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Von großen und von kleinen Schlitten

Hhmm. Keiner da. Die Organisatoren, Sprecher, Helfer reiben sich verwundert die Augen. Noch eine Durchsage, und niemand kommt. Sekunden später brechen die Dämme. Keiner da? Von wegen!

  • Silke Endter aus Trusetal mit ihrer Mopsdame Sissy. Foto: Heiko Matz
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Brotterode - Drei, vier Verwegene machen den Anfang. Da kommen sie plötzlich aus allen Ecken angerannt, mit ihren Schlitten, Plastikschalen, sonstigen Rutschhilfen. Einmal gerodelt, wollen sie gar nicht mehr aufhören. Regen? Ach, was! Nochmal, noch ein Durchgang, einer nur noch. Schnell und weit hinab. Nur die kleine blonde Schmetterlingslady, die steuert partout immer nach rechtsaußen.

Das Faschingsrodeln für Kinder in der Werner-Lesser-Skiarena zwischen den beiden Wertungsläufen war einer der gelungenen Einfälle beim 7. Hornschlittentag in Brotterode. Die Organisatoren der Sektion Hornschlittensport, allen voran Vereinschef Dr. Frieder Baldauf, logistisch unterstützt von anderen Abteilungen des WSV, dem sie angehören, scheinen vom Pech verfolgt zu sein. Voriges Jahr intensives Schneetreiben, in diesem Jahr weitet sich das anfängliche Nieseln zu einem von Nebelschwaden begleiteten handfesten Dauerregen aus, der die Strecke weich macht und kurioserweise erst wieder nachlässt, als der zweite Durchgang gestartet wird.

    
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hornschlitten
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7. Hornschlittenrennen Brotterode
Brotterode
19.02.2012
    

Die Pause davor dauert länger als geplant. Da ist es gut, dass die Trüser Dance Company Ausdauer beweist. Die sieben- bis elfjährigen Kinder tanzen und stapfen und tanzen den Schnee. Inzwischen wird die arg tief zerfurchte, matschig gefahrene Strecke wieder wettkampftauglich hergerichtet. Ein Glück, dass es den großen Pistenbully, ein Glück, dass es Chris Bartelmäs und Thomas Storch gibt! Es sind nur zwei aus der großen Schar von Helfern, ohne die dieses Ereignis nicht möglich wäre. Neben dem WSV mit der Sektion Eishockey und dem FVI, neben Versorgungskoordinatorin Sandra Grothkopp gehören die Bergwacht Floh dazu, die Technikteams von Andreas Klink und Thoralf Quendt und die Stadt Brotterode-Trusetal.

Deren Bürgermeister Karl Koch war nicht nur pro forma erschienen, sondern eröffnete im ersten Schlitten sitzend gemeinsam mit Landrat Ralf Luther und Überraschungsstargast André Lange, gebremst und gesteuert von Oliver Grothkopp und Mike Schmidt, das 7. Hornschlittenrennen in der Stadt, die nun, weil sie die Brotteroder und Trusetaler vereint, zur absoluten Schlitten-Hochburg des Ostens geworden ist. Koch hatte keineswegs "die Hosen voll", wie der Sprecher argwöhnte, Luther gab nicht "den Bremser, wenns normal läuft", wie über die Besetzung des Promi-Schlittens orakelt wurde. Und Koch harrte im strömenden Regen tapfer bis zum Schluss aus. Da waren Luther, der es gewohnt kurz machte, und Boblegende André Lange schon wieder weg.

Der beste Bobpilot aller Zeiten, zum ersten Mal nicht nur auf der Durchfahrt, sondern in Brotterode Halt machend, war nicht nur gern begrüßter Gesprächsgast im weiten Rund der Skiarena. Vor dem Start bekundete er durchaus Respekt vor der Fahrt, beim Abschied hat er die feste Zusage gegeben, 2013 wiederzukommen, bass erstaunt vom Zulauf der Massen.

Ja, die waren wieder zuhauf erschienen. 2500, wenn nicht gar mehr, werden es gewesen sein, die begeistert die Strecke säumten und im Zielhang jedem der 26 Schlitten aus fünf Bundesländern zujubelten. Schon entwickelt sich so etwas wie ein sportlicher Wettstreit zwischen Continentalspringen und Hornschlittenrennen, wer wirklich die meisten Zuschauer anzieht. Der Zeitvertreibe gab es viele. Das Bauen von feschen Schneemenschen und Tierskulpturen gehörte dazu.

Eine Truppe aus dem Niedersächsischen tat im Vorjahr den Springern Genüge, heuer waren die Handballfreunde Lügde bei Bad Pyrmont, die bereits seit Jahren Winterurlaub in der Waltershäuser Hütte machen, ganz Hornschlittenrenner. Ein Prozent aller Zuschauer, bestens gelaunt postiert am "Dr.-Frieder-Baldauf-Stieg" vor der "Wasserkurve", neben dem "Fuchs-Ausstieg" (in memoriam Ede Fuchsens unfreiwilligem Abstecher 2011 von der Piste) neuralgischer Punkt der etwa einen Kilometer langen Strecke mit 160 Metern Höhendifferenz.

Doch aufgepasst. Vier der Handballfreunde bekamen unversehens einen Schlitten untergeschnallt und waren mittendrin. Sie wollten keine Spaßverderber sein und wurden es dennoch fast, weil sie im Übereifer das Zeitfahrtkabel am Start zerfetzten. Selbst diese Hürde wurde gemeistert und jeder folgende Schlitten dann wieder mit mehr oder minder deftigem Scherz bedacht.

Sachlich cool indes blieb der jüngste der gut ein halbes Dutzend Sprecher vom Start bis ins Ziel: Niklas Fuchs, elf Jahre jung, gab am Start perfekt die Besatzungen bekannt. Scherze wie diesen wagte er noch nicht: Als einer der beiden Gumpelstädter Kisselblitze etwas länger ausblieb, wurde vermutet, dass er kurzerhand gleich nach Eisenach abgebogen sei. Von wegen. Hinter drei Platzhirschen holte der Blitz eins Platz vier. Da hüpften die schicken grünen Mützchen mit den eingestickten Initialen des jeweiligen Trägers vergnügt im Wind - selbst gestrickt (gehäkelt?) von Gitta Miethe, Mutter einer der Aktiven, "unser Boxenluder", wie die Gumpelstädter liebevoll anmerkten. Es ist kein Witz - sie sinnen tatsächlich darüber nach, ebenfalls ein Rennen auszurichten. Am Kissel, nomen est omen. Dieses Jahr fehlte "nur" der Schnee.

Am Abend kamen noch einmal 500 Partygäste zur Hornparty in die Turnhalle, ein Dank auch an die vielen Helfer und Sponsoren, erfreuten sich dort an g'spaßigen Einlagen wie dem Rotkäppchen.

Das ist das Hornschlittenfieber, das in der Region grassiert. Indiz dafür - die Kleinschmalkalder, die im Januar absagen mussten, wagen einen Neuanlauf und wollen nun am 3. März ihr Rennen ausrichten.

Brotterode hat bei großer Medienpräsenz wieder einmal "ein schönes Rennen" erlebt, wie Org.-Chef Frieder Baldauf, der infolge einer Verletzung nicht selbst in seinen Flachmänner-Schlitten steigen konnte, zum Schluss bündig wie treffend kommentierte. Die Karawane, sie zieht nun weiter. Um in einem Jahr erneut am Seimberg Halt zu machen. hrk

    
    

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