zuletzt bearbeitet: 18.02.2012 08:51 Uhr
Text
Text
Auf dem Weg zum Biosphärenpark
Die Suhler Schweiz soll sich nach ihrer Renaturierung als Südportal des Biosphärenreservats Vessertal-Thüringer Wald etablieren.
Suhl - Die Veränderung des Landschaftsbildes der Suhler Schweiz ist nicht zu übersehen: Bäume wurden in Größenordnungen gefällt und freigestellt, Gewässer freigeschnitten, Gehölze entfernt. Geht es nach dem Willen der Stadt, soll das erst ein Anfang sein auf dem Weg des Gebietes zu einem Biosphärenpark. Unter dessen Dach könnte auch der Tierpark eine neue Heimstatt finden. "Die Suhler Schweiz ist für Suhl ein historisches Geschenk, weil sie von einer Bebauung bislang verschont blieb", sagt OB Jens Triebel. Dieses Geschenk sehe man als Chance, mit einer Rekultivierung den Zustand von vor 70, 80 Jahren wiederherzustellen. Damit könne ein lebendiges Beispiel für eine Kulturlandschaft mit großer Biotopvielfalt mitten in der Stadt geschaffen werden, so Triebel am Donnerstag bei einer Projektvorstellung vor interessierten Bürgern des Wohngebietes Ilmenauer Straße.
In den zurückliegenden Wochen und Monaten war immer wieder Kritik am robusten Vorgehen in der Suhler Schweiz laut geworden - wohl auch, weil die Stadt vor Beginn der Arbeiten nicht umfassend über Anliegen und Absichten informiert hatte. "Es wäre sinnvoll gewesen, diese Informationen schon zu einem früheren Zeitpunkt zu geben", räumte der OB ein. Gleichwohl würden die jetzt noch sichtbaren Spuren der schweren Technik im Frühjahr sukzessive verschwinden, so dass sich wieder eine blühende Offenlandschaft entwickeln könne.
Bei deren langfristiger Pflege soll auch der Tierbestand des Tierparks einbezogen werden. Nach einem vom Rechts- und Umweltamt der Stadt erarbeiteten Konzept soll das hängige Terrain mit leichten Huftieren, wie Schafen und Ziegen beweidet werden. "Das entspricht dem Leitbild des Tierparks" sieht es der OB. Denn eine dauerhafte Landschaftspflege durch regelmäßige Mahd oder Entbuschung sei illusorisch.
Neben der Freistellung und Bewirtschaftung der Bergwiesen sieht das Konzept auch eine Renaturierung der Gewässer einschließlich Ausbau und Einrichtung von Teichen als Fischgewässer vor. Gleichwohl werde nicht - wie vielfach angenommen - das Wasser künstlich aufgestaut, betonte Triebel. "Der vermeintliche Staudamm ist dazu nicht geeignet. Er ist nur der Unterbau der Straße und würde dem Staudruck nicht standhalten", sagte er. Stattdessen sollen die vorhandenen zwei Teiche ausgebaut und mit Fischen besetzt werden. Die Entwicklung des Offenlandes und der Umbau des angrenzenden Waldes seien weitere Punkte auf der Agenda.
Als großen Vorteil für die Umsetzung des Projekts sieht man in der Stadt die Schnittstelle zum Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald. Es sei perspektivisch sehr gut vorstellbar, in der Suhler Schweiz als Südportal des Reservats ein Mehrzweckgebäude mit regionaltypischer Gastronomie und einem Besucherinformationszentrum des Biosphärenreservats zu errichten, für das schon seit längerem ein geeigneter Standort gesucht wird. "Das würde die Öffentlichkeitswirksamkeit des Biosphärenreservats deutlich erhöhen", sieht es Triebel mit Blick auf die rund 40 000 Gäste, die den Tierpark jährlich besuchen. "Es spricht vieles dafür, das Biosphärenreservat mit einzubinden", so Triebel. Mit dem Anschluss an bestehende Wanderrouten, mit Barrierefreiheit, Lehrpfaden, Infopunkten, Aussichtsplätzen und Feuerstellen könnten nicht nur touristische Ganzjahresangebote geschaffen werden, sondern auch eine Bildungsstätte für Schulen und Einrichtungen.
Gleichwohl sei man bei der Umsetzung des zu einem sehr frühen Zeitpunkt vorgestellten und bis ins Jahr 2050 reichenden Konzepts auf Förderprogramme und Kooperationen angewiesen. Auch die Stiftung oder Patenschaften könnten einbezogen werden. Bislang allerdings sei noch kein Projektantrag gestellt worden. Zunächst müsse sich noch der Stadtrat zu dem Vorhaben positionieren.
Gleichwohl sei fraglich, ob man im Stadtrat tatsächlich schon so weit sei, um dieses Projekt anfassen zu können, gab Linken-Fraktionschef und OB-Kandidat Holger Auerswald zu bedenken. So sei im 53-Punkte-Sparprogramm festgeschrieben, die Betreiberform des Tierparks zu prüfen. Denn im Zusammenhang mit dem Projekt wäre auch ein Trägerwechsel des Tierparks von der Stadt zum Biosphärenreservat denkbar. "Meines Erachtens brauchen wir erst ein klares Bekenntnis zum Tierpark, ähnlich wie dem zur Sternwarte, bevor wir eine Entscheidung treffen können", so Auerswald. Fraglich sei zudem die Haltung des Biosphärenreservats, schließlich müsste für die Umsetzung des Konzepts die Zonierung verändert werden.
Dazu soll im März Jörg Vosshage, der neue Leiter des Biosphärenreservats in den Stadtrat eingeladen werden, kündigte Triebel an.
Um das Projekt ausführlich darzustellen, sei im späten Frühjahr auch ein Tag der offenen Tür in der Suhler Schweiz möglich, um dort die einzelnen Vorhaben ausführlich zu präsentieren.
Diesen Artikel
|
|||||
Die neuesten Kommentare
Ȇbersicht Suhl
Ein Festpaket für Groß und Klein lockt in die Stadt
Am Wochenende geht's rund in Suhl. Die Stadt hat mit vielen Partnern ein Festpaket für Groß und Klein geschnürt. Das Mammutprogramm bietet Kultur, Unterhaltung, Kulinarisches, Sport und die Krönung des Bratwurstkönigs. »mehr
Premiere: Tauffest im Waldtheater
Der Evangelische Kirchenkreis feierte gestern mit 20 Täuflingen und einer großen Gästeschar ein besonderes Tauffest. Die... »mehr
"Die Party ist der Hammer!"
Größer als ihre Vorgängerinnen sollte sie werden die diesjährige Schwarzbiernacht. Das hat offensichtlich geklappt, auch... »mehr
Fünf Mark und ein Besuch in der Silly-Garderobe
Das hätten sie nicht zu träumen gewagt - ein Treffen mit Silly und Anna Loos. Für vier Suhler gab es mit einem Meet and ... »mehr
Das könnte Sie auch interessieren
Party
Nachrichten
Sport
Gelesen
Kommentiert
Bewertet
Magazine
Umfrage









































