zuletzt bearbeitet: 21.02.2012 09:54 Uhr
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"Wir brennen"
Szenen des Alltags zwischen Erwachsenen und Kind mit der Kamera beobachten und für die positive Entwicklung des Kindes nutzen: Marte Meo.
Schmalkalden - "Hey, hört mal alle zu - wir machen Marte Meo" - in den Refrain des von den Erzieherinnen selbst gedichteten Liedtextes stimmten die14 frischgebackenen "Marte Meo Practitioner" der städtischen Tagesstätte "Kinderland" am Grenzweg begeistert ein. In den Strophen hieß es "Auf Atmosphäre kommt es an", "Spiel mit uns", "Lach mich an", "Bei Schwierigkeiten helf ich dir". Und am Ende: "Selbstvertrauen gibt uns das - die Arbeit macht uns noch mehr Spaß!" Und damit war diese Methode, nach der in schon 35 Ländern gearbeitet wird, bereits ein wenig beschrieben.
Marte Meo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "aus eigener Kraft". Es ist der Name für eine Entwicklungs- und Kommunikationsmethode, die mit Hilfe des Mediums Video Beratung und Unterstützung in den unterschiedlichsten Kontexten ermöglicht. Konkret heißt das: Anhand von Videoaufnahmen ganz normaler Alltagssituationen wird die kindliche Entwicklung beobachtet und unterstützt. Die Verbesserung der Kommunikation zwischen Erziehenden und Kindern sowie die Unterstützung der Entwicklung durch bewusste Erfahrungselemente stehen dabei im Vordergrund. Erzieherin Sabine Bickel beschreibt ihre Eindrücke folgendermaßen: "Durch die Kamera bekommt man die Möglichkeit, genauer hinzuschauen."
Weiter habe sie im Laufe ihrer Ausbildung zum "Marte Meo Practitioner" gemerkt, dass Beziehungen entscheidend seien. Wichtig für sie sei zudem gewesen, die Emotionen der Kinder zu benennen und auszusprechen. Für Erzieherin Kerstin Wichert sind die kleinen Sequenzen und die guten Töne entscheidend, um angstfrei lernen zu können. Erzieher Sören Scholz sprach gar von einem dritten Auge, das ihm und seinen 13 Kolleginnen während der Ausbildung zu "Marte Meo Practitioner" gewachsen sei. Zudem hab er versucht, sein Bauchgefühl und das entsprechende Wissen bewusster einzusetzen. Kindertagesstättenleiterin Susan Henning, die sich derzeit zum "Marte Meo Supervisor" schulen lässt, brachte die Idee, nach der Methode der Holländerin Maria Aarts zu arbeiten, in ihr Kollegium ein. 13 Erzieherinnen und ein Erzieher nahmen diese Herausforderung an und besuchten nach Feierabend oder an den Wochenenden von April 2011 bis Februar 2012 sieben Seminartage. Geschult wurden sie vom Leiter der Marte Meo Institutes in Deutschland, Marcus Bach, und der Marte Meo Supervisorin Helga Meyer-Warnke.
Am Samstag konnten die beiden den 14 Teilnehmern ihre Abschlusszertifikate im "Kinderland" Grenzweg überreichen. "Ihr habt nicht aufgegeben und euch auf diesen neuen Prozess eingelassen", fasste Bach zusammen, wohl wissend, dass gerade wenn die Kamera dabei sei, die Arbeit mit den Kindern nicht unbedingt einfach wäre. Doch schon nach dem vierten Tag des Einführens dieser neuen Erziehungsmethode sei es gelungen, "Feuer zu machen".
Erzieherin Silvia Hoffmann brachte mit den beiden Worten "Wir brennen" wohl die Gedanken aller 14 frischgebackenen "Marte Meo Practitioner" zum Ausdruck. Markus Bach wünschte den Pädagogen, dass die Flamme jetzt für sie selbst und für ihr Arbeit brennen würde. Denn: "Nur so kann man Kinder begeistern."
Die städtische Tagesstätte "Kinderland" ist die erste Einrichtung in Thüringen, in der sich Erzieher komplett nach dieser Methode ausbilden ließen.
"Ohne den Einsatz unserer Chefin wären die Videos nichts geworden", waren sich am Ende alle Teilnehmer einig. Auch bedankten sie sich bei Jana Groß vom Jugendamt und Katrin Standau von der Stadtverwaltung für die Unterstützung dieser Lernmethode. Zum Jahresende wird Markus Bach in der Kindertagesstätte am Grenzweg wieder zu Gast sein, um die Marte Meo Methode weiter zu vertiefen.
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