zuletzt bearbeitet: 22.08.2011 08:02 Uhr
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Heiße Autos und wagemutige Kunstflüge
Das Veranstaltungskonzept des American Power Weekend, ein Mix aus schnittigen Karossen und Flugshow, ging auf. Zahlreiche Suhler strömten zum Flugplatz Goldlauter.
Goldlauter-Heidersbach - Es war fast wie in den guten alten Zeiten, als in Goldlauter noch richtig groß das Flugplatzfest gefeiert wurde. Nur eben ein wenig abgeändert. Aber an der Faszination, die Technik, Können und Wagemut schon immer ausgestrahlt haben, hat sich bis heute nichts geändert. Genau das war auch der Grund, warum von Freitag bis Sonntag tausende Gäste auf das Flugplatzgelände zum American Power Weekend mit Flugshows strömten.
Während einerseits spektakuläre Flugvorführungen geboten wurden, lockte gleich nebenan der amerikanische Traum von Fahrzeugen, die man so im normalen Straßenverkehr nur äußerst selten zu sehen bekommt. "Denn jedes Auto, das hier steht, ist individuell und hat irgend ein Thema", erklärte Organisator Wolfgang Venus. Damit verwies er sofort auf den Chevrolet Kodiak, der ein riesiges Fass auf der Ladefläche befestigt hatte. Besitzer Harald Reckelkamm hatte die Tür zu eben diesem Fass weit geöffnet. "Steigen Sie ruhig ein", lockte er Interessierte an. Und zeigte voller Stolz, was er auf kleinstem Raum untergebracht hatte - ein Bett zum Ausziehen, Spüle, Gaskocher, Tisch, vier Sitze, Heizung, Beleuchtung. "Alles selbst gebaut", betonte der Hessisch-Lichtenauer.
Rennen auf Salzseen
Mit einem HotRod, Baujahr 1930, war Erik Löffelmacher der stolze Besitzer des ältesten Fahrzeugs auf dem Gelände. Gebaut wurde das Gefährt als Ford A Coupé, wurde aber im Stil der 50er-Jahre umgerüstet. So, wie viele seiner Art, um damit auf Salzseen Hochgeschwindigkeitsrennen fahren zu können. "Um Gewicht zu sparen und so an
Geschwindigkeit zu gewinnen, wurden das Dach abgeschnitten, der Fußboden hochgenommen, Schutzbleche abgebaut. Hinten wurden Flugzeugräder als Rennreifen aufgezogen. Und die Sitze stammen aus einem B52 Bomber", erklärte der Sömmerdaer. Vor drei Jahren hatte er sein Prachtstück aus Amerika bezogen. Damals war es ein echter Schrotthaufen. Eineinhalb Jahre Zeit und rund 33 000 Euro hat er in das Auto gesteckt, um es zu dem zu machen, was es heute ist."In den neuen Bundesländern ist die Szene inzwischen größer als in den alten Ländern. Heute haben wir Fahrzeuge aus einem Umkreis von etwa 300 Kilometern hier", schätzte Wolfgang Venus. "Es ist alles dabei: Dogde, Ford, Plymouth, Ken Voth, von ganz neu bis ganz alt". Gerade das sei der besondere Reiz. Viele der Teilnehmer halten für die Besucher die Türen ihrer Fahrzeuge geöffnet. "Die lassen einfach ihr Auto wirken", ließ der Organisator durchblicken. Auch Freddy Mey aus Rentwertshausen. Einen Kindheitstraum hatte er sich 2005 erfüllt, als er in Oklahoma fündig wurde und seinen Truck, mit nach Deutschland brachte.
Ein Wohnzimmer auf vier Rädern präsentierte Wolfgang Ehrhardt aus Großbreitenbach. Plüschsessel, Kommode, Fransenvorhänge und ein Fell als Teppich zogen die Blicke der Besucher an. "Schauen Sie doch mal", forderte er Interessierte auf. Der Blick in den hinteren Teil lohnte sich. Denn hier hatte der Hobby-Bastler in seinem Dodge ein komplettes Schlafzimmer untergebracht. "Ich habe dafür etwa drei bis vier Jahre gebraucht", strahlte der Thüringer.
Michael Zinner aus Kassel war mit einem gelben Chevrolet Van angereist, der ein bisschen den Hauch des Vergänglichen hatte. Auf den riesigen eingebauten Boxen hatte er ein Skelett abgelegt. "Das ist meine Monstermaschine. Demnächst bekomme ich auch noch einen Sarg, den ich im Auto postieren werde", betonte der stolze Besitzer, der auch auf dem gelben Lack überall Totenköpfe und Gerippe verewigt hatte. Komplettiert wurde das Ganze von einer Riesenmusikanlage. "Je nachdem wie die Musik und die Bässe kommen, blinkt das Auto überall." Eine Freundin, so ließ er wissen, hat in diesem Fahrzeug allerdings noch niemals Platz genommen.
Andreas Bechstedt und Wolfgang Venus zeigten sich von dem Erfolg der Veranstaltung begeistert. Sie hatten zum zweiten Mal das American Power Weekend nach Suhl geholt. Die Idee, das Flugplatzgelände dafür zu nutzen, hatte Michael Scholz, der hier die Gastronomie betreibt. Er war mehrere Jahre hintereinander nach Kassel zu einem ähnlichen Event gefahren und hatte die beiden Organisatoren für seine Pläne gewinnen können. Offenbar hatte er damit den Geschmack der Suhler getroffen. Denn die ließen sich nicht lange bitten und stürmten das Festgelände.
Attraktionen in der Luft
Unterdessen ging gleich nebenan die Party ab. "Wir haben für jeden etwas zu bieten. Einen Bereich nur für Kinder, die Fressmeile, einen Festivalbereich, die US Cars und den Flugbereich. Diese Kombination ergibt ein Riesenevent - eben ein Fest für die ganze Familie. Das wird bestens angenommen", schwärmte Jürgen Dietz, der das Gesamtkonzept auf die Beine gestellt hat. Inzwischen schon zum zweiten Mal. Und wenn es danach geht, wie erfolgreich die Veranstaltung ist, dann dürfte die dritte Auflage bereits im kommenden Jahr über die Bühne gehen.
Den Blick gen Himmel gerichtet, hatten vor allem die Besucher, die die Flugvorführungen verfolgen wollten. "Wir zeigen hier einen Windenstart für Segelflieger. Eben gerade sind auch die Fallschirmspringer gelandet, die heute mehrfach mit der Wilga Schleppermaschine abgesetzt wurden. Und Gerd Beierlein aus Gera ist mit seinem gesamten Motorkunstflugteam angereist", verkündete Norman Pulz vom Flugsportclub Suhl. Spektakuläre Stunts, Spiralen und Loopings in der Luft, zogen die Blicke magisch an. Umso mehr hofft Norman Pulz, dass der Flugplatz auch weiterhin Bestand hat. Er weiß zwar um die finanziellen Probleme der Stadt, macht aber auch darauf aufmerksam, dass Suhl diese Einrichtung dringend erhalten sollte. "Hier können wir der Jugend eine Zukunft geben. An diesem Flugplatz hängen Attraktion, Freizeit und Arbeitsplätze. Das sollte man nicht vergessen".
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