zuletzt bearbeitet: 28.01.2012 09:04 Uhr
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Wider die spröde Juristerei
Seit dem 1. Juli vergangenen Jahres verstärkt Sven Müller-Grune das Professorenteam an der Fakultät Wirtschaftsrecht. Sein Spezialgebiet ist das öffentliche Recht.
Jurist werden - wer will das schon? Nur im Einzelfall träumen Jugendliche von einer Karriere als Anwalt, Richter, Staatsanwalt oder gar Juraprofessor. Auch Sven Müller-Grune hatte andere Pläne. Geschichte wollte er studieren. Die der Römer fesselte ihn ganz besonders. Diese Faszination ist bis heute nicht erloschen, auch wenn der gebürtige Weimarer inzwischen zum Professor für öffentliches Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule Schmalkalden berufen worden ist. Vor etwa sieben Monaten hat der selbstständig tätige Sozius seinen Stuhl in einer auf Verwaltungsrecht spezialisierten Kanzlei geräumt und sein neues Büro im dritten Obergeschoss der Fakultät Wirtschaftsrecht bezogen. Ein kleines Zimmer mit herrlichem Ausblick auf den Thüringer Wald.
Sich letztlich für das Rechtswesen entschieden zu haben, hat Müller-Grune nicht bereut. Zumal er den Römern, zumindest auf dem Gebiet der Juristerei, treu geblieben ist. Denn das Recht des Römischen Reiches hatte einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung späterer Rechtssysteme, vor allem in Europa.
Im Laufe der Studien, erst an der Universität in Jena, später an der Universidad de Granada in Spanien, "begeisterte mich von Beginn an das öffentliche Recht", erzählt der sympathisch wirkende 40-Jährige. Besonders das Grundgesetz und die darin verankerten Grundrechte hätten ihn, den "alten Ossi", sofort in den Bann gezogen. Er findet es großartig, dass "wir Ansprüche gegen den Staat haben und diese auch gerichtlich durchsetzen können". Ein Geschenk, das gerade den jungen Generationen als solches nicht bewusst ist, "uns, die in der DDR aufgewachsen sind, schon", redet sich der Neue, der in die Fußstapfen eines Ralf Abel, Rainer Wörlen oder Klaus W. Slapnicar getreten ist, in Begeisterung. Schon ist die Diskussion im Gange. Klar, dass sich diese - ganz aktuell - um die Person des Bundespräsidenten dreht, um die Frage, ob Christian Wulff angesichts der ihm vorgeworfenen Verfehlungen aus dem Dienst entlassen werden kann. Sollten sich diese als eindeutige Verstöße gegen das Bundesrecht herausstellen, müsste Wulff vor dem Bundesverfassungsgericht angeklagt werden, hat Müller-Grune recherchiert, entweder vom Bundestag oder dem Bundesrat und zwar, wenn ein Viertel aller Mitglieder einen entsprechenden Antrag stellt.
Der Jurist, der 2005 an der Universität Bonn zum Thema "Der Grundsatz von Treu und Glauben im Allgemeinen Verwaltungsrecht" promoviert hat, liebt den Disput mit seinen Studenten, er freut sich, wenn er Interesse spürt, die Augen der jungen Menschen aufleuchten. Er genießt die Nähe und die familiäre Atmosphäre, "das macht eine Fachhochschule aus", sagt er. Für die kleine, feine, übersichtliche in Schmalkalden habe er sich ganz bewusst entschieden, auch, weil er den Thüringer Wald liebt.
Erfahrungen bringt der Neue aus seiner Lehrtätigkeit an einer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Nordrhein-Westfalen mit. Öffentliches Baurecht hatte er den Studenten an der Universität Erlangen-Nürnberg vermittelt. Nun macht er 348 Studentinnen und Studenten, die zurzeit an der Fakultät Wirtschaftsrecht eingeschrieben sind, mit dem öffentlichen Wirtschaftsrecht vertraut. Ein Themenfeld, das "uns im Alltag auf Schritt und Tritt begegnet". "Öffentliches Recht begegnet uns auf allen Gebieten, da muss man ständig auf dem Laufenden sein", sagt Müller-Grune. Damit meint er nicht nur sich selbst und seine Studenten, sondern auch den Bestand an Fachliteratur, speziell das öffentliche Wirtschaftsrecht betreffend. Hier wünscht sich der Jurist eine bessere Ausstattung. Eine Aufgabe, die er sich und der eigenen Fakultät ins Hausaufgabenheft schreibt. Viel Zeit, seine neue Wirkungsstätte, Stadt und Umland zu erkunden, hatte Sven Müller-Grune noch nicht. In seiner Wohnung in der Allendestraße - mit einem herrlichen Ausblick auf die Stadt - stapeln sich Fach- und Sachbücher. Denn neben der Lehrtätigkeit arbeitet der Professor an verschiedenen Publikationen. "Ich nehme meine Tätigkeit sehr ernst", sagt er, vor allem in der Anfangsphase gebe es reichlich zu tun, wie Vorlesungen vor- und nachzubereiten. Und da die Ehefrau, auch Juristin, gerade im Ausland unterwegs ist, kann sich der Daheimgebliebene in seinen Beruf stürzen.
Mit dem weit verbreiteten Klischee vom spröden Juristen hat Sven Müller-Grune allerdings nichts gemein. Er spielt weder Golf, noch vergräbt er sich hinter Aktenbergen und Gesetzesblättern. Entspannt ruht er in seinem großem Ledersessel, schaut aus dem Fenster mit Ausblick. Kaum zu glauben, dass der einstige Leistungsschwimmer mit Faible zum öffentlichen Recht ein bekennender Fan des japanischen Schwertkampfes ist. Ein Gastprofessor aus dem Land des Lächelns hatte den Studenten Sven Müller mit dem Kendo-Virus angesteckt. Seinen Einstand im Kollegenkreis hat der Neue bereits gegeben: Beim Oberhofer Unternehmerlauf im August vergangenen Jahres bewies Sven Müller-Grune langen Atem und lief mit dem Team der Fachhochschule auf Platz 5.
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