zuletzt bearbeitet: 24.11.2011 10:00 Uhr
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Linke unter neuer Führung
Michael Stammberger ist der neue Mann an der Spitze der Sonneberger Linken.
Sonneberg - 19 Jahre war Astrid Nerlich Kreisvorsitzende der Partei "Die Linke". Jetzt hat die 65-Jährige den Staffelstab übergeben: an Michael Stammberger, welcher von der Mitgliederversammlung vor wenigen Tagen mit großer Mehrheit gewählt wurde. Stammberger kommt nicht aus den lang gedienten Reihen der Partei. Seit 2009 ist der Schalkauer erst Mitglied der Linken, arbeitet im Schalkauer Stadtrat und im Kreisvorstand.
Bei der Kandidatensuche haben sich Nerlich und Genossen bewusst nach einem viel Jüngeren umgesehen. "Dem Michael kenne ich schon aus seiner Schulzeit, als ich ihn an der EOS unterrichtete. Wir suchten jemand, der dieses Amt intellektuell, organisatorisch aber auch vom Umgang mit den Menschen her ausfüllen kann", beschreibt Astrid Nerlich die Auswahlkriterien. Mit dem studierten Lehrer, der nach der Wende mangels Berufschancen als Steuerfachangestellter umschulte, die Außenstelle eines Lohnsteuerhilfevereins leitet, einen Hundesalon betreibt und einem Hundesportverein vorsteht, haben die Linken einen lebenserfahrenen Mann an ihre Spitze gestellt. Höhen und Tiefen hat er nicht nur beruflich durchlebt. Vor vier Jahren war er so schwer krank, dass die Ärzte ihm eine geringe Überlebenschance gaben. Auch diese Erfahrung prägt ihn.
Von Astrid Nerlich, deren Arbeit er nach eigenen Worten hoch schätzt, übernimmt Stammberger ein Mannschaft von 260 Mitstreitern, organisiert in elf Basisgruppen im ganzen Landkreis. "Bei den letzten Kommunalwahlen erreichte unsere Partei ein durchschnittliches Ergebnis von 27 Prozent, an das wir natürlich anknüpfen wollen", sagt Stammberger.
Das Vorgehen zu den Wahlen ist von Pragmatik geprägt. Die Partei will dort Kandidaten aufstellen, wo sie sich Chancen ausrechnet. Es wird nicht für alle Ämter linke Kandidaten geben, sind sich die Genossen zwischen Rennsteig und dem Gerehn einig. Über Namen wird noch eisern geschwiegen, sowohl bei den Bürgermeisterkandidaten als auch beim Landratsanwärter.
Die gegenwärtigen Probleme der Gemeindegebietsreform bewegt natürlich auch die Linke. Michael Stammberger sieht das aus der Hinterland-Sicht: "Das, was bisher gelaufen ist, war Vorspiegelung von Demokratie. Volksverarsche. Das Land hätte sagen müssen: Wir wollen im Landkreis Sonneberg drei oder vier große Zentren. Schalkau, Sonneberg, Neuhaus am Rennweg, eventuell noch Neuhaus-Schierschnitz. Die untermaßigen Gemeinden hätten sich dann für eines dieser Zentren entscheiden müssen. Aus seiner Sicht gehören Schalkau und Effelder-Rauenstein zusammen. Mengersgereuth-Hämmern hätte sich dann zwischen Sonneberg oder Schalkau entscheiden können", beschreibt Stammberger seine Sicht der Dinge. Ähnlich wie die Christdemokraten hatten auch die Linken geplant, ihre Ortsverbände in Meng.-Häm. und Effelstein zu vereinen. Die Entscheidung haben sie allerdings zurück gestellt, weil sie größere Verwicklungen befürchten, würde in den beiden Gemeinden im Frühjahr doch getrennt gewählt. Es müssten getrennt Kandidaten aufgestellt werden..
Innerparteilich reden die Linken gerade intensiv über ihr Parteiprogramm, über das es am 18. Dezember eine Abstimmung gibt, an der jeder Linke teilnehmen kann. Die Bürger besser mit den Inhalten dieses Programms bekannt zu machen, ist ein Ziel von Stammberger, das er verstärkt angehen will. An Infoständen wollen die Linken mit den Bürgern darüber ebenso ins Gespräch kommen wie zu aktuellen Themen von Landes- und Kommunalpolitik.
Weiter liegt Stammberger am Herzen, das Geschichtsbewusstsein der Menschen zu schärfen. "Wir wollen traditionelle Tage wie den 1. und den 8. Mai, den Weltfriedenstag nicht vergessen und an ihre Ursprünge erinnern". Auch die Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte ist Stammberger wichtig. "Es muss diese schwarz-weiß-Malerei aufhören. Es gab schlechte Dinge, die nicht in Ordnung waren, aber es gab auch gutes, wie unser Schulsystem", meint er und spricht da aus tiefer eigener Erfahrung, denn er kollidierte selbst mit dem System. Er möchte dies aber nicht ausführen, weil er nicht als einer dastehen will, der sich zum Opfer stilisiere. Linke Geschichte wurde übrigens in Stammbergers Familie selber geschrieben. Sein Großvater war Mitglied der KPD.
Thema der Sonneberger Linken sollen auch die Entscheidungen des Landes sein. Hier wird Stammberger den kurzen Draht zum Landtagsabgeordneten Knut Korschewski pflegen können, denn er arbeitet auf einer halben Stelle im Abgeordnetenbüro. Wie sich Landtagsentscheidungen vor Ort auswirken hat Michael Stammberger auch als Hundezüchter im Pinscher und Schnauzerklub. Er hatte Therapiehunde ausgebildet, mit denen er beispielsweise Kindereinrichtungen besuchte. Mit den neuen Kitagesetzen reicht das Geld für solche Stunden nicht mehr und Stammberger kann dies nur noch ehrenamtlich und also in beschränktem Umfang tun.
Für Ideen zeigt sich Stammberger immer offen und betont: "Auch wenn sie aus den Reihen anderer Parteien kommen: "Es geht um Inhalte, nicht um Parteigrenzen, ganz besonders in der Kommunalpolitik".
Dem neu gewählten Kreisvorstand der Linken gehören an:
Vorsitzender Michael Stammberger (Schalkau), Stellvertreter Astrid Nerlich (Sonneberg) und Almuth Beck (Föritz), Schatzmeisterin Susanne Eichhorn (Sonneberg. Weiterhin: Christiane Braun aus Ernstthal, Helga Heidrich aus Neuhaus-Schierschnitz, Thomas Heine und Louise koch aus Sonneberg, Gerd Queck aus Steinach, Traudel Schelhorn aus Mengersgereuth-Hämmern, Ronald Unger und Monika Weber aus Neuhaus am Rennweg, Egon Weikert aus Rabenäußig,
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