zuletzt bearbeitet: 03.02.2010 10:46 Uhr
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Mama und da habe ich mal drin gewohnt?
Zwei Sonneberger machen aus der Schwangerschaft eine bleibende Erinnerung und wagen mit ihrer Idee den Schritt in die Selbstständigkeit
Sonneberg - Bei der Partnersuche ist das ja immer so eine Sache, das Finden von Gemeinsamkeiten. Bei Manuel und Manuela Döring aus Sonneberg passen nicht nur die Vornamen bestens zusammen, sie teilen auch die Leidenschaft zum Dekorieren, Werkeln und Basteln. Aus dem eigenen Hobby einen Beruf machen, das wünschen sich viele. Die Eheleute Döring allerdings sind gerade auf dem besten Wege, genau das in die Realität umzusetzen. "Wir sind ein kreatives Ehe-Team, welches nun nach sieben Jahren des gemeinsamen Arbeitens den Schritt zur Selbstständigkeit wagen möchte, denn bis jetzt waren wir nur auf Kunst- und Kreativmärkten unterwegs", so Manuela.
Allerdings sei das, was sie sich da mittlerweile in der Schanzstraße unter dem Namen "Handmade" aufgebaut haben, noch kein richtiger Laden; das heißt, es gebe also kein Angebot auf Vorrat zum Verkauf. Es sei mehr wie eine kleine Ausstellungsfläche zu betrachten, bei der sich Interessenten einige fertige Werke ansehen könnten, betont die 44- Jährige. "Wir möchten Unikate für unsere Kunden herstellen, keine Massenware produzieren.
Leute, die Interesse an unseren kreativen Ideen haben, können sich gern telefonisch oder per E-Mail melden. Wir vereinbaren dann einen Termin, an dem wir uns zusammensetzen und über ihre individuellen Vorstellungen beraten. Was die Kreativität betrifft, sind wir für alles offen. Jeder, der seinen eigenen Stil hat und diesen in die Tat umgesetzt haben will, ist bei uns genau richtig", erklärt sie.
Und das Sortiment, aus dem die potenziellen Kunden wählen können, ist mehr als breit gefächert. Von Papier- und Leinwandbemalungen, dekorativen Stein-, Glas- oder Porzellanverarbeitungen bis hin zu Babybauch-Abdrücken ist alles möglich.
Und nicht zuletzt sind es genau diese Gipsabdrücke der durch die Schwangerschaft gewölbten Bäuche, die "Handmade" zu etwas ganz Besonderen hier im Landkreis machen. Die Idee hierfür kam nicht von ungefähr: "Eigentlich haben wir ja mit der Dekoration von Stein begonnen", erzählt Manuela.
Idee aus eigenem Erleben
"Als ich aber 2003 mit meiner Tochter Antonia schwanger war, dachte ich mir, es wäre nicht schlecht, meinen momentanen körperlichen Zustand in Gips zu verewigen." Daraufhin hätten sie viele interessierte Frauen angesprochen, 2006 habe sie dann noch einmal einen Bauch eingegipst, doch erst im letzten Jahr fing sie konkret damit an, mit den kugeligen Bäuchen zu arbeiten.
"Hierfür habe ich mir dann extra Models gesucht, die ihre abgedruckte Körperform als Anschauungsobjekt zur Verfügung stellten", weiß Manuela noch ganz genau. Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, sei es natürlich ideal, den Abdruck zwischen der 38. und 39. Schwangerschaftswoche anzufertigen. "Man kann die Schwangerschaft aber auch dadurch dokumentieren, indem man zum Beispiel jeden Monat einen macht", erklärt die Künstlerin.
Der Ablauf ist jedoch immer der gleiche: "Nachdem ich mit der Kundin in der vorherigen Beratungssitzung über ihre Vorstellungen gesprochen habe und wir uns auf eine Gestaltungsmöglichkeit festgelegt haben, wird diese dann beim nächsten Termin in die Praxis umgesetzt. Diesen Tag zelebriere ich dann regelrecht, ich stelle Kerzen auf, biete ihr Tee oder Kaffee an, lege schöne Musik ein. Damit möchte ich erreichen, dass sie sich einfach wohl fühlt und auch eine gewisse Vertrauensbasis aufbaut", erzählt Manuela. Dann wird der Bauch eingefettet und Schicht für Schicht eingegipst, was sich sehr warm auf der Haut anfühlen kann, jedoch unbedenklich für Kind und Mutter ist.
Ist dieser dann getrocknet, was relativ schnell der Fall wäre, wird er abgenommen und zum Aushärten weggelegt. Daraufhin werde er beschleift, eventuell nachgegipst und grundiert, bevor er bemalt und gestaltet wird.
Ab 50 Euro kann sich die Frau das fertige Kunstwerk dann mit nach Hause nehmen. Wo sie ihn dort platziert, bleibt ganz ihr überlassen; so bestehe unter anderem die Möglichkeit, daraus eine Stehlampe zu machen. Dies sei einfach ein persönlicheres und schöneres Andenken an die Schwangerschaft als ein Foto und auch für die Kinder wäre es später ein schöner Effekt, meint Manuel. So habe ihre eigene Tochter auf den Abdruck gezeigt und gefragt: "Mama, da drin habe ich einmal gewohnt?" Dass so etwas aber auch viel Zeit in Anspruch nimmt, weiß Manuela: "Ich investiere in diesen gesamten Prozess etwa 50 bis 60 Arbeitsstunden."
Material aus der Apotheke
Ihre Materialien holt sie sich aus der Apotheke. "Die sind natürlich nicht ganz billig, demzufolge geben wir unser erwirtschaftetes Geld nicht für Urlaub oder Sonstiges, sondern dafür aus. Unser Traum ist es, einmal davon leben zu können, allerdings erweist sich das momentan noch als fast unmöglich." Gemeint sind die räumlichen Schwierigkeiten, es fehlt schlicht und einfach der Platz zum Arbeiten. Und um diesem Platzmangel ein Ende zu bereiten, ist für März ein Umzug nach Köppelsdorf geplant. Dort hätte man dann endlich eine eigene Werkstatt, in der man sich so richtig austoben könne. "Wir haben so viele Ideen, der Tag müsste 90 Stunden haben, um die alle umzusetzen", lacht die Mittvierzigerin.
Und mit der Hoffnung auf mehr Platz steigt auch die Hoffnung auf mehr Kundschaft. "Momentan nehmen die Sonneberger uns noch gar nicht so wahr, wir wohnen ja auch eher etwas versteckt. Doch mit der eigenen Werkstatt soll nun alles nach vorne gehen. Es haben sich so viele Ideen angesammelt, die endlich auch umgesetzt werden wollen. Wir haben im Leben zwar auch schon den ein oder anderen Rückschlag erlebt, jedoch lassen wir uns unseren Optimismus natürlich nicht nehmen", erklärt Manuel abschließend.
Wer nun neugierig geworden ist, kann ja mal auf der Internetseite der beiden unter www.handmade-sonneberg.de vorbeischauen. Dort sind auch alle weiteren Informationen zu finden.
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