zuletzt bearbeitet: 20.02.2012 07:27 Uhr
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Narren im Wahlkampf-Fieber
Das CCS stand am Samstag wieder ganz im Zeichen der Narretei: Nach dem Kinderfasching am Nachmittag ging am Abend die große Festsitzung des SCC über die Bühne.
Suhl - Ob das Motto der 47. Kampagne des Suhler Carneval Clubs (SCC) tatsächlich als Ausblick auf die im April anstehende OB-Wahl zu deuten ist? "Schlömmer gäht's ömmer!" (Schlimmer geht es immer) heißt es. Da macht sich jeder seinen eigenen Reim drauf. Erna & Fried, der Weidmann, die Lumpensammler und natürlich - ei, ei, ei - auch der Herr Sauerbrei. Sie alle und viele andere bekannte Gesichter des SCC waren am Samstagabend im CCS in Reinkultur zu erleben. Und das Gerangel um den Suhler OB-Stuhl bot ihnen reichlich Stoff.
Wenn ein Vossi-Bär und ein Bulle den Platzhirsch zum Kampf herausfordern, wie der Weidmann alias Pfarrer Ulrich Prüfer feststellte, dann ist das allemal ein gefundenes Fressen. Und wo geht der Forst-Doktor hin, wenn er nicht wieder gewählt wird? "Zurück seinen Wurzeln", wussten Erna & Fried alias Daniel Ebert und Thomas Hertha. Sie verrieten auch, wer noch zur Wahl antritt: Der Kalkhake. "Aber das is ke Sühler, der kommt von Häinisch". Und der Auerswald: "Der kömmt aber von Suhl!" "Nee, der kömmt von links!". Alle drei versprechen immerhin, das es in Suhl bald aufwärts geht. Dazu braucht's mehr Nachwuchs. Aber weder der Kalkhake noch der Auerswald haben einen Quaddich. "Wahrscheinlich hat's denen noch niemand gezeigt. Da werden wir uns wohl opfern müssen", sinnierten die alten Damen zur Gaudi des Publikums, dem Sitzungspräsident Daniel Ebert gerne alle drei Kandidaten vorgestellt hätte. Doch nur Amtsinhaber Jens Triebel - er war mit Gattin Ulrike als feuriger Zigeunerin erschienen - und CDU-Herausforderer Marcus Kalkhake - mit Perücke, weißer Maske und schwarzem Gewand gut getarnt - gaben sich zu erkennen.
Terror-Zeller und Wopper
Bemerkenswert sei das Auftreten des Suhler OB, meinte Thomas Eck, Präsident der befreundeten Coburger Narrhalla, die mit ihrem Prinzenpaar seit 1990 in Suhl zu Gast ist. "Uns straft der Coburger OB wegen einiger scharfer Worte seit Jahren mit Abwesenheit. Es ist ganz toll, dass das in Suhl anders ist", sagte er. Daraufhin regte Jens Triebel an, sofort mit den Verhandlungen für die Gründung eines Freistaats Franken mit Hauptstadt Suhl zu beginnen. "Die einzig vernünftige Idee in Sachen Gebietsrefom, die ich bisher gehört hab'", stellte Daniel Ebert fest und erntete den Beifall des Publikums.
Einen besonderen Akzent setzten wieder die Anonymics ("Ooolaf!"). Sie kamen als blinde Verfassungsschutz-Leute auf die Bühne und nahmen mit mehrstimmigem Gesang genüsslich die Pannen der Schlapphüte aufs Korn. Neben den (Terror-) Zellern bekamen auch die Wopper wieder ihr Fett weg: "In Goldlauter hat es gebellt, das kann doch gar nicht sein, Ermittlung führte uns konkret zum Hundesportverein. Für Hundesport ist das kein Ort, wer bellt ist ungeschützt. Und ist des Woppers Zunge blau, war der V-Mann ein Chau-Chau", verkündeten sie.
Unter dem Motto "Jugend forscht" durfte sich auch ein Nachwuchs-Büttenredner erstmals zur Abendveranstaltung dem Publikum präsentieren. Robert Werner heißt der junge Mann, der bereits zum Kinderkarneval Bütterfahrung sammelte und mit den Erlebnissen seines gewitzten Opas auch bei den Erwachsenen souverän und pointenreich ins Schwarze traf. Den Vereins wird's freuen, denn Nachwuchs in der Bütt ist allerorts dünn gesät. Dafür kann der SCC aus einem reichen Reservoir an Tänzerinnen schöpfen. Das bewiesen einmal mehr die altersmäßig breit aufgestellten Garden. So begeisterten die von Eileen Nicolai trainierten Fünkchen mit ihrem "Mambo"-Schautanz das Publikum ebenso wie die von Daniel Haup und der von Suhl Abschied nehmenden Kathy Gromm trainierten Funken mit ihrer einfallsreich choreographierten "Hüttengaudi" - einem stimmungsvollen Medley aus Apres-Ski-Hits. Als Volltreffer erwies sich die grandiose Idee eines gemeinsamen Auftritts des Showballetts um Christiane Hammernick mit Christian Lusky. Der Suhler Künstler und Entertainer ging nach Jahren als Johannes Heesters in einem live gesungenen Udo-Jürgens-Medley auf, das vom ersten bis zum letzten Titel mitriss.
Pointenreiche Bütten
Gewichtige Argumente brachte auch der Elfenreigen des SCC auf die Bühne. Köstlich, wie die Herren des Elferrates in Baströckchen mit den von Anne Schlegelmilch in mühsamer Arbeit einstudierten Schritten über die Bühne "schwebten". Mit dem Suhler Weiberleut' Carmen Ruth, jüngst bereits im MDR zu erleben und "Domina" Kirsten Eckert mischten auch Damen das Programm auf. Beide nahmen die große Politik und ihre Macher aufs Korn - mit feinsinnigem Bänkelgesang zur Ukulele die eine, deftig-frivol die andere. Da wurde so manche dunkle Seite bei Guttenberg, Westerwelle, Sarkozy oder Berlusconi aus dem Land der Makkaroni aufgedeckt. Und natürlich spielte auch der abgedankte Bundespräsident eine Rolle. "Hätte der nicht erst am Montag zurücktreten können? So ein Stress", moserte Carmen Ruth, die ihren Text wie viele andere nächtens umschreiben musste. Auch die Lumpensammler beschäftigten sich in ihrem Bänkelgesang "Einer geht noch rein" mit der großen Politik.
Einen Glanzpunkt unter das zweieinhalbstündige Programm setzte das Showballett mit seinem furiosen Showtanz "Puttin' On The Ritz" - einem Medley aus Hits der fünfziger Jahre. Eine mit viel Beifall bedachte Nummer auf hohem Niveau, die durchaus auch den Fernsehkarneval bereichern könnte.
Bei Tanzmusik der Axel P. Band im Saal und einer Disco im Umgang konnte dann das Publikum in eine lange Karnevalsnacht tanzen.
Ein Rosenmontagsball mit allen Suhler Karnevalsvereinen beschließt heute ab 20 Uhr im Simson-Kulturhaus das närrische Treiben. Karten dafür gibt es an der Abendkasse.
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