zuletzt bearbeitet: 20.02.2012 07:27 Uhr
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Die Orgel erklang zum Abschied
Mehr als 200 Trauergäste nahmen am Samstag in der Hauptkirche St. Marien Abschied von Dr. Siegfried Landgraf. Mit dem Verstorbenen verliert die Stadt einen Mann der Kultur, der in vielen Bereichen tiefe Spuren hinterlassen hat.
Suhl - Kraftvolle Klänge der Toccata D-Moll von Johann Sebastian Bach erfüllen die Suhler Hauptkirche St. Marien. Siegfried Landgraf hat sein Lieblingswerk des großen Kirchenkomponisten oft selbst an der Orgel gespielt. Mit vollem Körpereinsatz und spürbarer Begeisterung zelebrierte und lebte er die Musik. Am Samstag brachte Kantor Phillip Christ die Wagner-Orgel zum Klingen.
Am 31. Januar hörte das Herz von Siegfried Landgraf auf zu schlagen. Seit die Ärzte Anfang 2011 einen nicht operablen Hirntumor feststellten, hoffte er auf die medizinische Kunst - wohlwissend, das es eine körperliche Gesundung nicht geben würde. Gegen sein Schicksal konnte er nicht ankämpfen, hoffen mochte er dennoch. Und er war frohgemut, setzte sich an die Orgel der Klinik in Meiningen, wo er behandelt wurde und spielte. Dabei hielt er wohl auch Rückblick auf sein Leben.
Ein Leben, in dem er als agiler, zielstrebiger Mensch die Bildungs- und Kulturlandschaft der Stadt Suhl prägte, wie kaum ein anderer. Seine musikalischen und philosophischen Einwürfe werden fehlen. Die Schar derjeniger, die Siegfried Landgraf die letzte Ehre erweisen wollen, ist groß. Darunter ehemalige Kollegen der Stadtverwaltung, liberale Parteifreunde, Kameraden und Bergfreunde vom Dombergverein und dem Verein "Suhler Hütte", vom Freundeskreis Würzburg-Suhl, der Oberbürgermeister und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Stadt.
Eine dunkelrote Urne steht inmitten eines Blumenmeers vor dem Altar. Davor ein Herz aus weißen Rosen, Kränze und Gebinde. Als die letzten Töne der Orgel verklungen sind, kehrt Stille ein.
Ehrhard Kretschmann, Superintendent im Ruhestand, blickt zurück auf das Leben Siegfried Landgrafs, den er selbst sehr gut kannte. Schon von Kindheit an stand Musik im Mittelpunkt. So spielte er schon als Kind die Orgel in seiner Heimatstadt Wasungen, dirigierte mit 14 Jahren den Pionierchor. Dabei gakt sein Engagement der Musik - nicht der staatlichen Ideologie. Als Pädagoge mit Leib und Seele wirkte Siegfried Landgraf nach dem 1965 abgeschlossenen Germanistik und Musikstudium in Suhl. Und er hatte offensichtlich einen sehr guten Draht zu seinen Schülern; vermochte es sie zu motivieren und zu begeistern. So errang mit dem Schulchor der damaligen Erweiterten Oberschule, dem heutigen Gymnasium, viele Preise. 1981 promovierte er zum Doktor der Philosophie. Die friedliche Revolution eröffnete ihm vor 22 Jahren neue Möglichkeiten, die Bereiche Bildung und Kultur zu fördern. Ab 1990 wirkte er viele Jahre als Kulturdezernent der Stadt. Von 1999 bis 2007 leitete er die Musikschule, war ehrenamtlich als Chorleiter, Dramaturg und liberaler Politiker tätig. So lange es die Gesundheit zuließ, war er als berufener Bürger für die Suhler FDP im Kulturausschuss. 1965, im Jahr seines Examens, heiratete Siegfried Landgraf seine Gudrun, die bis zuletzt an seiner Seite stand.
"Er schrieb sich in die Herzen der Menschen ein, war ein Mann leiser Töne und frischen Gesangs, gestaltete mit Ideen und jeder menge Tatkraft", sagt OB Jens Triebel. Bernd Höland vom Freundeskreis Würzburg-Suhl würdigt Siegfried Landgrafs Verdienste um die Städtepartnerschaft.
Den Schlusschor aus Bachs H-Moll-Messe hat sich Siegfried Landgraf als Ausklang der Trauerfeier gewünscht. Auch das ist eine Lieblingsmusik, die er oft hörte und genoss. Nun erklingt sie ihm zum letzten Gruß.
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