zuletzt bearbeitet: 06.10.2011 09:47 Uhr
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Gedenken an die Opfer der Zwangsaussiedlungen
Sonneberg/Neustadt - "Der Tag der Deutschen Einheit hat in diesem Jahr ein besondere Bedeutung, er fällt in das 50. Jahr der zweiten großen Zwangsaussiedlungsaktion des DDR-Staates", sagte Christine Zitzmann, Landrätin des Landkreises Sonneberg zur Gedenkveranstaltung des Vereins Opfer des Stalinismus (OdS) Thüringen am Ehrenmal in Sonneberg.
"Ich verneige mich vor Elisabeth Freyer und all jenen, denen in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Leid und Unrecht zugefügt wurde. Sie haben es verdient, dass man ihre Schicksale nicht einfach vergisst", bemerkte Zitzmann. Genau erfasst ist das ganze Ausmaß der Zwangsaussiedlungen, bei denen Menschen, Familien und Orte im Visier des SED-Staates waren, bis heute nicht. Schätzungen nennen im Jahr 1952 (Aktion "Ungeziefer") etwa 3500 und im Oktober 1961 (Aktion "Festigung/Kornblume") etwa 1700 Betroffene. Im Zuge des Berliner Mauerbaus 1961 wurden entlang der gesamten innerdeutschen Grenze zum zweiten Mal Menschen willkürlich und gegen ihren Willen in das Innere der DDR verschleppt. Die Vertreibung in nur wenigen Stunden von Haus und Hof, wofür ganze Generationen hart gearbeitet hatten, Trennung von Verwandten und Freunden und die Verfolgung und Bespitzelung setzte sich über Jahre fort. "Angesichts dieses Unrechts, der damit verbundenen menschlichen Tragödien und des durch die Opfer erlittenen Leids ist es uns heute ein großes Anliegen, die Erinnerung an diese dunkle Zeit wach zu halten und damit ein Zeichen für die Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte zu setzen", fuhr die Landrätin fort. Zitzmann dankte dem OdS und seiner Vorsitzenden Freyer, dass sie das Bewusstsein für das ihnen zugefügte Unrecht Jahr für Jahr aufrechterhalten und speziell der jungen Generation vor Augen führen, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit sei. "Die Zwangsaussiedlungen aus dem Gebiet der ehemaligen DDR entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze stehen für eines der dunkelsten Kapitel in unsere Geschichte Deutschlands, aber auch in der Geschichte unserer Stadt Sonneberg. Für Sonneberg selbst kennen wir keine Zahlen, aber wir kennen Einzelschicksale. Wir werden dieses Wissen bewahren und dem schweren Schicksal der Betroffenen gedenken", versicherte Dr. Heiko Voigt, Beigeordneter der Stadt Sonneberg. Diese Ereignisse und Erlebnisse einer tief greifenden Veränderung von Lebensverhältnissen, eines abrupten Zusammenbruchs der Gefühle und Ideale sowie einer eklatanten Verletzung der Menschenwürde könnten zu einem lebenslangen Trauma führen, sagte Voigt. Der 3. Oktober sei einmal als Tag gewählt worden, um richtig zu jubeln, meinte Hildigund Neubert, Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen des Freistaats Thüringen. Jedoch gäbe es mit schlimmen Erinnerungen belastete Tage in der deutschen Geschichte. "Heute stehen wir in der Spannung zwischen Dankbarkeit und Trauer. Diese gemeinsamen Erinnerungen halten die Menschen zusammen, verbinden sie über Generationen. Das gibt ihnen Orientierung in ihren Entscheidungen für heute und morgen", sagte Neubert. "Nur gemeinsam können wir die Zukunft gestalten und uns in dieser Demokratie, die wir seit 1990 genießen und die wir alle gemeinsam errungen haben, bewegen. Die Erinnerung trägt auch dazu bei, uns vor Hochmut zu bewahren", so Neubert. "Diese Tat wurde von Menschen geplant und durchgeführt, die sich von Jesus abgewandt haben.
Wer Jesus nicht kennt, der kennt auch keine Barmherzigkeit und Nächstenliebe", zumal für gottlose Regime des 20. Jahrhunderts die Würde des Andersdenkenden weniger wert sei als die eigene, bemerkte Pfarrer Kunz. Gottvertrauen schenke Kraft, das Böse mit dem Guten zu überwinden. OdS-Vorsitzende Freyer erinnerte in ihrer Gedenkrede: "Heute vor fünfzig Jahren erdreisteten sich die Machthaber des SED-/Stasi-Staates DDR, gewissenlos und von wahnsinnig anmutender Machtgier getrieben, unschuldige Menschen in einer generalstabsmäßig vorbereiteten Aktion in eine ungewisse Zukunft zu vertreiben und fortan unsere Lebensläufe zu schreiben. Der Status der ewig Vergessenen haftet uns auch nach über zwanzig Jahren deutscher Einheit immer noch an. Wir, die Opfer kommunistischer Gewalt, existieren jedoch nicht oder nur am Rande für unsere Politiker.
Heute will man in der Öffentlichkeit, genauso wie damals in der DDR, weder im Osten noch im Westen, davon noch von den anderen Verbrechen, die in über vierzig Jahren SED-Herrschaft nachweislich passierten, etwas hören noch sich gar damit auseinandersetzen.
Das, was alle anderen nicht tun, haben wir uns vorgenommen, alljährlich bei unserer Gedenkveranstaltung hier am Ehrenmal in Sonneberg aller Opfer kommunistischer Gewalt von 1945-1949 und 1949-1989 zu gedenken, ", sagte Freyer. Seit 1975 hat die OdS-Vorsitzende in Neustadt bei Coburg eine neue Heimat gefunden. mvn
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