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Beim Umzug mit Kettenhemd und Kittelschürze

Von Andreas Beer
  • THO_0821-54229 Was für eine Schau: Tausende ließen sich gestern den größten Festumzug der Region nicht entgehen. Gruppen aus dem gesamten Kreis gestalteten dabei den traditionellen Höhepunkt des Steinacher Kirchweihtreibens.
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Steinach - Per Bahn zum Umzug? Diese bequeme Anreise gönnten sich am Sonntagnachmittag die "Gründer", die Kerwa-Macher aus Sonnebergs Altstadt. Zu zwölft und mit leichtem Gepäck - genauer: die Kirmesgießkanne in der Hand von Jens Macheleidt - eroberte sich ein gut gelauntes Dutzend einen der beiden rappelvollen Triebwagen - zur Fahrt von Sonneberg ins Vergnügen nach Steinach. In der Brunnenstadt war am gestrigen Sonntag freilich ein Erscheinen aller Kirmesschaffenden im Landkreis erste Pflicht. Schumlachs Trachtler und die Neuhaus-Schierschnitzer Blasmusiker, die Hasenthaler und Mengersgereuth-Hämmerer - keiner durfte fehlen, alle zeigten Flagge.

    
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kirchweih_steinach
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Kirchweihumzug Steinach
Steinach
21.08.2011
    

70 Gruppen hatten Isolde Mahr vom Kirmes- und Karnevalsverein ein Kommen zugesagt. Und als es darum ging Aufstellung zu nehmen in der Unterstadt, da war die ganze Frau als Platz-Anweiserin gefordert. Auch wenn die Gartenbaufreunde sich also am liebsten gleich direkt hinterm rollenden Ankerbräu-Ausschank - Holger Greiner feierte 275 Jahre Braurecht - eingereiht hätten, so blieb es doch bei Trupp-Nummer 47. "Die paar Meter werdet ihr doch hin und herlaufen können", beschied die resolute Rentnerin.

Das Motto des diesjährigen Umzugs war ansonsten einmal mehr einem städtischen Jubiläum gewidmet. Und das Thema "Hundert Jahre Markt" nahmen die Steinacher zum Anlass, Kirmesgänger von anno dazumal auflaufen zu lassen. Claudia Mahr und Mathias Thalmeyer zogen, gewandet in historische Kostüme, ein prächtiges Karussell durch die Straße, Holger Greiner reichte als Treibstoff dazu unfiltrierten Biergenuss vom Wagen herab. Hintennach schob Ronny Philipp einen Handkarren mit zertifizierten Bio-Beifuß.

Aus Schalkau kamen Bogenschützen mit Lederschurz und Ritter im Kettenhemd daher, hinterdrein marschierten die "Heim-Kehrer" vom Volkstheater Schwarzwurzel - Besen schwingend und im neckischen Kittelschürzen-Look. Sonderlich sexy war das zwar nicht anzusehen. Doch das Publikum wurde entschädigt vom "Brautalarm". Von der Kutsche herab machte ein Gruppe Steinacher Mädchen in Brautkleidern ein verlockendes Angebot: "Gesucht werden Burschen zur Erhöhung unserer Einwohnerzahl." Man wird spätestens nächstes Jahr sehen, wie die Sache dann tatsächlich ausgegangen ist.

Der Parade voran entboten Bürgermeister Ulrich Kurtz, nebst Landrätin Christine Zitzmann und die beiden Landtagsabgeordneten Henry Worm und David Eckardt den Zuschauern ihre Grüße. Und wenn deren Winke-Winke hier und da zum heftigen Luftschlag entgleiste, dann lag das ein ums andere Mal daran, dass der Polit-Prominenz frech die Wespen um die Nase surrten.

Stichwörter aus dem Stadtgeschehen griffen indes manche Schauwagen-Gestalter auf: Da wurde die heiß diskutierte Fellberg-Achterbahn im Mini-Format gezeigt. Den putzigen Sinnspruch auf der Haube werden die Einheimischen personell zu deuten wissen: "Is dös a Gegäggl mit de Willi-Bahn!".

Die Holzmafia vom Steinheider Berg - immer wieder verlässliche Teilnehmer des sonntäglichen Gaudiwurms - hatten sich als Galionsfigur ihres Gefährts ein Steinacher Original auserkoren: Stadtmaler Gerhard Hayn und seine unverwüstliche Simson wurden im prächtig geschmückten Hänger zum Festplatz chauffiert. Gleich ein ganzes Feuchtgebiet hatten derweil Steinachs Aquarienfreunde auf die Straße gebracht. Und weil so ein Biotop bekanntlich nicht austrocknen darf, hatte zur Sicherheit extra leichten Niesel beim Wettergott geordert. Der Regen, pünktlich zum Start, blieb dann aber eine überschaubare Herausforderung. Die Notenblätter jedenfalls, aufgeklemmt auf die Instrumente der Lauschaer Stadtkapelle, schwemmte es nicht weg.

Hundert Jahre Markt

Vor allem als generationenübergreifendes Familienfest präsentierte sich das Umzugsgeschehen. Die ganz Jüngsten durften dabei nirgendwo fehlen. Laura Queck und Jessica Zeh zum Beispiel hatten die Ehre, das Banner des silbernen Glöckchens spazieren tragen. Den beiden Elfjährigen auf den Fuße folgte Günter Kienel, der per Karren ein Modell der hundert Jahre alt gewordenen Grundschule zog. Ebenfalls seinen großen Auftritt hatte ein ganz Kleiner bei den Oberlindern: Der Musik vorne weg stolzierte der achtjährige Pascal Börner - gewissermaßen als "Schild"-Knecht des Orchesters.

Ihre liebe Mühe, überhaupt zwei Dutzend Kinder für die Kita-Truppe zusammen zu trommeln, hatte Brigitte Dorst vom Steinacher Kindergarten "Villa Sonnenschein": "Die ganz Kleinen können ja noch nicht so weit laufen, die ganz Großen haben an diesem Wochenende ihre Schuleinführung. Und viele Kinder machen eben bei ihren Vereinen mit und nicht bei uns. Hach ja, man hat es nicht leicht." Schwer zu schieben hatte sicher auch Gerhard Resch vom Thüringerwald-Verein der Brunnenstadt. Seine knapp zwölfeinhalb Kilo schwere Rekord-Kohlrabi aus dem heimischen Garten erwies sich dabei als echter Hingucker.

Den sicherlich besten Blick aufs Getümmel am Straßenrand hatte indes Edwin Adam. Die Jagdgenossenschaft hatte eigens einen Hochsitz für ihn zusammen gezimmert. In luftiger Höhe, gezogen vom Traktor, ließ es sich bestens aushalten.

Die Volleyballer und Skifahrer vom Sportverein durften nicht fehlen, ebenso wenig die Fußballer von der SG Not und Elend. Auch ein Weltmeister grüßte aus dem Cabrio: Frisör-Talent Alexander Kirchner, globaler Teambester seiner Branche im vergangenen Jahr.

Die Kegler zu Fuß, die Sänger und Skatspieler auf ihrem Kremser, gemeinsam zogen die Massen gesellig zum Markt - um dort gemeinsam den besonderen Jubilar standesgemäß zu begehen. Und - auch wenn er als der größte Thüringens gilt - so war der Geehrte doch kaum in der Lage die gut gelaunte Gratulanten-Schar zu fassen. anb  

    
    

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