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Italien-Flair am Bahndamm

Eine Villa mit Turm in der Bahnhofstraße hält an ihren Fassaden manch schönes Detail für den Betrachter bereit. Sie ist zudem Zeuge der Geschichte Suhls als Waffenstadt.

Von Caroline Berthot
  • Wie ein italienischer Palazzo wirkt die Sauer-Villa mit ihrem Flachdach und dem Türmchen in der Bahnhofstraße. Foto: frankphoto.de
  • Jugendstilelemente wie dieses finden sich an allen Fassadenseiten der Sauer-Villa. Foto: privat
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Suhl - Prachtvolle Villen gibt es in der Bahnhofstraße in Suhl viele, doch keine hebt sich durch ihr äußeres Erscheinungsbild so von den anderen ab wie die Sauer-Villa. Das imposante zweistöckige Wohnhaus direkt neben dem Fußgängertunnel liegt in einer parkähnlichen Gartenanlage und mutet mit dem relativ flachen, weit vorgezogenen Dach und dem an der Seite angebrachten Turm wie ein italienischer Palazzo an. An der Fassade des Baus finden sich an vielen Stellen Verzierungen, oft in Form von Gesichtern. Sie sind das Ergebnis eines vom Erbauer der Villa gewollten Stilbruchs.

Errichtet wurde der repräsentative Villenbau in den Jahren 1904 bis 1906 von Franz Sauer, dem Besitzer der benachbarten Gewehrfabrik J.P. Sauer und Sohn. Im Stil italienischer Renaissancevillen erbaut, unterstrich das Haus die Stellung der Familie Sauer und war ein für jedermann sichtbares Zeichen ihres wirtschaftlichen Erfolgs. Allein die leicht ansteigende Rampe vor dem Hauseingang, die von einem auf vier Säulen gestützten Vordach überspannt wird, unterstreicht die herrschaftliche Wirkung des Anwesens. Einst umfasste dies einen kleinen Park, der bis an den Bahndamm heranreichte und auch einen Teepavillon beherbergte.

Die herausragende Stellung der Villa rührte aber auch von anderen Dingen, weiß Heimatforscher Gerd Manig: "Als die Villa erbaut wurde, war sie in diesem Bereich der Bahnhofstraße eines der ersten Gebäude. Da stand nichts als die Villa und das Krämer-Haus, das zweite Haus, das in der Straße gebaut wurde. Die Villa mit ihrem Turm sah aus wie eine Festung, daher wurde sie im Volksmund auch Franzensveste genannt."

Der Name weist erneut auf den Erbauer hin, Franz Sauer. Er war ab 1894 alleiniger Besitzer der Gewehrfabrik. Unter seiner Führung meldete Sauer zahlreiche deutsche Patente an, das Geschäft florierte. Doch Franz Sauer war nicht nur ein reicher Fabrikant, er war zudem Senator. Beides hohe gesellschaftliche Stellungen, die sich auch in seinem Wohnhaus widerspiegeln sollten. Er wählte den Stil einer römischen Landhausvilla für sein Domizil. Ein Bau der laut Stadtkonservator Uwe Jahn viele Renaissanceelemente enthält, aber Sauer blieb nicht einer Stilrichtung treu. "Er verwendete alle Elemente, die ihm gefielen", sagt Uwe Jahn, "das wird vor allem anhand der Verzierungen deutlich, die an allen Teilen der Fassade angebracht sind. Das sind eindeutig Elemente des Jugendstils."

Die Darstellung von Gesichtern, von Ranken und anderen floralen Motiven beleben die Fassade der Sauer-Villa. Andere Villen in der Bahnhofstraße, die später gebaut wurden, weisen ähnliche Elemente auf. Besonders die Darstellung von Gesichtern findet sich hier häufig. Doch an der italienisch inspirierten Sauer-Villa fallen sie besonders auf.

Nicht nur das Äußere der Villa ist beeindruckend, auch das Innere des Hauses hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Vor allem nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wechselten Besitzer und Nutzungsform häufig. So war in der Sauer-Villa ab Juni 1945 zunächst die Kommandantur der sowjetischen Besatzung untergebracht. Mit der Auflösung der Besatzungszonen und der Gründung der DDR 1949 diente das Haus fortan als Sitz der Bezirks- und Kreisleitung des Kulturbunds und wurde auch von seinen Organisationen genutzt. Briefmarkensammler und Numismatiker kamen hier ebenso zusammen wie der Fotoclub und die Schreibenden Arbeiter. Ab 1973 war die Villa zusätzlich die Heimstätte des Bezirksvorstands der Gewerkschaft Unterricht und Erzieher und fungierte auch als Haus der Lehrer. Zudem war im Haus der Klub "Johannes R. Becher" untergebracht, zu dem auch eine kleine Gaststätte gehörte.

Diente das Haus zu DDR-Zeiten also eher kulturellen Zwecken, so wurde es nach der Wende, nun im Besitz der Stadt Suhl, vor allem für amtliche Zwecke genutzt. Eine Zeit lang war in der Villa das Standesamt ansässig, später die Umweltstation. Im Jahr 2002 wurde die Sauer-Villa schließlich durch die Stadt versteigert. Seitdem ist sie in privatem Besitz und wird wieder als Wohnhaus genutzt. Die Geschichte der Villa wird so stets fortgeschrieben...

Das schöne Detail


    
    

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