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Markt der Kreativität

Im und vor dem Deutschen Spielzeugmuseum gab es zum Stadt- und Museumsfest nicht nur viel zu bestaunen, sondern auch jede Menge Anregung zum Selbermachen.

  • Nicht nur das schöne Wetter lockt die Besucher in Scharen ans Museum.
  • Hartmut Volkmar muss nicht viel erklären, wenn es ans Plüschtiermachen geht.
  • Schön gekämmt wird das eigene Werk für den Weg nach Hause fein gemacht.
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Sonneberg - "Ich habe schon viel in meinem Leben gemacht, jetzt gehört auch das Spielzeugmachen dazu", sagt Erhard Schenk. Als solcher ist er auch vor dem Deutschen Spielzeugmuseum unschwer zu erkennen: Arbeitskleidung, Tragekorb und jede Menge Holzspielzeug im Stroh. 110 Jahr wird heuer das Museum in der Beethovenstraße und vor der Museumstür hat sich ein Jahrmarktstreiben wie vor 110 Jahren ausgebreitet. Schnitzer und Drechsler, Spielzeugmacher und Münzpräge locken die Besucher an.

Darunter ist eben auch Erhard Schenk aus Seebach bei Ruhla. Neu ist die Spielzeugstadt für ihn nicht, denn auch im vergangenen Jahr war er schon dabei und will auch künftig wiederkommen. Die Holzhühnchen und -pferdchen in Schenks Korb locken die Gäste an, manche greifen auch gerne mal zu und begutachten das rustikale Spielzeug aus der Nähe. "Eigentlich ist das mein zweites Standbein zu den handwerklichen Dienstleistungen", sagt der Spielzeugmacher, der sich ganz bewusst auch mit Hemd, Schirm und Schürze auf die Zeit um 1900 eingestellt hat. Erst Landwirt, dann Metallfacharbeiter und zuletzt im Tiefbau tätig, besann sich Schenk auf die väterliche Möbeltischlerwerkstatt und die Maschinen, begann Holzspielzeuge zu fräsen und zu schnitzen sowie Puppenbettchen zu bauen, für die wiederum Ehefrau Sonja die Näharbeiten besorgte. Entdeckt für die Spielzeugstadt wurde er dann von Roland Wozniak, der wiederum mit weiteren Aktiven Mitstreiter für einen Markt am Spielzeugmuseum gesucht hat.

Selbermachen ist angesagt

"Wir haben uns diesmal genau an die Beschreibung des alten Sonneberger Vogelschießens aus der Mitte des 19. Jahrhunderts gehalten", erklärt Wozniak die Idee von Viavians Show-Manufaktur. Möglichst authentisch solle es sein, aber den Leuten auch Spaß machen. Gemessen am Besucherandrang dürfte das auch der Fall sein. Und es ist auch keine Einbahnstraße, denn in Schenks Holzspielwarenstand sind auch unbemalte Pferdchen zu entdecken, die zum Bemalen anregen sollen. Selbermachen ist da angesagt. Dies ist auch das Thema im Museum, denn schon im Erdgeschoss lassen sich die jüngeren Besucher beim Nähen und Stopfen des ganz persönlichen Plüschtiers nicht aus dem Konzept bringen. Die kleine Sarah aus Heubisch zieht vorsichtig die Nähte beim schwarzen Plüschhund an, rückt noch die Pfoten zurecht und "tauft" das neue Haustier auf den Namen Vanessa. Hartmut Volkmar muss nicht viel erklären, denn die kleine Sarah weiß ganz genau, wie das Plüschtier aussehen soll. Und als die Geburtsurkunde von Vanessa ausgefüllt wird, dann schaut sie schon genau hin, was da so alles draufsteht.

An Anregungen für die eigene Kreativität herrscht kein Mangel, denn nicht nur den Gulliver gibts während des Museumsfestes im Doppelpack zu bestaunen, sondern auch noch eine ganze Menge anderen Spielzeugs. Dass die guten alten Stücke hinter Vitrinenglas zu sehen sind stört nicht weiter, den davor gibt es reichlich Gelegenheit, den eigenen Ideen freien Lauf zu lassen.

"Viel muss ich nicht sagen", sagt Spielzeuggestalterin Renate Scheler aus Mengersgereuth-Hämmern. Ein großer Bottich mit Papiermaché-Masse reicht aus, um die Ur- und Ururenkel der Spielzeugmacher aus dem Sonneberger Land zum Selbertun anzuregen. Fleißig kneten einige Kinderhände Schiffe, Tiere und Fantasiegestalten aus der Masse. "Kinder machen das gerne und die machen sich auch gerne einmal die Hände schmutzig", scherzt Scheler. In Nullkommanix haben sich tröge Masseklumpen in erkennbare Formen gewandelt.

Einfach loslegen

"Sie macht schon ihr Zeug", sagt Christa Mann zu einem Vater, der genau beobachtet, was Tochter Laura aus einem Stück Stoff so zaubert. Laura aus Oberlind sei die erste die sich auch an etwas kleinere Formen wage, erklärt Spielzeuggestalterin Mann. "Ich habe mir noch Gedanken gemacht, was ich alles vorbereiten muss, dabei hätte ich das gar nicht gebraucht", sagt Mann. Die Kleinen kämen einfach, setzen sich, schnipseln und schneiden, legen einfach los. Ein paar Stofffetzen, farbiges Garn, Haarbüschel, Knöpfe reichen da schon aus. Geduldig beginnt Laura der Puppe eine Frisur zu verpassen und lässt sich weder von neugierigen Blicken der Museumsbesucher noch der Gespräche im Rücken aus der Ruhe bringen. "Unsere Erklärungen sind ganz kurz", sagt Christel Schöne vom Modetheater "Gnadenlos chic" aus Weimar. Der Wühltisch mit Stoffen und Garnen reicht aus, um die Kinder anzulocken. "Alle sind kreativ und wer nicht nähen kann, der knotet und schnürt eben", bemerkt Schöne.

Die kleinen Spielzeugmacher haben an diesen beiden Tagen das Museum ganz für sich erobert. Viel zu sagen haben da die Großen nicht, wenn die Steppkes der eigenen Kreativität freien Lauf lassen können. Und an Anregungen fehlt es in den Ausstellungsräumen wahrlich nicht.

Wer dann noch den letzten Ideenblitz braucht, der muss einfach nur vor die Tür gehen, wo Roland Wozniak und Erhard Schenk mit den guten alten Sachen aus dem Spielzeugland parat stehen. Da ergibt sich denn auch manches Gespräch über die richtige Schnitztechnik oder die Farben für das Holzpferdchen, das nach einem kurzen Gespräch die Reise in einen Sonneberger Haushalt antritt, um eine ganz individuelle Bemalung verpasst zu bekommen. ts

    
    

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