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Von Männern, Mädchen und Menschen

Seit September 2011 verstärkt Annett Dorner-Reisel das Professorenteam an der Fakultät Maschinenbau. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Biomaterialien, Nanotechnologie und dünne Schichten sowie Werkstoffe.

Von Sigrid Nordmeyer
  • Annett Dorner-Reisel vor der Metall-Plastik "Spannung" auf dem FH-Gelände. Foto: Sigrid Nordmeyer
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Schmalkalden - Maschinenbau eine Männerdomäne? Von solchen Vorurteilen will Annett Dorner-Reisel nichts wissen. "Wir sind hier im Osten Deutschlands, und da ist man es sowieso gewohnt, dass die Frauen in allen Berufen tätig waren", sagt sie und fegt damit jeglichen Gedanken an den erschreckend geringen Anteil von Studentinnen in ihren Vorlesungen und Seminaren vom Tisch. Von den sehr übersichtlichen sieben Prozent Professorinnen an der FH ganz zu schweigen. Künftige Maschinenbauerinnen und -bauer im idealen Fifty-fifty-Studienverhältnis, das hat sie während der eigenen Hochschul-Ausbildung zu Wendezeiten in Chemnitz noch selbst erlebt. "Zwei junge Frauen" habe sie jetzt aber im Hörsaal unter den etwa hundert Mitschreibenden gesichtet, erwähnt Dorner-Reisel doch noch.

Vielleicht, so spekuliert die gelernte Keramtechnikerin, sei es nur der nüchterne Name der Fachrichtung selbst, der die Abiturientinnen heute davon abhalte, Maschinenbau zu studieren. Die Titel der Spezialgebiete der neuen Professorin selbst, zu Fachrichtungen ernannt, könnten sicher mehr Mädchen vom Hocker reißen. Biomaterial oder Nanotechnologie sind schließlich hochaktuelle Themen, die auch mit der "Tribiologie dünner Schichten" an der Schmalkalder Fakultät Tradition haben.

"Das Interesse für Werkstoffe in ihren Wechselwirkungen war bei mir schon früh da", blickt die gebürtige Burgstädterin zurück. Beim Vater an der Drehbank zu stehen, bedeutete ihr viel. Der Meister im Altenburger Werkzeugkombinat stellte damals Hartstoff-Bohrer aus Titan-Nitrid (TiN) her. Die Professorin heute kennt sich bestens aus mit der Lebensdauer von Implantaten aus allen Werkstoffen (metallische, keramische oder Beschichtungen) in ihren unterschiedlichen Anwendungen im menschlichen Körper, zum Beispiel. "Ich muss keiner Männerwelt beweisen, was ich kann", ist sie sich sicher und hebt ihren Spaß an Projektarbeit und die Vorzüge von bunt zusammengesetzten Teams aus unterschiedlichen Nationen hervor. Internationale Weiterbildung und "Über den Tellerrand schauen" sind die Schlagworte der Wissenschaftlerin, die selbst in den USA und Japan tätig war: 18 Monate an der Universitiy of California in Santa Barbara, sowie für einen Monat in Nagoya.

Die Karriere selbst sei zu Beginn ihrer Ausbildung überhaupt nicht in ihrem Blickfeld gewesen. Dass sie sie aber neben ihrer Aufgabe als Mutter von drei Mädchen, die heute 20, acht und vier Jahre alt sind, dann doch machen konnte, das verdanke sie vor allem ihrem "Super-Ehemann", der sie in allem unterstütze. Mit Kindern sei das Leben zwar aufwendiger, aber für sie auf jeden Fall motivierter. Die realistische Einschätzung hat wohl die letzten Jahre die Familie zusammengehalten. Während sie in den verschiedenen leitenden Funktionen bei der Härterei Reese in Chemnitz, der Continental Automotive GmbH oder auch bei der Sulzer Metco WOKA GmbH in Barchfeld arbeitete, blieb ihr Mann die meiste Zeit in Barchfeld, und der Wohnort der Kinder wechselte je nach Bedarf zwischen Vater und Mutter. "Es sind ja bloß 200 Kilometer bis nach Chemnitz", schwächt Annett Dorner-Reisel ab.

Die Freude am gemeinsamen Bezug der Wohnung in Altenstein und die naheliegenden Spaziergänge oder Joggingrunden im Park sind ihr jetzt anzusehen. Auch wenn Arbeit und Familie in Anspruch nehmen, vielseitig interessiert ist sie allemal: Sport, Philosophie, Kunst und Keramisches Art-Design stehen in ihrem Lebenslauf unter der Rubrik Hobbys. Und das kulturelle Leben in Schmalkalden würde sie auch "gerne noch" entdecken. Überhaupt versteht die Professorin gar nicht, was "so schlimm" sein soll am Fach Maschinenbau. Für sie steckt es voller Möglichkeiten, Kreativität und Metaphysik. Die Frage nach den Ursachen bleibe doch immer aktuell: "Van Gogh war ein großer Visionär, Leonardo da Vinci Ingenieur und Erfinder und Michelangelo ein großer Baumeister." Technik sei doch nicht für Männer, sondern für Menschen da. Ihre große Tochter studiert mittlerweile Chemie in Chemnitz. "Und die mittlere ist so begabt in Mathe", erzählt mir Annett Dorner-Reisel noch beim Gang übers FH-Gelände. "Das wird den Mädchen doch nur eingeredet, dass sie das nicht könnten, oder?"

    
    

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