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Frischer Wind für eine alte Dame

Bänke und Stühle rücken war Samstag im Innenhof des Malzhauses angesagt. Nur so konnten die vielen Gäste der Ausstellungseröffnung "Die Cister - von den Anfängen bis heute" einen Sitzplatz finden.

Von Doreen Fischer
  • Das Interesse an der Cister-Austellung war schon zur Eröffnung riesengroß. Im Innehof des Waffenmuseums wurden dei Plätze knapp. Fotos (2): frankphoto.de
  • In der Ausstellung kann die Entwicklung der Zister nachvollzogen werden.
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Suhl - "Was ist eigentlich eine Cister? Diese Frage wird mir sehr häufig gestellt", erklärte Doris Eckardt vom Waffenmuseum, die sich mit dem Thema eingehend beschäftigt hat. "Dass es sich dabei um ein Musikinstrument handelt, wissen die meisten. Zu Deutsch kann man sie auch als Waldzither einstufen. Von der Bauart her ist sie eine Kastenhalslaute". Bis ins 18. Jahrhundert wurde das Instrument einfach nur Zither genannt. Bis später die Tischzithern aufkamen. Um Verwechslungen auszuschließen, wurde auf regionale Bezeichnungen zurückgegriffen.

In Suhl hat Theodor Heym seine Spuren als Instrumentenbauer hinterlassen. Als er vor 110 Jahren seine Lehre als Gewehrschäfter aufnahm, interessierte er sich auch für die Cister. Sein Onkel empfahl ihm, sich selbst so ein gutes Stück zu bauen. Daraus entstand eine Geschäftsidee und so verließen am Ende rund 800 Instrumente seine Werkstatt. Bis nach Amerika lassen sich ihre Spuren nachweisen. "Ich bin froh, dass diese Tradition von Hilmar Günther heute fortgeführt wird", freute sich die Museumspädagogin. Mit seinen 81 Jahren ist der gelernte Tischler glücklich über den Umstand, dass Matthias Wiewiorra und Björn Schüffler in seine Fußstapfen getreten sind. Suhl braucht sich also um seine Cister wahrlich keine Sorgen zu machen. Ganz im Gegenteil. Zumal die Städtische Musikschule Unterricht auf solchen Instrumenten anbietet.

Zur Eröffnung der Ausstellung ließ es sich Professor Andreas Michel, der sich in der Musikinstrumentenkunde einen Namen gemacht hat, nicht nehmen, nach Suhl zu kommen. Er war es auch, der einen Ausstellungskatalog auf CD herausgebracht hat, welcher nun im Museum erhältlich ist. Der Experte ist sich jedoch sicher: "Die Cister hat noch längst nicht ihre Endform gefunden. Da ist noch richtig viel Potenzial vorhanden. Ich sehe das als eine Herausforderung an die jungen Instrumentenbauer." Aber er gibt auch zu verstehen, dass es ohne die Liebhaber für solche Instrumente und derartige Musik keine Zukunft dafür gibt. In Suhl jedenfalls spürt er diese Liebe. Wen wundert es. Immerhin wird hier in diesem Jahr das fünfte Cistersymposium abgehalten. Rechtzeitig zu diesem Jubiläum hat Hartmut Wiktor ein Buch in der kleinen Suhler Reihe unter dem Namen "Die Cister in Suhl - Geschichte und Geschichten eines Instruments" herausgegeben.

Dass es überhaupt zu der Ausstellung kam, ist Herbert Grünwald zu verdanken. Er hat eine große Auswahl seiner Sammlung dem Waffenmuseum zur Verfügung gestellt. "Eigentlich müsste er heute hier stehen und seine Instrumente vorstellen", sagte Andreas Michel. Doch wegen einer Erkrankung musste der Privatsammler seinen Besuch absagen. Dennoch waren Ehefrau, Sohn und Enkel nach Suhl gereist. Inzwischen hat Doris Eckardt die Idee entwickelt, dass es am Ende der Ausstellung, also im April, noch einmal eine besondere Veranstaltung im Haus geben könnte, bei der Herbert Grünwald dann sein Können auf diesem besonderen Instrument zeigen soll.

Imposante Sammlung

Auch den Namen Martina Rosenberger muss man ganz einfach mit der Cister in Verbindung bringen. Sie war es schließlich, die das Instrument aus seinem Dornröschenschlaf erweckt hat. Mit ihrer Idee, ein Symposium einzuführen und nach Suhl zu bringen, hat sie auch das Interesse an der alten Dame neu entfacht. So war es wohl kaum verwunderlich, dass sie zur Ausstellungseröffnung ein paar Musikstücke darbot. "Vor Jahren hat mich die Sehnsucht, mehr über ein Musikinstrument zu erfahren, nach Suhl gelockt. Wenn ich heute hierher komme, dann ist es, als wenn ich nach Hause komme. Hier hat sich die Waldzither musikalisch ausgeweitet. Der Samen ist aufgegangen", zeigte sich die Krumbacherin erfreut.

Cisterspielen muss übrigens nicht altbacken sein. Dass damit auch ganz Modernes hervorgebracht werden kann, dass hat das Duo Janna gezeigt, dass verschiedene musikalische Stücke vorstellte. Unter anderem ein Lied von Rainhard Fendrich.

Genauso wenig ist die Ausstellung im Waffenmuseum altbacken zu nennen. "Ganz im Gegenteil", machte Professor Michel noch einmal ganz deutlich. "Jedes mittlere Museum kann mit dieser Sammlung, so wie sie hier zu sehen ist, nicht mithalten." Es lohnt sich also, einen Herbsttag im Museum zu verbringen und eine alte Liebe neu zu ent-
decken.

 

Sonderausstellung "Die Cister - von den Anfängen bis heute" bis 9. April 2012 im Waffenmuseum

    
    

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