkater als Spätfolge. Es wäre wirklich schade, wenn es nächstes Jahr nicht wieder heißen würde: "Weiber hört die Signale...." Die "alte Garde" jedenfalls hat dieses Event zum letzten Mal veranstaltet.

    
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Weiberfastnacht CCS
Suhl
17.02.2012
    

 
    
    

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