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Gutachter spricht von Sexualdelikt an Linda

Jerry J. kann sich im Linda-Prozess an viele Details vor und nach dem Tod des 16-jährigen Mädchens erinnern. Nur an eines nicht: an die Tat selbst.

Von Wolfgang Braunschmidt
  • Das Medieninteresse am Linda-Prozess bleibt groß. Am fünften Verhandlungstag standen die Bewertungen von Gutachtern im Mittelpunkt.
  • Der Angeklagte Jerry J. : Scham übers Geschehene ? Foto: F. Wunderatsch
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Coburg - Psychiater Cornelis Stadtland hat zum fünften Verhandlungstag im Linda-Prozess ein dickes Gutachten mitgebracht. Darin listet der Experte detailliert die Ergebnisse von Untersuchungen und Gesprächen auf, denen sich Jerry J. in der Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Kronach unterziehen musste. Der 21-Jährige wird beschuldigt, am 8. April vergangenen Jahres in seiner Wohnung im Coburger Stadtteil Scheuerfeld die 16-jährige Linda H. getötet zu haben.

Für Dr. Stadtland, einen bundesweit anerkannten forensischen Psychiater, liegt dem gewaltsamen Tod des Mädchens ein Sexualdelikt zugrunde. Der Angeklagte schweigt dazu. Er erinnert sich zwar an viele Einzelheiten aus dem Verlauf des 8. Aprils vergangenen Jahres und den Tagen danach, nicht aber an die Tat selbst, die gegen 21.30 Uhr erfolgt sein muss.

Und hier liegt das Grundproblem der Ermittler: Sie können nicht mit letzter Sicherheit nachweisen, was in der Wohnung von Jerry J. wirklich geschah. Sie wissen nur eines: Die Untersuchungsergebnisse vom Tatort und die Aussagen des Angeklagten sowie der Hauptzeugin, seiner früheren Freundin, passen nicht zueinander. Dr. Stadtland geht vor dem Coburger Schwurgericht davon aus, dass der Angeklagte sehr genau weiß, was am späten Abend des 8. Aprils 2011 zwischen ihm und Linda H. abgelaufen ist. Jerry J. blende jedoch den Zeitraum aus, als er Sex mit Linda H. hatte, und das unmittelbare Geschehen danach. Er wolle sich nicht erinnern, "weil er sich sehr schämt", sagt der Psychiater.

Teilweise nicht öffentlich

Details seines Gutachtens erläutert Dr. Cornelis Stadtland gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das hatte Jerry J.s Verteidiger Karsten Schieseck beantragt. Der Grund: Die Bewertung zielt in ihrem Kern auf das Sexualverhalten des 21-Jährigen und seiner ehemaligen Freundinnen ab. Die letzte Partnerin des Coburgers war vom Gericht ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit intensiv zu ihrem intimen Verhältnis zum Angeklagten befragt worden.

Auslöser weiter unklar

Doch noch immer ist unklar, warum Jerry J. wie ein Besessener auf Linda H. mit einem Hammer eingeschlagen und mit einem Messer eingestochen hat, nachdem sie miteinander geschlafen hatten. Der Angeklagte hat bislang erklärt, er sei mit der 16-Jährigen in Streit geraten, weil er sie zu deren Freund nach Hildburghausen fahren sollte. Dabei sei die Auseinandersetzung eskaliert.

Neben Dr. Stadtland erläuterten Psychologin Karoline Pöhlmann und Sozialpädagoge Michael Wolff ihre Einschätzung, wonach Jerry J. nach dem Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen sei. Die drei Experten - Psychologen, Mediziner und Sozialarbeiter - betonten, dass der mutmaßliche Täter in seiner Entwicklung nicht zurückgeblieben sei. Eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht, die möglich wäre, komme für die Gutachter nicht in Frage.

Jerry drohen 15 Jahre

Spricht ihn das Schwurgericht schuldig und folgt es dabei der Empfehlung der Gutachter, dann drohen dem 21-Jährigen bis zu 15 Jahre Freiheitsentzug. Würde das Jugendstrafrecht angewendet, beträgt der Strafrahmen maximal zehn Jahre Haft.

In der Gerichtsverhandlung zeichnet sich ab, dass es sich um ein Sexualdelikt gehandelt hat. Psychiater Dr. Stadtland erläuterte, die Aussagen früherer Freundinnen Jerry J.s hätten bestätigt, dass er unter sexuellen Störungen leide.

Nach einer weiteren Zeugenvernehmung und den Vorträgen der Gutachter kündigte Verteidiger Schieseck an, intensiv mit seinem Mandaten über die Ergebnisse des fünften Verhandlungstags im Linda-Prozess zu sprechen. Dieser wird am 22. Februar, 14 Uhr, fortgesetzt.

    
    

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