zuletzt bearbeitet: 21.02.2012 09:54 Uhr
Text
Text
Zwei Weiber mit Schuss
Kabarett mit allerbestem Unterhaltungswert gab es im Kanter's Café sehr zur Freude des bestens gelaunten Publikums.
Herges-Hallenberg - Gerate als Mann niemals zwischen zwei Frauen, noch dazu, wenn diese Marion Bach und Heike Ronniger heißen. Sie spielen einen an den Rand, so dass man(n) höchstens noch am Klavier oder Keyboard glänzen kann. Genau das tat Oliver Vogt und begleitete das Programm "Damenwahl - Zwei Weiber mit Schuss" musikalisch im "Kanter's Café".
Dort regieren im Alltag auch zwei Weiber mit Schuss, aber vom Kabarett stammen die nicht. Erst recht nicht vom politisch-satirischen Fach. Mit einem flotten Mundwerk sind die Wirtinnen Margot und Anja Platta freilich auch gut unterwegs. Aber die zwei "Damen mit Schuss" waren noch flotter ausgestattet. Die aus Schwarza stammende Marion Bach spielte mit der einst am Meininger Theater engagierten Heike Ronniger eine sehenswerte Partie, welche Sketch um Sketch von "OV" Oliver Vogt gekonnt ergänzt wurde. Mit dem manchmal so pieksigen, stichligen Verhältnis zwischen "Freundinnen" begann am Sonntag im ausverkauften Café ein Kabarett von bestem Unterhaltungswert und Anspruch. Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben und was ist überhaupt Schein-Demokratie, waren geldwerte Fragen, welche die beiden Damen beschäftigten. Auch das Dorfleben wurde nicht ausgeklammert. Dabei hatten die Bach und die Ronniger 23 Millionen Chinesen im Blick. Eben den Männerüberschuss, welchen die Asiaten ihrer Ein-Kind-Politik verdanken. Vor diesem Hintergrund übte Marion Bach schon einmal mit Achim, Peter, Matze und Heinrich die Vier-Mann-Betreuung. Jeder der Herren hat seinen Tag mit ihr und so wird der Männerüberschuss im Dorf gut versorgt. Schließlich sind die schönen und gebildeten Frauen aus den ostdeutschen Dörfern abgewandert. Nur die Alten und die Männer müssen noch versorgt werden, lautete der kabarettistische Seitenhieb auf die Realität.
Wenn das Umsorgungsmodell funktioniert, soll es in den Export gehen, nach China zu den 23 Millionen Männern. Kurz darauf wurde eine Spezialeinheit angefordert, Einsatzort: Grundschule. In Berlin wollte die Ministerin "in den Monolog mit der Jugend" treten. Doch die gefährliche Situation bedurfte gut vorbereiteter Absicherung. Immerhin musste die Ministerin bei ihrem Gang durch die Schule vorbei an Drogenabhängigen. "Was denn, Kokain? Nein, Ritalin", lautete die Antwort auf die Frage nach der Abhängigkeit der Schulkinder. Die Jugend mit ADS-Symptom würde damit von Ärzten ruhig gestellt. Gefährliche Situation, überlegte Vorgesetzte Bach. Sie wies an, mit dem Anführer der Kinderterroristen Verhandlungen aufzunehmen. Wenn der Ministerin nichts passiert, geht man möglicherweise auf die Forderung kostenloses Schulessen ein. Was, ein Fluchtfahrzeug? Ja, ein kostenloser Schulbus wird auch noch gefordert. Nein, erpressen lässt sich die Regierung nicht. Viel lieber sonnt man sich doch zusammen mit "Angie" Merkel im Erfolg. Überhaupt, ist das eine tolle Frau. Sie hat die Finanzkrise allein zurückgestemmt, sie hat den Euro gerettet, Deutschland allein von der Atomkraft befreit.
Kein Wunder, dass das RTL-Fernsehen ihr Leben als Dreiteiler verfilmen will. Er soll künftig Weihnachten anstelle der Sissi-Filme über den Bildschirm flimmern. Teil 1 heißt "Pfarrerstochter im Osten", Hildegard Knef sagt ihr vorher, dass sie eines Tages Kanzlerin von Deutschland sein wird. Der 2. Teil heißt "Wiedervereinigung und Aufstieg in der CDU". Bei Helmut Kohl im Oggersheimer Keller lernt sie politisch über Leichen gehen. Danach rollt sie den CDU-Spendenskandal auf und nutzt den Umstand, dass sie "die einzige Unbelastete ist", zum Aufstieg an die Spitze des Landes.
Die Finanzkrise anderer Art beleuchtete der Sketch "Banküberfall", bloß dass hier die Bank am Ende beim Kunden an der Haustür klingelte und wegen der wertlos gewordenen Griechenland-Anleihen daheim bei den Leuten nach Bargeld, Schmuck und Gold suchte, um sich zu konsolidieren. Es ist wie immer, lautete die Botschaft: Unternehmenssanierung auf Kosten des kleinen Mannes. So viel Seitenhiebe mit leise und lautstark gespieltem Witz entlockte dem Publikum immer wieder Spontanapplaus für ein fabelhaftes Trio.
Diesen Artikel
|
|||||
Die neuesten Kommentare
Ȇbersicht Schmalkalden
Heiko Gerull will Bürgermeister werden
Bis Dienstagmittag lagen der Breitunger Wahlleiterin die Unterlagen eines Bürgermeisterkandidaten vor. Es sind die eines Überraschungskandidaten: Heiko Gerull vom Verein "Gervina". »mehr
Freiwillig, aber keineswegs umsonst
Engagement im Kulturbereich für ein Taschengeld und wertvolle Erfahrungen: Seit September 2011 absolviert Maximilian Grä... »mehr
280 Kilo über dem Feuer
Geschmückt wie ein Pfingstochse lautet eine Redensart - in Breitungen ist er vor allem eines: sehr lecker. »mehr
Führerschein nur noch in Dreißigacker
Seit Anfang April ist die Schmalkalder Außenstelle der Fahrerlaubnisbehörde geschlossen. Zulassungen, Um- und Abmeldunge... »mehr
Das könnte Sie auch interessieren
Party
Nachrichten
Sport
Gelesen
Kommentiert
Bewertet
Magazine
Umfrage









































